Eurofighter-Nachfolger
FCAS: Deutsch-französischer Kampfjet legt Bruchlandung hin
Den deutsch-französischen Kampfjet der Zukunft wird es nicht geben. Das haben der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beschlossen.
Der Eurofighter der deutschen Luftwaffe sollte durch den FCAS ersetzt werden. Diese Pläne wurden nun gekippt Christoph Reichwein/dpa
Als „Luftkampf-System der Zukunft“ gestartet, legt das deutsch-französische FCAS-Projekt nach langem Schlingern endgültig eine Bruchlandung hin. Ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Rüstungsunternehmen sowie unterschiedliche Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation haben das 100-Milliarden-Euro-Vorhaben immer unwahrscheinlicher werden lassen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beschlossen nun das Aus für den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges, wie am Montag bekannt wurde.
Die Abkürzung FCAS steht für Future Combat Air System. Zu diesem Luftkampfsystem der Zukunft sollten auch Drohnen und neuartige Kommunikationssysteme gehören. Geplant war es als Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung ab den 2040er Jahren. Ein mit Tarnkappentechnik ausgestatteter Kampfjet sollte bei der deutschen Luftwaffe langfristig den Eurofighter Tycoon und bei den französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen. Dabei sollte der Kampfjet von Drohnen begleitet werden, die über eine Datenwolke miteinander verbunden sind.
Dassault-Konzern wollte bestimmen
Nach den bisherigen Vereinbarungen sollten sich Frankreich, Deutschland und Spanien jeweils zu einem Drittel an der Entwicklung von FCAS beteiligen. Federführend in Frankreich ist Dassault Aviation, in Deutschland Airbus und in Spanien Indra.
Dassault-Chef Eric Trappier pochte für sein Unternehmen stets auf eine Führungsrolle bei FCAS und auf einen deutlich höheren Anteil an der Entwicklung. Er verwies unter anderem auf die Erfahrungen seines Konzerns beim Bau von Kampfjets, die Airbus als ziviler Flugzeugbauer nicht habe. Dies hätte jedoch die ausgehandelte Aufgabenverteilung durcheinandergebracht.
Vermittlungsmission ohne Erfolg
Die Regierungen in Berlin und Paris beauftragten Ende März zwei Rüstungsmanager, noch einen Lösungsversuch zu unternehmen – letztlich ohne Erfolg. Merz und Macron seien nun „zu der geteilten Einschätzung gelangt, dass die Unternehmen beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht zusammenfinden“, hieß es am Montag aus deutschen Regierungskreisen. Der Kanzler habe dem französischen Präsidenten deshalb nahegelegt, „den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiterzuverfolgen“.
Der „eigentliche Kern von FCAS“, also das Kommunikationssystem, das alle Bestandteile des Luftkampfsystems miteinander vernetzt, solle aber erhalten bleiben. Das Projekt ist also nicht komplett am Ende. Deutschland und Frankreich wollten weiter bei der Rüstung zusammenarbeiten, aber „konzentriert auf wenige realistische, relevante Vorhaben“, hieß es seitens der Bundesregierung.
Anforderungen an modernen Kampfjet
Für die französische Luftwaffe gelten andere Anforderungen als für die deutsche. So sollen französische Jets auch auf einem Flugzeugträger landen oder Atomwaffen tragen können. Die deutsche Luftwaffe braucht hingegen eher ein schnelles Jagdflugzeug. Immer wahrscheinlicher wurde daher, dass Deutschland und Frankreich jeweils einen eigenen Kampfjet auf Grundlage einer gemeinsamen Plattform entwickeln. Verteidigungspolitiker halten dies militärisch für sinnvoll.
Wie stand Macron bislang zu dem Projekt?
Der französische Präsident erklärte nach den Merz-Äußerungen im Februar, „dem Erfolg von FCAS verpflichtet“ zu bleiben. „Angesichts der strategischen Herausforderungen für unser Europa wäre es unverständlich, wenn industrielle Differenzen nicht überwunden werden könnten“, betonte Macron.
Als Druckmittel soll die französische Seite laut Medienberichten vor einem Wahlsieg des Rassemblement National bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gewarnt haben. Die französischen Rechtspopulisten wollen kooperative Rüstungsprogramme beenden, sollten sie an die Macht kommen. Auch soll Frankreich erneut mit einem Aus des gemeinsamen Panzerprojekts MGCS gedroht haben, falls FCAS nicht fortgeführt wird.