Luxemburger Dschihadist

Kurdische Milz droht mit Rückzug aus IS-Gefängnissen – Schicksal von Steve Duarte unklar

Nach Gefechten mit der syrischen Armee im Norden Syriens erklärte die kurdische SDF, sich aus einem IS-Gefängnis in al-Hasakah zurückzuziehen. In der gleichen Stadt ist auch der Luxemburger IS-Terrorist Steve Duarte interniert.

Zurückgelassene Gefangenenkleidung im Schaddadi-Gefängnis nach Ausbruch ehemaliger IS-Kämpfer im Konflikt zwischen SDF und syrischer Armee

Zurückgelassene Gefangenenkleidung: Ehemalige IS-Kämpfer haben den Konflikt zwischen SDF und syrischer Armee zum Ausbruch aus dem Schaddadi-Gefängnis genutzt. Es befindet sich in der Stadt Al-Kasakah, wo der Luxemburger IS-Kämpfer Steve Duarte in einem anderen Gefängnis interniert sein soll. Fotos: AFP/Screenshot

Syrien hat im Konflikt mit den kurdischen Kämpfern im Norden des Landes erneut eine Waffenruhe verkündet – die mehrheitlich kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) wollen sich eigenen Angaben zufolge daran halten. Ab dem Dienstagabend gelte „eine Waffenruhe für eine Dauer von vier Tagen“ gemäß „der Vereinbarung zwischen dem syrischen Staat“ und der SDF, erklärte das syrische Verteidigungsministerium am Dienstagabend. Zuvor verkündete Waffenruhen waren gescheitert.

Kurz zuvor hatte die syrische Präsidentschaft eine Einigung mit den Kurden hinsichtlich der kurdisch dominierten Region Hasakah bekannt gegeben und versichert, dass die Armee nicht in die kurdischen Ortschaften dieser Region einmarschieren werde. Die Kurden hätten „ab Dienstagabend vier Tage Zeit“, um einen Plan für die „friedliche Integration“ der Provinz Hasakah in den syrischen Staat vorzulegen, hieß es in einer Erklärung der Präsidentschaft.

Luxemburger Dschihadist noch in Syrien?

In der Region Hasakah soll auch ein bekannter Luxemburger residieren: der IS-Terrorist Steve Duarte. Der inzwischen 38-Jährige soll dort im Ghwayran-Gefängnis in der gleichnamigen Regionalhauptstadt Al-Hasakah einsitzen. Allerdings: Seit 2022 gibt es kein Lebenszeichen von ihm. Im vergangenen Juli verurteilte ein Luxemburger Gericht ihn in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Duarte, in Meispelt aufgewachsen, hatte sich spätestens im Jahr 2014 dem IS angeschlossen und war von Luxemburg nach Syrien gereist. Während des Gerichtsprozesses im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass es kaum Zweifel daran geben kann, dass Duarte ein aktiver Kämpfer für die Terrororganisation war. Es soll auch Duarte gewesen sein, der in einem IS-Propagandavideo von Januar 2016 bei der Exekution von fünf irakischen Kurden nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern sogar das Kommando hatte.

Hasakah gilt als das Herz der kurdischen Autonomiezone. Deshalb wurden die dortigen Gefängnisse, in denen zahlreiche IS-Kämpfer interniert sind, auch von der SDF kontrolliert. In den vergangenen Tagen hatten syrische Regierungstruppen aber bei einer Offensive im Norden und Osten des Landes kurdische Kämpfer aus mehreren, bisher von den Kurden kontrollierten Gebieten vertrieben.

Streit um Gefangenenlager

Wegen des Vormarschs der syrischen Armee sah sich die SDF nach eigenen Angaben bereits zum Rückzug aus dem berüchtigten Lager Al-Hol in Hasakah gezwungen, in dem Familien des IS untergebracht sind. Die Streitkräfte hätten sich „aus dem Lager Al-Hol zurückziehen und sich in der Nähe von Städten im Norden Syriens neu positionieren müssen, die zunehmenden Risiken und Bedrohungen ausgesetzt sind“, hieß es am Dienstag in einer Erklärung der SDF.

Die syrische Armee hatte den kurdischen Streitkräften vorgeworfen, das Dschihadisten-Lager aufgegeben zu haben, was die Kurden zunächst dementierten. Weiter erklärte die Armee, sie würde sich in die kurdischen Gebiete begeben, „um sie zu sichern“.

Sieben Gefängnisse

In Syrien sitzen Tausende ehemalige Dschihadisten, darunter viele Ausländer, in sieben Gefängnissen. Al-Hol ist das größte Lager für Familien von IS-Kämpfern in der Region. Dort leben etwa 24.000 Menschen, darunter 15.000 Syrer sowie rund 6.300 ausländische Frauen und Kinder aus 42 Ländern.

Das Verteidigungsministerium der syrischen Übergangsregierung erklärte, es sei „bereit, die Verantwortung für das Lager Al-Hol und die Gefängnisse“ der Dschihadisten in der Region zu übernehmen. Das syrische Innenministerium kündigte an, nach dem Rückzug der SDF „in Abstimmung mit der internationalen Koalition die notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit zu ergreifen“.

Tageschau.de meldete am Mittwochmorgen, dass während der Kämpfe laut syrischem Innenministerium aus dem Schaddadi-Gefängnis in Al-Hasakah 120 Häftlinge geflohen sind. Laut SDF waren es sogar 1.500 ehemalige IS-Mitglieder. „Dem syrischen Ministerium zufolge haben Armeeeinheiten und Spezialkräfte 81 der Flüchtigen wieder gefasst“, schreibt die Tagesschau.

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