US-Kongresswahlen

Latino-Wähler kehren Trump den Rücken

Die Latinos wenden sich von Donald Trump ab. Bei den Midterms mobilisierten vor allem die hohen Lebenshaltungskosten und die Abschiebekampagne seiner Regierung die Wähler – mit Folgen für die Republikaner.

Trumps harte Abschiebepolitik hat viele Latinos gegen ihn aufgebracht

Trumps harte Abschiebepolitik hat viele Latinos gegen ihn aufgebracht Foto: John Gibbins/San Diego Union-Tribune/ZUMA/dpa

Vor zwei Jahren trugen Latinos bei der US-Präsidentschaftswahl maßgeblich dazu bei, dass Donald Trump erneut ins Weiße Haus einzog. Bei den Kongresswahlen am Dienstag zeigten sie Trump und seinen Republikanern nun die kalte Schulter. Hauptgründe dafür sind das gebrochene Versprechen, die Lebenshaltungskosten zu senken, und Trumps aggressives Vorgehen gegen Einwanderer, von denen viele aus Lateinamerika stammen.

Enttäuschung über Preise und Abschiebungen

Die Wahlbeteiligung unter US-Bürgern mit lateinamerikanischen Wurzeln war bei den Midterms am Dienstag ersten Daten zufolge so hoch wie nie zuvor bei US-Kongresswahlen, wie Janet Murguía von der Interessenvertretung UnidosUS sagt. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hätten viele Latinos für Trump gestimmt, weil er versprach, die Preise zu senken – doch dies sei nicht passiert, sagt Murguía.

Trumps „außer Kontrolle geratene Massenabschiebungs-Kampagne“ und seine durch die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde ICE personifizierte „beleidigende, gewalttätige und grausame Taktik“ dabei hätten die Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln vollends gegen ihn aufgebracht, glaubt sie. „Kurz gesagt, haben die Latino-Wähler ihre Wut und ihre Sorge darüber zum Ausdruck gebracht, in welche Richtung sich unser Land entwickelt.“

ICE-Razzien mobilisieren auch junge Latinos

Auch in den USA geborene Latinos der zweiten Generation sind zutiefst verbittert wegen Trumps Abschiebekampagne. Einer von ihnen ist der Texaner Víctor Bucio, der mit seinen in Mexiko geborenen Eltern nur mühsam auf Spanisch sprechen kann. Der 34-Jährige freut sich über die hohe Wahlbeteiligung bei den Latinos. „Es ist nur traurig, dass erst so etwas Schlimmes passieren musste, was sie persönlich betrifft, um die Leute zum Wählen zu bewegen“, sagt er mit Blick auf die ICE-Razzien gegen Einwanderer, bei denen Menschen an ihren Arbeitsplätzen festgenommen und anschließend teilweise in Ketten gelegt abgeschoben wurden.

Einer NBC-Prognose zufolge lagen die Demokraten bei den Kongresswahlen unter den Latino-Wählern landesweit rund 30 Prozentpunkte vor Trumps Republikanern. In Texas trugen Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln dazu bei, dass die Demokratin Gina Hinojosa, Tochter mexikanischer Einwanderer, zur Gouverneurin gewählt wurde – nach drei Jahrzehnten republikanischer Regierung in dem konservativen Bundesstaat.

Florida: Kritik an Trumps Umgang mit Einwanderern

„No te dejes“ – lass dir nichts gefallen – habe ihre Großmutter ihr beigebracht, sagte Hinojosa bei ihrer Siegesfeier. „Viele in Texas großgewordene Latinas haben diese Worte von ihren Müttern und ihren Großmüttern gehört. Und jetzt haben wir sie in die Tat umgesetzt, und wir haben diesen Bundesstaat verändert.“

In Florida, mit seinem hohen Latino-Bevölkerungsanteil, haben die Republikaner die demokratische „blaue Welle“ zwar überstanden, aber nur knapp. Die in Venezuela geborene Rentnerin Viviana Castro ist „stolz, gegen diesen Mann gestimmt zu haben“, wie sie mit Blick auf Trump sagt. „Die Art, wie er mit Einwanderern umgeht, ist nicht ethisch, nicht moralisch, und nicht das, was ein menschliches Wesen verdient“, schimpft die 67-Jährige aus der Gegend von Miami.

Junge Latinos setzen auf die Wahlurne

Nach Schätzungen des Forschungszentrums Circle von der Tufts-Universität in Boston haben bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus unter den Latinos zwischen 18 und 29 Jahren 70 Prozent für Kandidaten der Demokraten gestimmt. Die jungen US-Bürger lateinamerikanischer Herkunft wüssten jetzt, was sie wollen, sagt Yadira Sánchez von der Interessenvertretung Poder LatinX: „Wir nennen sie die Yo sí Voto-Generation“ – die „Ja, ich wähle-Generation“.

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