Großbritannien
Nach dem Wechsel des Regierungschefs: Aufwind für Labour, schwerer Absturz der Grünen
Der neue Mann tut Labour gut. Seit Andy Burnham vor knapp zwei Wochen Parteivorsitzender und kurz darauf auch Premierminister wurde, hat die alte Arbeiterpartei in den Umfragen deutlich zugelegt. Erstmals seit vielen Monaten überflügelte sie sogar die seit anderthalb Jahren führenden Nationalpopulisten von Reform UK.
Der neue Premier Andy Burnham hat an Statur gewonnen Foto: Kirsty Wigglesworth/Pool/AFP
Der eifrig beschriebene „Burnham Bounce“ (Auftrieb) kennzeichnet aber nur einen Teil des Trends. Zu den Ursachen der neuen Labour-Stärke zählt auch der scheinbar unaufhaltsame Niedergang der Grünen. Deren Parteichef Zack Polanski eilt von Fehler zu Fehler, nicht zuletzt durch hektische Aktivität auf den unsozialen Medien. Das stelle „eine der schlimmsten Belastungen für die Partei“ dar, warnen altgediente Ökopaxe hinter vorgehaltener Hand.
Seine 713.000 Jünger auf Instagram hält der 43-Jährige mit einem schier unerschöpflichen Strom von Bildchen und News-Fetzen bei Laune. Einer Erhebung des Economist zufolge hatte er binnen einem Jahr 35.000 Posts positiv bewertet („like“), darunter polemische Kritik an Journalisten („kompletter Idiot“, „hämisches Arschloch“). Heftig in die Kritik geriet Polanski, selbst Jude, im April, als er Bilder von der Festnahme eines Amokläufers im überwiegend von Juden bewohnten Londoner Stadtteil Golders Green als Polizei-Brutalität anprangerte.