US-Wirtschaft
Erneute Zinspause bei US-Notenbank Federal Reserve
Seit Jahresbeginn hat die Fed nichts am Leitzins geändert. Ihr bleibt auch kaum etwas anderes übrig. Die Notenbanker sind praktisch gefangen zwischen hoher Inflation und schwachem Arbeitsmarkt.
Das Siegel des Gouverneursrats des Federal Reserve Systems der USA ist auf dem Boden des Marriner S. Eccles Federal Reserve Board Building zu sehen Foto: Andrew Harnik/AP/dpa
Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins wie erwartet ein weiteres Mal unverändert. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum fünften Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die drei Abweichler sprachen sich dabei für eine Zinserhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte) aus.
Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votiert, ist zwar nicht außergewöhnlich – die hohe Anzahl zeigt allerdings, wie unterschiedlich stark die derzeitige hohe Teuerungsrate gewichtet wird. Offen für eine straffere Geldpolitik zeigten sich Beth M. Hammack, Neel Kashkari und Lorie K. Logan.
„Unsere Gespräche verliefen erneut kollegial und konstruktiv“, sagte der neue Fed-Chef Kevin Warsh bei einer Pressekonferenz. Unter anderem hätten die Mitglieder über Ursachen und Wirkung der durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferkettenprobleme, militärischer Konflikte und der „erheblichen Erhöhungen der Zollsätze“ gesprochen. „Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen“, führte Warsh später aus.
Er wiederholte sein Versprechen, dass die Fed Preisstabilität garantieren werde – ein Indiz dafür, dass er der Bekämpfung der Inflation Vorrang einräumen will. Die USA stünden bei der Entwicklung der Vollbeschäftigung zwar gut dar, „aber bei den Preisen deutlich schlechter“, sagte Warsh.
Zugleich betonte er, dass diese Bemühungen noch mehr Zeit in Anspruch nehmen dürften. Seit mehr als fünf Jahren liegt die Teuerungsrate in den USA über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent. Dazu müsste sich das Gremium die Auswirkungen der vergangenen Schocks – darunter auch den Iran-Krieg und die daraus resultierende Energiekrise – anschauen. „Wir werden nicht zögern zu handeln“, sagte Warsh weiter.
Fed sind die Hände gebunden
Die Energiekrise und der Iran-Krieg ließen praktisch keine andere Entscheidung zu: Nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten war der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen. Erst die jüngste Pause der US-Angriffe am Wochenende ließ den Preis wieder fallen.
Während Ökonomen vor diesem Hintergrund eine Zinssenkung praktisch ausgeschlossen hatten, wäre – wenn auch unwahrscheinlich – höchstens eine Zinsanhebung denkbar gewesen. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Im Juni lag diese bei 3,5 Prozent. Zugleich war zuletzt die Beschäftigungsentwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass eine Zinserhöhung nicht die Hauptursache der Inflation bekämpfen würde – denn ein Ende der Energiekrise ist erst bei einer dauerhaften Lösung der verzwickten Situation in der Straße von Hormus absehbar. Die Meerenge ist für den globalen Energiehandel von immenser Bedeutung. Durch das derzeit knappe Angebot müssen Firmen viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Eine voreilige Zinserhöhung könnte überhastet wirken, während der gleichbleibende Leitzins der Notenbank mehr Zeit für weitere Indikatoren einräumt.
Warsh priorisiert Kampf gegen Inflation
Der neue Fed-Chef hatte sich zuvor angesichts der vergleichsweisen hohen Teuerungsrate kämpferisch gezeigt. „Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation“, sagte er Mitte Juli. Warsh gilt als „Inflation Hawk“ und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation zu bekämpfen. Warsh hatte zudem eine Sondereinheit angekündigt, die den „Ursachen“ der Inflation nachgehen soll.
Beim vergangenen Zinsentscheid im Juni hatte die Fed für das laufende Jahr zumindest kein schnelles Abflauen der Inflation erwartet. Für 2026 rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent, was deutlich mehr ist als noch kurz nach Beginn des Iran-Kriegs angenommen. 2027 sehen die Fed-Prognosen dann 2,3 Prozent vor. Das würde zumindest mehr Raum für Diskussionen über einen gelockerten geldpolitischen Kurs eröffnen.
Gibt es 2026 überhaupt noch Bewegung?
Mittlerweile scheint die Notenbank mit Blick auf eine straffere Geldpolitik aufgeschlossener zu sein: Im Juni erwarteten 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder im laufenden Jahr mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Von diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen dagegen für das Gesamtjahr mit einer Zinspause. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten.
Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands und der zwölf Regionalbankpräsidenten in Bezug auf die Entwicklung von Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik. Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Beobachter erwarten derzeit eine Zinserhöhung im September.
Angst vor politischer Einflussnahme
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Notenbank das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden.
Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden, das Vertrauen der Anleger in die Fed könnte erodieren. Mit der heutigen Entscheidung dürfte die Fed erneut Trump verärgern.
Anders als Trump es gerne verkürzt darstellt, entscheidet Warsh als Vorsitzender keineswegs im Alleingang. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab.
EZB legte nach Erhöhung erstmal Pause ein
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Zinsen trotz anhaltender Inflationsgefahren zuletzt unverändert gelassen. Nach der ersten Anhebung seit fast drei Jahren im Juni entschied sie sich, den für Banken und Sparer im Euroraum wichtigen Einlagenzins bei 2,25 Prozent zu belassen. Eine weitere Anhebung könnte im September folgen, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen.