Iran-Krieg
Steigende Preise: Europäische Zentralbank könnte Zinsen erhöhen
Erstmals seit zwei Jahren könnte die Europäische Zentralbank den Leitzins erhöhen. Grund dafür sind die infolge des Iran-Krieges steigenden Preise.
Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Foto: Boris Roessler/dpa
Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte in dieser Woche mit einer ersten Leitzinserhöhung seit über zwei Jahren auf die steigenden Preise wegen des Iran-Krieges reagieren. „Alles andere als eine Zinserhöhung bei der EZB-Sitzung wäre eine große Überraschung“, erklärt ING-Ökonom Carsten Brzeski mit Blick auf Donnerstag. Erwartet wird ein Anheben des zentralen Einlagenzinses um 0,25 Punkte auf 2,25 Prozent.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus haben die Energiepreise steigen lassen. Die Inflation zog insgesamt wieder an. In der Eurozone lag der Preisanstieg im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 3,2 Prozent – spürbar über dem von der EZB anvisierten Wert von zwei Prozent.
Höhere Zinsen können die Inflation senken. Die höheren Kreditkosten für Unternehmen senken die Nachfrage und kühlen die Wirtschaft ab. Für die ohnehin schwächelnde Wirtschaft der Eurozone kommen höhere Zinskosten allerdings zur Unzeit. Dennoch sind sich Beobachter weitgehend einig, dass die EZB diesen Schritt gehen wird.
Signal an Finanzmärkte
Dies „soll ein Signal an die Finanzmärkte, aber auch an die Unternehmen und Haushalte sein, dass die EZB die Inflationsdynamik sehr genau im Auge hat“, erklärt der Chefvolkswirt der KfW, Dirk Schumacher. Zugleich bleibe die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Konjunktur und die Preisentwicklung „sehr hoch“. Verlangsame sich die Konjunktur in den kommenden Monaten deutlich, würden weitere Zinsanhebungen unnötig.
Auch der Chefökonom der Allianz, Ludovic Subran, hält die erwartete Zinserhöhung vor allem für symbolisch. „Die EZB könnte abwarten, zumal sich die Wachstumsverlangsamung deutlich abzeichnet“, erklärte er. Den Zentralbankern gehe es darum zu zeigen, dass sie handlungsbereit sind.
Die EZB hatte in der Energiepreiskrise 2022 stark die Zinsen erhöht. Kritiker warfen EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihrem Team aber vor, zu spät auf die bereits seit der Corona-Pandemie deutlich gestiegenen Preise reagiert zu haben. Mit dem Abschwächen der Inflation senkte die EZB die Zinsen ab 2023 wieder. Seit dem vergangenen Juni blieben die Sätze konstant.
Die meisten Analysten betonen, dass sich das wirtschaftliche Umfeld heute von dem im Jahr 2022 unterscheidet. Die Inflation war damals bereits vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs hoch, und die Weltwirtschaft hatte mit Versorgungsproblemen nach der Pandemie zu kämpfen. Deshalb wird derzeit nicht mit weiteren Zinsanhebungen nach Juni gerechnet. Dennoch richten sich die Augen auf die Pressekonferenz von Lagarde nach der Zinsentscheidung am Donnerstag, um Hinweise auf den weiteren Kurs zu erhalten.