„Abstand halten ist im Winter umso wichtiger“
ACL und Polizei geben Tipps für sicheres Autofahren während der kalten Jahreszeit
Eine Woche mit Eis, Frost und Schnee liegt hinter Luxemburg – und auch in den kommenden Tagen ist laut Wettervorhersagen keine deutliche Entspannung in Sicht. Frank Maas vom „Automobile Club du Luxembourg“ (ACL) und Charles Faber von der Luxemburger Polizei erklären, wie man gut mit dem Auto durch die Wintermonate kommt.
Wenn die Temperaturen draußen sinken, ist auf den Straßen besondere Vorsicht geboten Foto: Editpress/Julien Garroy
Richtig ausgerüstet
Wer auch bei winterlichen Bedingungen auf das Auto angewiesen ist, sollte gut vorbereitet sein. Dazu gehört ausreichend Scheibenwischwasser beim Fahrzeug. Denn, so Frank Maas vom „Automobile Club du Luxembourg“ (ACL): „Bei gestreuten Straßen wird die Windschutzscheibe schneller schmutzig.“
In Luxemburg sind Winterreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen – wie Eis, Schnee oder Schneematsch – Pflicht. Wer ohne unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 74 Euro und muss das Auto stehen lassen. Winterreifen erkennt man laut Frank Maas an der Kennzeichnung „M&S“, „M+S“ oder „M.S“. Aber Achtung: Im Ausland gelten teils strengere Vorschriften. In Deutschland etwa ist neben der Kennzeichnung für Matsch und Schnee zusätzlich das Bergpiktogramm mit Schneeflocke vorgeschrieben. Das alpine Symbol „Three Peak Mountain Snowflake“ (3PMSF) steht für geprüfte Wintertauglichkeit. „Die meisten Winterreifen sind inzwischen mit diesem Symbol versehen und die Ganzjahresreifen in der Regel auch“, sagt Frank Maas.
Charles Faber arbeitet beim „Service national de circulation et de sécurité routières“ der Polizei Foto: Police Lëtzebuerg
Ganzjahresreifen können auch während der kalten Monate genutzt werden, dennoch rät der Experte für Mobilitätsfragen bei starkem Winterwetter zum Verzicht auf nicht dringend notwendige Fahrten. Auch Charles Faber vom „Service national de circulation et de sécurité routières“ (SNCSR) der Luxemburger Polizei empfiehlt allgemein, bei Wetterkapriolen nicht dringend nötige Autofahrten zu verschieben: „An einem solchen Tag kann man vielleicht einfach mal zu Hause Nudeln essen, statt ins Restaurant zu gehen. Man sollte im Voraus planen und nötige Besorgungen vorher erledigen.“ Wer dennoch fährt, sollte ausreichend Zeit einplanen. Zudem wird empfohlen, stets eine warme Decke und eine Jacke im Auto mitzuführen.
Startklar sein
Frank Maas gilt beim ACL als Experte für Mobilitätsfragen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Wer nach Schneefällen ins Auto steigt, muss das Fahrzeug zuerst von Schnee befreien – ein Handbesen hilft dabei. Wichtig ist, den Schnee auf dem Dach und auf der Motorhaube nicht zu vergessen. Zudem müssen Lichter, Kennzeichen und Seitenspiegel sauber sein. Auch alle Fenster sind von Schnee und Eis zu befreien. Denn gute Sicht ist im Winter besonders wichtig, betont Frank Maas vom ACL: „Laut Straßenverkehrsordnung müssen alle Fenster frei sein – und nicht nur ein kleines Guckloch in der Windschutzscheibe. Man muss zu allen Seiten heraus eine gute Sicht haben, auch über die Heckscheibe.“
Ist das nicht gewährleistet, können 74 Euro Strafe fällig werden. Ein unleserliches Kennzeichen kostet übrigens 49 Euro. Zum Enteisen soll Frank Maas zufolge auf „keinen Fall“ heißes oder lauwarmes Wasser genutzt werden, denn: „Das friert danach.“ Stattdessen empfiehlt er einen Eiskratzer sowie bei dicker Eisschicht spezielle Enteisungsmittel. Dabei darf der Motor laut Polizei nicht laufen gelassen werden, andernfalls droht ein Bußgeld von 49 Euro.
Fahrweise anpassen
Wer bei winterlichen Bedingungen unterwegs ist, sollte Frank Maas zufolge die Fahrzeugbeleuchtung manuell einschalten. Denn im Automatikmodus gehen die Lichter tagsüber nicht immer an. „Es geht nicht nur darum, gut zu sehen, sondern auch darum, gut gesehen zu werden“, betont der Experte. Während der Fahrt gilt es, Geschwindigkeit sowie Fahrstil an die Witterung anzupassen und bei Eis, Schnee und Co. langsamer zu fahren. Frank Maas empfiehlt, den Tempomaten nicht zu nutzen, da dadurch die Kontrolle sinkt. Auch ausreichend Abstand sei gerade während der kalten Jahreszeit entscheidend: „Abstand zu halten ist immer wichtig, aber im Winter ist es umso wichtiger.“
Ähnlich sieht das die Polizei. Charles Faber vom nationalen Dienst für Verkehrs- und Straßensicherheit rät dazu, die Straße aufmerksam zu „lesen“: „Sind darauf Schneeverwehungen zu erkennen, weiß man, dass es dort wahrscheinlich glatt ist. Auch auf Brücken kann es spiegelglatt sein – sogar, wenn gestreut wurde.“ Zudem sollte man jederzeit mit Fehlern anderer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer rechnen. In Kurven gilt es, besonders vorsichtig zu fahren, allgemein sind abrupte Manöver zu vermeiden. Frank Maas empfiehlt, sanft zu bremsen – mit einer Ausnahme: „In einer Notsituation kann man ruhig fest bremsen, das Antiblockiersystem (ABS) sorgt dafür, dass das Fahrzeug lenkbar bleibt.“
Beim Anfahren am Berg rät er zu vorsichtigem Gas-Geben und frühem Hochschalten, „sodass der Motor auf einer niedrigen Drehzahl läuft“. Automatikfahrzeuge sollten – sofern vorhanden – den Schneemodus nutzen. Der Experte fasst abschließend zusammen: „Es ist ein Zusammenspiel: Wenn ausreichend Abstand gehalten sowie die Geschwindigkeit angepasst wird und zudem für eine gute Sicht und die richtigen Reifen gesorgt ist, lassen sich kleinere Unfälle vermeiden.“
Auto abstellen
Ist das Ziel erreicht, sollte das Auto so abgestellt werden, dass der Schneeräumdienst nicht behindert wird. Mehrere Gemeinden rufen derzeit zu besonderer Rücksicht auf. So appelliert etwa die Gemeinde Mersch daran, Fahrzeuge so zu parken, dass auf der Fahrbahn mindestens 3,5 Meter frei bleiben. Nur so können Räumfahrzeuge ungehindert passieren und die Straßen auch bei winterlichen Bedingungen sicher freihalten.