Radwege
Ab jetzt sehen Radfahrer Rot – Luxemburg schlägt ein neues Kapitel im Straßenverkehr auf
Luxemburg erweitert sein Radwegenetz: Der PC11 zwischen Alzingen und Hassel wird auf 6,5 Kilometern ausgebaut und erhält erstmals rot markierte Radstreifen, um Radfahrende sichtbarer zu machen und die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Die Bauarbeiten sollen bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.
So soll der neue Landstraßen-Radweg aussehen Illustration: Ministerium für Mobilität und öffentliche Arbeiten
Mit dem ersten Spatenstich für den Ausbau des Radwegs PC11 zwischen Alzingen und Hassel will Luxemburg ein neues Kapitel in seiner Radverkehrspolitik aufschlagen. Mobilitätsministerin Yuriko Backes (DP) gab gemeinsam mit Diane Adehm, Bürgermeisterin von Hesperingen, und Maurice Groben, Bürgermeister von Weiler-la-Tour, am Montag den offiziellen Startschuss.
Jean Feipel, Erster Schöffe der Gemeinde Weiler-la-Tour, Diane Adehm, Bürgermeisterin der Gemeinde Hesperingen, Claude Lamberty, Schöffe der Gemeinde Hesperingen, Guy Wester, Schöffe der Gemeinde Hesperingen, Yuriko Backes, Ministerin für Mobilität und öffentliche Arbeiten, Jean-Theis, Schöffe der Gemeinde Hesperingen und Maurice Groben, Bürgermeister der Gemeinde Weiler-la-Tour, beim Spatenstich am Montag Foto: Ministerium für Mobilität und öffentliche Arbeiten
Erstmals seit längerem wird im Großherzogtum wieder ein längerer Streckenabschnitt mit sogenannten suggestiven Radstreifen in roter Farbgebung angelegt – ein Ansatz, der die Präsenz des Radverkehrs im Straßenraum bewusst stärkt. Die Arbeiten betreffen die Ortschaften Alzingen, Syren und Hassel. Rote Radspuren waren bereits vor vielen Jahren an der „Route du Vin“ in Gebrauch, wurden dann obsolet, weil parallel ein abgetrennter Radweg gebaut wurde.
Künftig wird der PC11 an die bestehenden Achsen PC1 und PC3 angebunden. Bislang endete der zentrale Radweg PC1 in Hesperingen, was für Radler eine Unterbrechung bedeutete. Durch den Ausbau entsteht eine durchgehende Verbindung zwischen dem Südosten des Landes und dem Ballungsraum rund um die Hauptstadt. Bereits 2025 waren in Esch und auf Howald erste rote Radwege eröffnet worden.
Arbeiten sollen etwas mehr als ein Jahr dauern
Kernstück des Projekts ist der Abschnitt des CR154 zwischen Alzingen und Syren. Beidseitig entstehen 1,50 Meter breite, rot eingefärbte Radwege. Auf insgesamt 3,4 Kilometern kommt ein spezieller roter Asphaltbelag („Mexphalt“) zum Einsatz. Er erhöht die Sichtbarkeit der Radfahrenden deutlich und sorgt für mehr Klarheit im Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer. Ergänzend werden vier punktuelle Geschwindigkeitsdämpfer installiert und die Mittelspur verschmälert – Maßnahmen, die den Verkehr beruhigen und zu einer defensiveren Fahrweise anregen sollen.
Entlang des CR162 (Alzingen-Hassel-Dalheim) wird auf 130 Metern ein neuer Radwegabschnitt gebaut, der die Ausfahrt von Hassel an die bestehende Infrastruktur anbindet. An den beiden Enden der bestehenden Tempo-30-Zone werden jeweils zwölf Meter lange „Plateau“-Elemente zur Geschwindigkeitsdämpfung eingebaut. Am Ortsausgang von Hassel entsteht zudem ein kombinierter Geh- und Radweg, ein sogenannter „gemischter Radweg“, samt barrierefrei angepasster Bushaltestellen. Auch der für Radfahrer kritische Kreuzungspunkt an der N3 bei der rue du Camping und der rue de Syren wird neu geordnet und sicherer gestaltet.
Die Bauarbeiten haben am 16. Februar begonnen und sollen im Mai oder Juni 2027 abgeschlossen sein. Das Projekt umfasst 6,5 Kilometer und kostet rund 4,03 Millionen Euro.
Radwege in der Hauptstadt sind selten rot
Während das Mobilitätsministerium außerhalb der Hauptstadt zunehmend auf rot markierte Radwege setzt, bleibt man in Luxemburg-Stadt bei der Farbgebung bislang zurückhaltender. In einer Gemeinderatssitzung im Dezember hatte der Oppositionspolitiker François Benoy („déi gréng“) kritisiert, dass rote Markierungen trotz ihrer nachgewiesenen Wirkung auf Sichtbarkeit und Sicherheit nur sehr sparsam eingesetzt würden.
Mobilitätsschöffe Patrick Goldschmidt (DP) verteidigte hingegen den Kurs der Stadt. Die Farbe Rot werde gezielt an besonders gefährlichen Stellen genutzt, um die Signalwirkung nicht zu „banalisieren“. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, bei künftigen Projekten auch alternative Farbkonzepte zu prüfen – etwa Blau, wie es in Kopenhagen seit Jahren erfolgreich praktiziert wird.
Das sagt ProVelo
„Das sind keine ‚Pistes cyclables‘, das sind ‚Bandes suggestives‘, die rot eingefärbt werden“, erklärte die Präsidentin von ProVelo, Monique Goldschmit, am Mittwoch gegenüber dem Tageblatt und in Bezug auf die Umgestaltung des CR154. Durch die Umbennung in einen „Chemin cyclable“ könnte die Maximalgeschwindkeit auf der Landstraße auf 50 km/h reduziert werden. Es sei nun wichtig, sehr gut zu kommunizieren, wie sich die Verkehrsteilnehmer vor Ort verhalten müssen, so Goldschmit. ProVelo begrüße das Pilotprojekt, hätte sich jedoch lieber eine vollständige Schließung für den motorisierten Verkehr gewünscht. (gold)