Gazastreifen
Trotz Waffenruhe: 16 Tote bei israelischen Angriffen
Eine angekündigte Vereinbarung über die Entwaffnung der Hamas hat die Gewalt im Gazastreifen zunächst nicht gebremst. Israel setzte seine Angriffe fort, während die Hamas von Toten und schweren Schäden an medizinischen Einrichtungen berichtete.
Palästinensische Anwohner durchforsten eine Wohnung, die in der Nacht vom 2. August in Gaza-Stadt Ziel israelischer Luftangriffe war Foto: AFP/Omar Al-Qattaa
Ungeachtet der von der Hamas erklärten Zustimmung zu ihrer Entwaffnung hat Israel nach Angaben der radikalislamischen Terrororganisation massive Angriffe im Gazastreifen ausgeführt. Dabei wurden am Wochenende insgesamt 16 Menschen getötet, wie die Hamas mitteilte. Bei Angriffen im Verlauf des Samstags wurden demnach acht Menschen getötet. Dabei seien auch mehrere Lager für Medikamente zerstört oder beschädigt worden. Bei israelischen Angriffen auf Wohngebäude in der Nacht zum Sonntag wurden dem Hamas-Zivilschutz zufolge mindestens acht weitere Menschen getötet.
Krankenhäuser beschädigt
Die israelischen Angriffe am Samstag zielten dem Hamas-Gesundheitsministerium zufolge unter anderem auf ein Lagerhaus für Medikamente des Al-Aksa-Krankenhauses ab und verursachten erhebliche Schäden. Demnach wurden zwei der vier Medikamentendepots des Krankenhauses zerstört und die beiden anderen sowie eine nahe gelegene mobile Klinik schwer beschädigt. Vor Ort sahen Reporter der Nachrichtenagentur AFP einen großen Krater im Boden und Menschen, die die Trümmer durchsuchten.
Die israelische Armee sprach am Samstag von Einsätzen gegen Waffenlager der Hamas. Eines der Waffenlager habe sich neben einem Krankenhaus befunden und als Versteck für „Hamas-Terroristen“ gedient. Israel wirft der Hamas immer wieder vor, zivile Einrichtungen zu nutzen, um Kämpfer und Waffen zu verstecken.

Trauernde tragen den Leichnam einer Person, die bei den nächtlichen israelischen Luftangriffen ums Leben gekommen ist, zum Friedhof Foto: AFP/Omar Al-Qattaa
Auch Wohnungen getroffen
In der Nacht zum Sonntag griff die israelische Armee nach Angaben des Hamas-Zivilschutzes mehrere Wohngebäude im Gazastreifen an. Bei dem Beschuss einer Wohnung südlich von Deir al-Balah wurden demnach ein Mann und eine Frau getötet. Zahlreiche weitere Menschen seien verletzt worden.
Bei einem weiteren israelischen Angriff auf eine Wohnung westlich der Stadt Gaza wurden dem Hamas-Zivilschutz zufolge ein älterer Mann und ein Kind getötet. Ein weiterer Mensch sei getötet und mehrere weitere seien verletzt worden, als die israelische Armee in der Altstadt von Gaza das Feuer eröffnet habe. Drei weitere Menschen, darunter ein Kind, wurden demnach bei einem Angriff auf eine Wohnung nordwestlich von Chan Junis im Süden des Palästinensergebiets getötet.
Rückblende
Die Hamas und ihre Verbündeten hatten am 7. Oktober 2023 Israel überfallen. Bei dem Angriff wurden mehr als 1200 Menschen getötet, 251 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte mit massiven Attacken auf den Gazastreifen, bei denen nach Hamas-Angaben seither mehr als 70.000 Menschen getötet wurden.
Die Angriffe vom Wochenende erfolgten, nachdem die Hamas am Freitag einer Entwaffnung zugestimmt hatte. Hamas-Vertreter erklärten gegenüber AFP, dass eine Einigung „in der Frage der Waffen“ erzielt worden sei. US-Präsident Donald Trump sprach von einer „historischen Vereinbarung über die vollständige Entwaffnung der Hamas“, über die auch Israel „sehr glücklich“ sei.
Eine offizielle Bestätigung von israelischer Seite gab es dafür jedoch nicht. Dass die Hamas schrittweise ihre Waffen abgibt, ist ein Teil der zweiten Phase des von Trump initiierten Friedensplans für den Gazastreifen
Trotz der im Oktober vereinbarten Waffenruhe greift die israelische Armee nahezu täglich Ziele im Gazastreifen an. Seit der Vereinbarung der Feuerpause wurden nach Angaben der Hamas-Behörden mindestens 1222 Menschen im Gazastreifen getötet. Der Juli war demnach mit 152 Toten der Monat mit den meisten Opfern in diesem Jahr. (AFP)