Umwelt
Durch die Welt jetten für König Fußball: Die Klimakosten der WM
48 Teams, 104 Spiele, 16 Stadien in drei Ländern – die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ist das größte und voraussichtlich lukrativste Sportereignis überhaupt. Allerdings wird es Umweltexperten zufolge auch einen Rekord als klimaschädlichstes Sport-Event der Geschichte aufstellen.
Ein großes Umweltproblem bilden die großen Entfernungen zwischen den Stadien Foto: AFP/Julio Cesar Aguilar
Den Welt-Fußballverband FIFA scheint der CO₂-Fußabdruck der WM, also der darauf zurückzuführende Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase, wenig zu scheren. „Anders als bei den Olympischen Spielen, bei denen der CO₂‑Fußabdruck bei den letzten Malen immer weiter verringert wurde, ist bei der FIFA-WM der Männer das Gegenteil der Fall“, sagt David Gogishvili von der Fakultät für Geografie und Nachhaltigkeit der Universität Lausanne (Unil).
Erstmals spielen bei der diesjährigen WM 48 Länder mit, in den vergangenen Jahrzehnten waren es deutlich weniger. Hinzu kommt, dass das Turnier erstmals in drei Staaten ausgetragen wird, die noch dazu eine große territoriale Ausdehnung haben: Kanada, die USA und Mexiko.
Dies steigert nicht nur die Einnahmen, sondern führt laut einer Unil-Untersuchung auch zum „größten CO₂-Fußabdruck in der Geschichte des internationalen Sports“. Die Schätzungen reichen von fünf bis neun Millionen Tonnen an CO₂-Emissionen.
Zum Vergleich: Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris waren es laut Gogishvili etwa 1,75 Millionen Tonnen. Die Fußball-WM 2018 in Russland kam geschätzt auf 2,17 Millionen Tonnen und bei der WM im Wüstenstaat Katar 2022 waren es schätzungsweise 3,17 Millionen Tonnen.
Große Entfernungen zwischen den Stadien
Die WM wird in 16 Stadien ausgetragen. Die kleinste Spielstätte im kanadischen Toronto bietet Platz für 45.000 Menschen, in der größten, dem Stadion im texanischen Arlington, gibt es 94.000 Sitze. Alle 16 Stadien standen bereits, als die Entscheidung für die WM in Nordamerika fiel – es gab also keinen Treibhausgasausstoß durch den Bau neuer Spielstätten.
Ein großes Umweltproblem sind allerdings die großen Entfernungen zwischen den Stadien. Zwischen der US-Metropole Miami und dem kanadischen Vancouver etwa liegen mehr als 4.500 Kilometer. Dieser Faktor steigert die ohnehin größte CO₂-Quelle bei Sportereignissen: Flüge. Schließlich nehmen die Mannschaften und ihr Stab, Funktionäre und Medienvertreter das Flugzeug – und auch viele der „mehr als fünf Millionen Fans“, die die FIFA zu den WM-Spielen locken will.
Die Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina etwa legt allein in der Gruppenphase 5.040 Kilometer im Flugzeug zurück, um ihre Spiele in Toronto, Los Angeles und Seattle zu bestreiten.
Leere Versprechungen der FIFA
FIFA-Chef Gianni Infantino hatte bei der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow die „Entschlossenheit“ seines Verbandes bekundet, sich am Kampf gegen den Klimawandel zu beteiligen. Die FIFA hat sich dazu verpflichtet, den Treibhausgasausstoß ihrer Weltmeisterschaften zu „messen, reduzieren und auszugleichen“.
Nachdem die FIFA 2023 jedoch von der unabhängigen Schweizerischen Lauterkeitskommission wegen ihrer irreführenden Behauptung, die WM 2022 in Katar sei klimaneutral gewesen, gerügt wurde, hat der Fußballverband dieses Mal lieber gleich gar kein Klimaschutz-Versprechen abgegeben.
Umweltexperten sind sich einig: Der beste Weg, negative Umweltfolgen eines Sportereignisses zu begrenzen, sind Obergrenzen für dessen Größe. So hat es laut Gogishvili das Internationale Olympische Komitee (IOC) gemacht, indem es für die Sommerspiele eine Obergrenze von 10.500 Sportlern festlegte.
Die FIFA macht allerdings genau das Gegenteil: Die WM wurde von 32 auf 48 Teams vergrößert und die FIFA-Klubweltmeisterschaft von sieben auf 32 Vereine. Das ist umso verheerender, als die Klimafolgen einer internationalen Partie laut einem Bericht der Denkfabrik New Weather Institute von 2025 „26 bis 42 Mal höher“ sind als bei einem hochkarätigen Spiel auf nationaler Ebene.
Ein einziges Spiel in der WM-Endphase verursacht demnach 44.000 bis 72.000 Tonnen klimaschädliches CO₂. Das entspreche dem Treibhausgas-Ausstoß von 31.500 bis 51.500 Autos in Großbritannien während eines gesamten Jahres.
Keine Besserung in Sicht
Experte Gogishvili kritisiert, der „unstillbare Wachstumshunger“ der FIFA führe zu „mehr Sportlern, mehr Fans, mehr Hotel-Infrastruktur, mehr Flügen“ und einer Art „niemals endendem Kreislauf“.
Die nächste Fußball-WM 2030 soll sogar in sechs Staaten auf drei Kontinenten stattfinden. Sie beginnt mit drei Spielen in Argentinien, Uruguay und Paraguay. Die übrigen 101 Begegnungen werden dann im nordafrikanischen Marokko sowie in Spanien und Portugal ausgetragen.
Die WM 2034 findet dann in Saudi-Arabien statt – bei ähnlicher Hitze wie in Katar, aber mit 40 mehr Partien in einem deutlich größeren Land. Einer der Hauptsponsoren dieser WM ist der saudi-arabische Aramco-Konzern, eine der größten Erdölfirmen der Welt.