Hormus-Meerenge
Italien fordert „humanitären Korridor“ für Düngemittel
Italien hat sich nach einem virtuellen Treffen von 40 Staaten zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus für einen „humanitären Korridor“ für Düngemittel und andere humanitäre Güter ausgesprochen, um eine Ernährungskrise zu vermeiden.
Die Bedeutung des Nadelöhrs zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman für die Weltwirtschaft wurde von den USA vor dem Iran-Krieg unterschätzt Foto: NASA Earth Observatory/AFP
Außenminister Antonio Tajani habe „die Notwendigkeit eines Prozesses im Rahmen der UNO betont, so schnell wie möglich einen ‚humanitären Korridor‘ einzurichten“, teilte sein Ministerium am Donnerstag in einer Erklärung mit.
Der Korridor solle vor allem „für Düngemittel dienen und alles, was erforderlich ist, um eine neue Nahrungsmittelkrise – insbesondere in den afrikanischen Ländern – zu verhindern“, sagte Tajani, der an dem von Großbritannien koordinierten Treffen teilnahm. Den Angaben zufolge unterstützen auch Tajanis niederländischer Amtskollege und der stellvertretende Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate den Vorschlag.
Die britische Außenministerin Yvette Cooper, die den Vorsitz des Treffens hatte, unterstrich zum Auftakt die „dringende Notwendigkeit“ einer Wiedereröffnung der Meerenge. Die „Rücksichtslosigkeit“ des Iran bei der Blockierung der Straße von Hormus „trifft unsere globale wirtschaftliche Sicherheit hart“, sagte Cooper zu Beginn des Treffens.
Normalerweise wird etwa ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases durch die Straße von Hormus transportiert. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge aber weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Blockade durch die iranischen Revolutionsgarden hat zu einem dramatischen Anstieg der Erdölpreise geführt.
Großbritanniens Regierungschef Keir Starmer hatte am Mittwoch erklärt, das Treffen diene dazu, alle „diplomatischen und politischen Maßnahmen zu prüfen, die wir ergreifen können, um die Freiheit der Schifffahrt wiederherzustellen“. Im Anschluss an das Treffen würden auch „unsere militärischen Planer einberufen, um zu prüfen, wie wir unsere Kapazitäten bündeln und die Meerenge nach den Kämpfen wieder sicher machen können.“ Starmer warnte, die Wiedereröffnung der Meerenge werde „nicht einfach“ sein.
Ein Sprecher des französischen Außenministeriums erklärte, die Sicherung der Straße von Hormus könne erst erfolgen, „wenn die intensive Phase der Bombardements vorbei ist“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete indes bei einem Besuch in Südkorea einen Militäreinsatz zur Freigabe der Hormus-Meerenge als „unrealistisch“.
Trump: Die USA werden nicht helfen
US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch erklärt, die USA würden Ländern, die bei ihren Öllieferungen von der Straße von Hormus abhängen, nicht helfen. „Ihr müsst lernen, euch selbst zu verteidigen, die USA werden nicht mehr für euch da sein, genau so, wie ihr nicht für uns da wart“, schrieb Trump am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social.
Trump forderte, „alle Länder, die wegen der Straße von Hormus kein Kerosin mehr haben – wie etwa Großbritannien“, sollten den „Mut“ aufbringen, in die Straße von Hormus zu fahren und sich das Öl „einfach zu holen“. „Der Iran ist zerschlagen. Das Schlimmste liegt hinter uns. Holt euch euer eigenes Öl!“, schrieb Trump.
Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und die Niederlande hatten sich Mitte März bereit erklärt, mit „geeigneten Maßnahmen“ eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu gewährleisten. Später schlossen sich zahlreiche weitere Staaten an – darunter die seit Wochen vom Iran attackierten Golfstaaten Vereinigte Arabische Emirate und Bahrain.
Nur wenige Schiffe – vor allem aus dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, China und Saudi-Arabien – passieren derzeit die Meerenge weiterhin täglich. Für Schiffe von „Feinden“ der iranischen Führung bleibt die Passage Teheran zufolge gesperrt. Seit Anfang März haben nach Angaben des Schifffahrts-Analyseunternehmens Kpler nur 225 Frachtschiffe die Meerenge durchquert – ein Rückgang von 93 Prozent im Vergleich zu vor dem Krieg.