Deutschland
SED-Opferbeauftragte will mehr DDR-Geschichte in der Schule
Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus fordert die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke eine verbindlichere Vermittlung der DDR-Geschichte an deutschen Schulen. Die SED-Diktatur dürfe „keine Fußnote der Geschichte werden“, warnt sie.
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, sagte Walter Ulbricht zwei Monate vor dem Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961 Foto: UPI/dpa
Wird im Geschichtsunterricht zu wenig Wissen über die DDR vermittelt? Ja, findet die SED-Opferbeauftragte des Bundestags, Evelyn Zupke. Sie sieht bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte in der Schule erhebliche Defizite – und fordert eine bundesweit bessere Aufklärung. „DDR-Geschichte wird oft nicht verbindlich genug in der Schule behandelt. Das ist ein Problem“, sagte Zupke dem Tageblatt. Sie habe die Sorge, „dass die SED-Diktatur zu einer bloßen Fußnote der Geschichte wird. Und das wäre gefährlich – gerade in einer Zeit, in der die Generation der Zeitzeugen immer kleiner wird.“
Zupke, die seit Juni 2021 als erste SED-Opferbeauftragte des Bundestags im Amt ist, schlägt daher vor, „dass jede Schülerin und jeder Schüler wenigstens einmal eine Gedenkstätte zur zweiten deutschen Diktatur besucht“. Ziel müsse sein, dass jeder die Schule „mit einem klaren Wissen darüber verlässt, was die DDR war – und das Verständnis entwickelt, dass es sich um eine Diktatur und einen Unrechtsstaat gehandelt hat“. Sie betonte: „Jeder junge Mensch sollte wissen, wer Erich Honecker war und was die deutsche Teilung bedeutete.“ Trotz des föderalen Bildungssystems müsse man Wege finden, „das Thema besser abzusichern – in Ost wie in West“.
65. Jahrestag des Mauerbaus
Hintergrund ist der 65. Jahrestag des Mauerbaus, an den an diesem Donnerstag gedacht wird. Am frühen Morgen des 13. August 1961 begannen Soldaten und Bautrupps damals auf Befehl der SED-Spitze, die Grenze des sowjetischen Sektors mit Asphaltstücken, Pflastersteinen und Betonpfeilern zu blockieren. Es war der Anfang der letztlich 155 Kilometer langen Mauer mitten durch Berlin. Bis zu ihrem Fall am Abend des 9. November 1989 starben mindestens 140 Menschen bei Fluchtversuchen oder anderen Zwischenfällen an den Sperranlagen. An den Jahrestag wird in der Hauptstadt in den kommenden Tagen mit Gedenkveranstaltungen, Museumsangeboten, Ausstellungen und einer Kunstinstallation erinnert.
Über die Gedenkveranstaltungen hinaus fordert Zupke, die Erinnerung an die Opfer der DDR in die Öffentlichkeit zu tragen. Helfen könne dabei auch die Umbenennung von Straßennamen. Es gebe „schon ein paar Straßen und Plätze, die nach Opfern der Diktatur benannt wurden“, lobte die Opferbeauftragte. „Straßennamen sind eine Art kollektives Gedächtnis und machen Geschichte sichtbar. Daher ist es wichtig, dass wir Freiheitskämpferinnen und -kämpfer der Friedlichen Revolution würdigen“, sagte Zupke. Außerdem sei die Sichtbarkeit von Zeitzeugen in der Öffentlichkeit „unverzichtbar“. Die 64-Jährige mahnte: „Sie müssen Raum bekommen, um über ihre Erfahrungen in der Diktatur sprechen zu können.“