Analyse von außen
Trumps Imperialismus ohne Ausreden
Kommentatoren haben die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro weitgehend als einen von den USA orchestrierten Versuch eines „Regimewechsels“ oder als Bemühung dargestellt, die bestehende politische Ordnung des Landes ohne Maduro zu erhalten. Diese Interpretationen übersehen jedoch eine weitreichendere Entwicklung: das Entstehen einer neuen, diskreteren Form des Imperialismus.
Donald Trump: „Wir brauchen Zugang zu dem Öl und zu anderen Dingen in ihrem Land, die es uns ermöglichen, ihr Land wieder aufzubauen“ Foto: Alex Brandon/AP/dpa
Anstatt einen amerikanischen Kolonialgouverneur im Miraflores-Palast zu installieren, funktioniert dieses System mit subtileren Mitteln, die in gewisser Weise zynischer und effektiver sind. Venezuela hat nach wie vor Ministerien, Sicherheitsdienste, Gerichte und zeremonielle Symbole wie die Präsidentenschärpe. Doch seine wirtschaftliche Lebensader – die Möglichkeit, Öl zu verkaufen und über die Erlöse zu verfügen – wurde unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten gestellt. Wie Präsident Donald Trump gegenüber Reportern erklärte: „Wir brauchen uneingeschränkten Zugang. Wir brauchen Zugang zu dem Öl und zu anderen Dingen in ihrem Land, die es uns ermöglichen, ihr Land wieder aufzubauen.“