Mitten in der Ölkrise
Erste internationale Konferenz für Ausstieg aus den Fossilen findet in Kolumbien statt
Der Iran-Krieg führt vielen Ländern derzeit ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas drastisch vor Augen. Im kolumbianischen Karibikküstenort Santa Marta treffen sich kommende Woche Regierungsvertreter aus mehr als 50 Ländern zur ersten internationalen Konferenz für einen Ausstieg aus den Fossilen.
Mitten in der Ölkrise wird bei einer internationalen Konferenz über den Ausstieg aus den Fossilen diskutiert Foto: Loic Venance/AFP
Einige ehrgeizige Staaten wollen dabei vorangehen, um endlich eine klimafreundliche Transformation zu erreichen. Das mehrtägige Treffen ist auch eine Reaktion auf die zähen und langwierigen Verhandlungen auf UN-Ebene. Die gegenwärtigen Sorgen wegen der unsicheren Energieversorgung könnten den Gesprächen der Regierungsvertreter am Dienstag und Mittwoch zusätzlichen Schwung geben. Bereits von diesem Freitag bis Montag diskutieren in Santa Marta (COL) Vertreter der Zivilgesellschaft über Wege raus aus der Abhängigkeit von Kohle, Erdöl und Erdgas.
Kolumbien, das selbst über einen großen Erdölsektor verfügt, richtet die Konferenz gemeinsam mit den Niederlanden aus. Die Teilnehmer-Länder machen zusammen ein Fünftel der globalen Produktion von fossilen Energieträgern aus sowie knapp ein Drittel des globalen Konsums.
Es nehmen sowohl wohlhabende Kohle-, Öl- und Gas-Förderländer wie Australien, Kanada und Norwegen als auch Entwicklungs- und Schwellenländer mit Ölvorkommen wie Angola, Mexiko und Brasilien teil. Auch einige stark von Kohle abhängige Staaten wie die Türkei sind dabei.
Außerdem reisen Regierungsvertreter kleiner Inselstaaten sowie von Wirtschafts-Schwergewichten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien an. Überhaupt nicht vertreten in Santa Marta sind die weltgrößten Produzenten fossiler Energieträger wie die USA, China, Saudi-Arabien und Russland.
Der Gründer der Denkfabrik Climate Analytics, Bill Hare, hat Zweifel, ob die sehr unterschiedlichen Teilnehmerstaaten zu guten Ergebnissen kommen. Je „weiter gestreut die Interessen sind, desto geringer sind die Chancen auf ein klares Ergebnis“, sagt er. Kolumbiens Umweltministerin Irene Vélez Torres hält dem jedoch entgegen, dass es ein „großer Schritt voran“ sei, dass nun auch Öl-Staaten über das „Tabu“ Ausstieg aus den Fossilen sprächen.
Neues Rekordhoch bei Treibhausgasemissionen
Einige sehen in der Konferenz außerdem einen Weg, den oftmals von großen Öl-Staaten blockierten Verhandlungsprozess bei den UN-Klimakonferenzen zu umgehen. „Ich denke, das Treffen in Santa Marta ist längst überfällig“, sagt dazu Maina Talia, Umweltminister des vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inselstaates Tuvalu.
Bei der UN-Klimakonferenz 2023 in Dubai hatten sich die mehr als 190 Teilnehmerstaaten nach zähem Ringen zu einem „Übergang weg von fossilen Energieträgern in den Energiesystemen“ bekannt. Danach tat sich allerdings wenig, um diesen Beschluss mit Leben zu füllen.
In klimafreundliche Energien wird weltweit zwar etwa doppelt so viel investiert wie in fossile Energieträger, die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen durch Kohle, Öl und Gas erreichten 2025 aber dennoch ein neues Rekordhoch. Bei der Weltklimakonferenz im November im brasilianischen Bélem konnten sich die Verhandler nicht einmal auf eine explizite Erwähnung der Fossilen in ihrem Abschlussdokument einigen. Darum versucht eine kleinere Gruppe von Staaten nun voranzugehen.
Der Germanwatch-Klimaexperte Lutz Weischer mahnt, angesichts der gegenwärtigen Energiekrise infolge des Iran-Kriegs müsse nun „die Politik endlich die richtigen Lehren ziehen“. Statt wegen der gegenwärtigen Probleme bei den Erdöllieferungen wieder verstärkt auf Kohle zu setzen, seien stärkere Investitionen in erneuerbare Energien nötig, um „das fossile Zeitalter hinter uns lassen“.
Konkrete Beschlüsse dazu sind von der Konferenz in Santa Marta nicht zu erwarten. Beth Walker von der Klima-Denkfabrik E3G hofft aber auf eine positive Dynamik. Aus ihrer Sicht kann die Konferenz nicht nur Input für einen Fahrplan für den globalen Ausstieg aus den Fossilen liefern, sondern auch „langfristig ein Momentum“ schaffen.