Proteste in Frankreich

Der rosarote Randalierer: Wie ein Zeichentrickstar zum Krawallmacher in Paris wurde

Bei den Protesten in Paris soll der rosarote Panther randaliert haben. Das suggerieren zahlreiche Bilder, die in sozialen Netzwerken kursieren. Dabei sind die Szenen frei erfunden.

Der randalierende rosarote Panther existiert nur in KI-generierten Bildern

Der randalierende rosarote Panther existiert nur in KI-generierten Bildern Screenshot: Instagram

Ein Held aus der Kindheit ist vom rechten Weg abgekommen. So zumindest scheint es, wenn man den viralen Posts eines vermeintlich in Paris randalierenden rosaroten Panthers Glauben schenkt. Auf den Bildern trägt eine Person ein Kostüm der ikonischen Zeichentrickfigur und beteiligt sich gewaltsam an den Protesten. Mal hält der Panther eine Waffe, mal springt er Polizisten an oder wird von ihnen weggezerrt. In anderen Aufnahmen schwenkt er stolz die französische Fahne, zerstört Überwachungskameras oder streckt der Menge beide Mittelfinger entgegen. Doch wer steckt hinter der Maske?

Der Panther bei seiner vermeintlichen Randale in Paris

Der Panther bei seiner vermeintlichen Randale in Paris Screenshots: Instagram

KI erzeugt randalierenden Panther

Wie sich herausstellt, ist es die Künstliche Intelligenz. Darüber berichtete die BBC am Montag. Um dies nachzuweisen, suchte das britische Medienunternehmen in den mutmaßlichen Fotos nach sogenannten „SynthID“-Wasserzeichen. Dabei handelt es sich um einen unsichtbaren Abdruck, der in KI-generierte Dateien (Bilder, Videos, Audio) von Unternehmen wie Google, OpenAI oder Nvidia eingebettet ist. Das Ergebnis: Der randalierende Panther wurde von einem Google-Tool ins Leben gerufen.

Über eine umgekehrte Bildersuche fand die BBC zudem heraus, wo die Bilder ursprünglich veröffentlicht wurden. Dabei stieß sie auf ein Instagram-Konto mit der Beschreibung „from imagination to image“ – von der Vorstellung zum Bild. Der Betreiber verweist darin auch auf die Plattform, mit der er seine Bilder generiert.

Echte Fotos dienen als Vorlage

Das Profil zeigt zahlreiche fiktive Figuren bei fragwürdigen Aktivitäten: Ironman setzt Menschen in Brand, bewaffnete Hello Kitties durchsuchen einen Mann, ein Teletubby zeigt den Stinkefinger. Alle Beiträge sind mit „KI-Inhalte“ gekennzeichnet.

Einige der KI-Bilder basieren zudem auf älteren, echten Bildern. Als Beispiel nennt die BBC das Foto eines Mannes, der nach einem Fußballspiel in Paris im Jahr 2025 von der Polizei weggezerrt wird. Auch der Panther, der beide Stinkefinger zeigt, geht auf ein echtes Foto zurück: Die Vorlage stammt von einer Reuters-Aufnahme vom 23. Juni 2015. Darauf sind Proteste in Armenien zu sehen. Einer der Demonstranten streckt seine Mittelfinger in die Luft.

Echte Fotos dienen als Vorlage für die KI-Fakes

Echte Fotos dienen als Vorlage für die KI-Fakes Screenshot: Instagram/Foto: Lou Benoist/AFP

Betreiber löscht mehr als hundert Beiträge

Was auffällt: Während das Instagram-Konto im BBC-Bericht noch insgesamt 198 Beiträge zählt, darunter die des rosaroten Panthers, ist die Zahl am Dienstag auf 81 gesunken. Der Betreiber hat demnach mehr als hundert Beiträge von seinem Profil entfernt. Auch der vermeintliche Panther ist darauf inzwischen nicht mehr zu sehen. Die Reposts kursieren in den sozialen Netzwerken derweil unvermindert weiter.

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