Ex-BND-Präsident
Deutscher Ex-Geheimdienstchef wegen Spionageverdacht festgenommen
Ein Ex-Geheimdienstchef und sein Vertrauter stehen im Visier der Ermittler. Worum es geht – und warum der ehemalige BND-Chef zuletzt in der Öffentlichkeit stand.
August Hanning, der ehemalige Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) Foto: Michael Kappeler/dpa
Ein ehemaliger Präsident des deutschen Auslandsgeheimdienstes Bundesnachrichtendienst (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen unter Spionageverdacht festgenommen worden.
Auch sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. wurde festgenommen, wie der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mitteilte. Demnach steht Hanning unter anderem unter dem Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Manfred D. wird Beihilfe vorgeworfen. Nach Informationen der öffentlich-rechtlichen Sender WDR und NDR sowie der „Süddeutschen Zeitung“ geht es dabei aber nicht um Russland.
Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D., der während Hannings Zeit an der Spitze des BND dessen Büroleiter war, seinen ehemaligen Chef auch nach dessen Zeit bei dem Auslandsgeheimdienst weiter mit Informationen des BND versorgt haben. Den Ermittlungsbehörden zufolge arbeitete D. von März 2012 bis März 2026 weiter als Büroleiter für BND-Präsidenten.
Weitergabe von Informationen gegen Geld?
Nach dem Ende von Hannings Amtszeit bei dem Geheimdienst sollen beide Männer verabredet haben, dass Manfred D. gegen Geld auch weiter Erkenntnisse des BND an Hanning weitergibt. Diese habe Hanning für seine Beratertätigkeit nutzen können, hieß es.
Hanning leitete den BND von 1998 bis 2005, danach war er Staatssekretär im Innenministerium. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.
Gut 2.000 Dokumente soll D. laut Bundesanwaltschaft Hanning über die Jahre zur Verfügung gestellt haben. Viele davon seien als Verschlusssache eingestuft und ausschließlich für die interne Verwendung bestimmt gewesen, etwa für Lagebesprechungen verschiedener Spitzenbeamter im Kanzleramt.
Ein Regierungssprecher sagte zu den Festnahmen: „Die Bundesregierung wird das wegen der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.“
Ermittlungen kamen durch Block-Fall ins Laufen
In einem Fall soll Hanning laut Bundesanwaltschaft die Informationen auch dafür verwendet haben, um für Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes eine Analyse zu erstellen. Ob diese den Adressaten erreicht habe, sei bislang nicht festzustellen gewesen. Zudem soll Hanning über Jahre in engem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen Nachrichtendienstes gestanden und diesen mit Informationen versorgt haben.
Zuletzt stand er auch wegen einer möglichen Beteiligung an der Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block im Fokus. Hanning und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamtes Hamburg stünden im Verdacht, als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma 2022 einen Auftrag von Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben, hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2025 mitgeteilt.
Durch die Ermittlungen in diesem Fall waren die Beamten Hanning und seinem Mitarbeiter auf die Spur gekommen. Das aktuelle Verfahren gehe auf Funde aus einer Durchsuchung bei Hanning im Zusammenhang mit dem Block-Fall zurück, teilte die Bundesanwaltschaft mit.