Neu in Luxemburgs Kinos

„Marty Supreme“, oder wie aus Tischtennis plötzlich großes Kino wird

Filmfans in Luxemburg mussten sich lange gedulden: Im Ausland lief „Marty Supreme“ 2025 an, ab dieser Woche ist er auch in Luxemburg zu sehen. Hat sich das Warten auf das Biopic zur Tischtennis-Ikone Marty Reisman gelohnt? Was ein Sportmuffel dazu sagt.

Marty Supreme selbstbewusst und ehrgeizig, siegesgewiss mit großer Klappe und unantastbarer Ausstrahlung

Siegesgewiss, mit großer Klappe und noch größerem Ehrgeiz, hält sich Marty Supreme für unantastbar Copyright: A24

Marty Reisman war einzigartig: Er gilt als amerikanische Tischtennis-Legende und erreichte in den 1950er-Jahren seinen Karrierehöhepunkt. Der Regisseur Josh Safdie bringt seine Geschichte mit „Marty Supreme“ auf die große Leinwand.

Das Thema des Films – Tischtennis – erinnert mich an eine Strafarbeit aus der Schulzeit: Das Lehrpersonal brummte uns auf, einen Aufsatz über das Innenleben eines Ping-Pong-Balls zu schreiben. Mir fiel es schwer, daraus eine spannende Geschichte zu basteln. Josh Safdie schafft das, unter anderem mithilfe des Casts.

Timothée Chalamet spielt Marty Mauser, der an den echten Marty Reisman angelehnt ist, mit der richtigen Mischung aus Charme, Ego und leichtem Größenwahn. Mauser ist ein Schuhverkäufer, der genau weiß, wie er wirkt. Einer, dem man sofort abnimmt, dass er in seinem Viertel gut ankommt. Bei uns würde man ihn wahrscheinlich einen Sabbler nennen. Einer, der viel labert, aber irgendwie trotzdem durchkommt. Marty hat ein klares Ziel vor Augen: die Tischtennis-Meisterschaft in London. Dort will er hin. Und zwar nicht als einer von vielen.

Vom Ritz bis zum Abstieg

In London zeigt sich sofort, wie Marty tickt. Während die anderen Spieler in gewöhnlichen Hotels untergebracht werden, checkt er kurzerhand im „Ritz“ ein. Natürlich auf Kosten seines Vereins. Er sieht sich nicht auf einer Stufe mit den anderen. Genau diese Attitüde wird ihm aber zum Verhängnis. Er verliert gegen den japanischen Meister Koto Endo (Koto Kawaguchi) und ab da geht es steil bergab.

Sein Leben kippt von einem Extrem ins andere. Er schwängert seine noch verheiratete Nachbarin Rachel Mizler (Odessa A’zion), was man am Anfang des Films schon gut erkennen kann, denn der Film liefert hier eine Hommage an die Kultfilme „Kuck mal wer da spricht“. Zu Hause herrscht Chaos: Martys Mutter wird von Fran Drescher gespielt, vielen noch bekannt aus „Die Nanny“, und das Verhältnis ist alles andere als harmonisch.

Marty spielt im Film nicht nur mit dem Tischtennisball, sondern auch mit unseren Nerven

Mit dem Stiefvater läuft es auch nicht besser – und dann ist da noch Kay Stone (Gwyneth Paltrow), eine verzweifelte Schauspielerin, mit der Marty eine Affäre beginnt. Karriere geht für ihn vor Moral. Als wäre das nicht genug, „freundet“ er sich auch noch mit ihrem Ehemann Milton Rockwell an: ein erfolgreicher Kugelschreiber-Hersteller und riesiger Tischtennis-Fan. Marty hofft auf finanzielle Unterstützung für seine Revanche bei der Weltmeisterschaft in Japan.

Doch Rockwell ist kein Anfänger. Er merkt schnell, wenn ihm jemand etwas vormacht. Genauso wie Marty erkennt, dass nicht jedes Gerede ihm automatisch Türen öffnet. Also schlägt er sich anders durch. Er entscheidet sich zwischenzeitlich für eine Tour mit der Basketball-Show „Harlem Globetrotters“ statt für die Tischtennis-Weltelite; spielt Undergrouund-Matches mit seinem Kumpel Wally (Tyler The Creator).

Sportmuffel fiebern mit

Josh Safdies Stilmittel sind stark und hektisch. Der Film spielt klar erkennbar in den Fünfzigerjahren, aber der Soundtrack enthält Achtziger-Hits. Dieses Vermischen von Epochen erinnert an die Regisseurin Sofia Coppola, die ähnlich vorgeht. Es funktioniert überraschend gut. Es entsteht eine lockere Atmosphäre, der Film fühlt sich weniger verkopft an.

Ganz ehrlich: Ich bin nicht der größte Sportfan. Mir könnte jemand erzählen, die Orlando Blooms hätten dieses Wochenende ein grandioses Match gespielt, und ich würde es wahrscheinlich glauben – obwohl das Team frei erfunden ist. Ich ging also mit der Einstellung ins Kino: „Ein Film über Tischtennis – wie spannend kann das denn bitte sein?“

Doch da kam mir ein Chat-Gespräch mit dem luxemburgischen Tischtennis-Profi Eric Glod wieder in den Sinn. Er meinte, Tischtennis wirke für Außenstehende oft langweilig, weil die Ballwechsel kurz seien und die Action nicht so offensichtlich sei wie bei anderen Sportarten. Genau das sei der Reiz. Jeder Ball könne alles verändern. Ein Spiel kippe in Sekunden. Im Fußball gebe es den Elfmeter. Beim Tischtennis zähle jeder Schlag.

Dieses Gefühl vermittelt „Marty Supreme“ perfekt. Das Tempo ist hoch, der Stress spürbar. Man sitzt im Kino und denkt sich ständig: „Jetzt fährt er alles gegen die Wand.“ Marty spielt im Film nicht nur mit dem Tischtennisball, sondern auch mit unseren Nerven.

Am Ende hat „Marty Supreme“ mich zutiefst überrascht. Er zählt vielleicht sogar zu den positivsten Überraschungen zum Jahresbeginn. Gleichzeitig ist die Produktion der Beweis, dass Josh Safdie, der vor allem für die Filme mit seinem Bruder Benny bekannt ist, problemlos allein zurechtkommt. Er verwandelt ein Thema, das auf dem Papier langweilig klingt, in ein einzigartiges und aufregendes Werk.

„Marty Supreme“ läuft ab Mittwoch in den luxemburgischen Kinos.

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