Vor Brics-Gipfel

Südafrika weicht Fragen nach möglicher Putin-Verhaftung aus

Der Westen will Putin verhaften lassen. Beim Brics-Gipfel im August gebe es eine Gelegenheit. Südafrika aber stellt sich dagegen.

Naledi Pandor wich einer klaren Antwort aus, wirkte aber trotzdem bestimmt

Naledi Pandor wich einer klaren Antwort aus, wirkte aber trotzdem bestimmt Foto: AFP/Rodger Bosch

Im Dilemma um einen möglichen Besuch des per Haftbefehl gesuchten russischen Präsidenten Wladimir Putin in Südafrika weicht die dortige Regierung einer klaren Antwort aus. Am zweiten Tag des Außenministertreffens der sogenannten Brics-Staaten in Kapstadt versuchte die südafrikanische Außenministerin die Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen Armut zu lenken. „Wir können nicht zulassen, dass ein Konflikt in einem Teil der Welt unser Bestreben verdrängt, die weltweite Armut (...) zu beenden“, sagte Naledi Pandor am Freitag.

Die Frage nach einer möglichen Verhaftung Putins hatte den Auftakt des Treffens der Minister aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika dominiert. Im August ist Südafrika Gastgeber eines Gipfels der Staats- und Regierungschefs der Brics-Staaten. Ein möglicher Besuch des russischen Präsidenten könnte problematisch sein, weil Südafrika diesen gemäß eines im März erlassenen Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) bei seiner Ankunft festnehmen müsste. Südafrika ist Vertragsstaat des IStGH.

Statt Stellung zu beziehen, betonte die südafrikanische Außenministerin am Freitag die Vorhaben der Brics-Staaten und äußerte Kritik am Verhalten der westlichen Staaten nach der russischen Invasion in der Ukraine.

„Wir in diesem Raum müssen einen Aktionsplan für unsere Länder und für die Welt entwickeln“, sagte sie. Die Weltordnung sei ins Wanken geraten, weil sich die „Aufmerksamkeit und Ressourcen“ der reichen Länder durch den Krieg „verlagert“ hätten. Angesichts des Ukraine-Kriegs sei die Not der Armen „vergessen“, erklärte Pandor. „Wir müssen das wieder umkehren.“

Wir können nicht zulassen, dass ein Konflikt in einem Teil der Welt unser Bestreben verdrängt, die weltweite Armut (...) zu beenden

Südafrikas Außenministerin Naledi Pandor

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass in einem Großteil der Welt die Preise für Lebensmittel und Energie angestiegen waren, was die Lebensmittelknappheit in den ärmeren Ländern weiter verschärft hatte. 

Die Brics-Gruppe versteht sich als Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Derzeit besteht sie aus Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika. Allerdings versucht die Staatengruppe ihren internationalen Einfluss zu stärken und stellt eine Erweiterung in Aussicht. Am derzeitigen Treffen der Außenminister nahmen unter anderem Vertreter aus dem Iran, Saudi-Arabien, Kuba und Kasachstan teil.

Im Ukraine-Krieg nimmt Südafrika eine eher neutrale Position ein. Das Land hat sich bisher geweigert, das russische Vorgehen offiziell zu verurteilen. (AFP)

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