Medienbericht
Interne Quellen gehen von bis zu 30.000 Toten an zwei Protesttagen im Iran aus
Eine Internetblockade erschwert die Überprüfung der Gewalt im Iran. Dennoch kommen Tag für Tag neue Fälle und Zahlen ans Licht. Damit wird das Ausmaß immer größer.
Eine Demonstrantin mit einem roten, blutähnlichen Fleck auf der Stirn hält bei einer Kundgebung zur Unterstützung des iranischen Volkes in Paris am 17. Januar 2026 ein Plakat (Archivbild) Foto: AFP
Bei den Massenprotesten im Iran könnten nach Informationen des Time Magazine allein an zwei Tagen bis zu 30.000 Menschen getötet worden sein. Das Magazin beruft sich auf zwei ranghohe Beamte des iranischen Gesundheitsministeriums.
Demnach sollen am 8. und 9. Januar so viele Menschen von iranischen Sicherheitskräften getötet worden sein, dass die staatlichen Behörden mit der Bergung und Beseitigung der Leichen überfordert gewesen seien. Laut den Beamten gingen Leichensäcke aus und statt Krankenwagen seien Lastwagensattelauflieger genutzt worden.
Aktivisten: Wegen Internetblockade Auswertung sehr langsam
Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA meldete nach eigenen Angaben 5.495 bestätigte Todesopfer, unter ihnen 5.149 Protestierende. Zusätzlich prüft HRANA 17.031 weitere mutmaßliche Fälle. Zudem sollen 7.403 weitere Menschen schwer verletzt worden sein. Nach Angaben der Aktivisten haben Sicherheitskräfte 40.887 Menschen festgenommen.
Die Aktivisten weisen darauf hin, dass Auswertung und Überprüfung von Todeszahlen Zeit in Anspruch nehmen. Seit drei Wochen gebe es Internetabschaltungen und -störungen. Das genaue Ausmaß der Gewalt sei deshalb noch unklar.
Irans Regierung nennt deutlich niedrigere Zahlen
Nach offizieller Darstellung gab es bei den Aufständen 3.117 Tote. Mehr als 2.400 Menschen seien bei „terroristischen Aktivitäten“ ums Leben gekommen, behauptete der iranische Botschafter in Genf. Die iranische Regierung macht die Erzfeinde Israel und USA für die vielen Toten verantwortlich. Unabhängige Belege legten die iranischen Behörden nicht vor.
Die Proteste waren Ende Dezember ausgebrochen. Ausgelöst durch die schwere Wirtschaftskrise im Land gingen zunächst Händler auf die Straßen. Vor gut zwei Wochen kam es in den Metropolen am 8. und 9. Januar dann zu Massenprotesten, die brutal niedergeschlagen wurden.