Anna Simon

Der Blick einer Nachgeborenen auf die Anschläge des 11. September

Für ältere Generationen eine historische Zäsur, für Nachgeborene oft nur ein abstraktes Geschichtsbuch-Kapitel: Wie blickt die Generation Z auf 9/11?

Lichtinstallation zum Gedenken der Opfer in New York

Lichtinstallation zum Gedenken der Opfer in New York Foto: AFP/Editpress

Ich wurde erst zweieinhalb Jahre nach den Anschlägen vom 11. September geboren. Daher schaue ich als Nachgeborene mit einem ganz anderen Blick auf 9/11. Was für die früheren Generationen als Zäsur in der Geschichte gilt, die politische Ereignisse in „vor 9/11“ und „nach 9/11“ einteilt, ist für mich nur schwer greifbar. Ich weiß, dass meine Eltern sich am Nachmittag des 11. September in einer Ferienwohnung an der belgischen Küste aufhielten, als die Nachricht um die Welt ging. Doch was der schlimmste Angriff auf die Vereinigten Staaten nach Pearl Harbor wirklich bedeutet, musste ich mir in meinem Kopf selbst zusammenbauen.

Bushs Krieg gegen den Terror. Osama bin Laden und die Al-Qaida. Der Einmarsch in Afghanistan. Die Taliban. Der Irakkrieg. All diese Stücke Wissen wurden mir zwar in der Schule beigebracht, doch den Zusammenhang und die Chronologie der Ereignisse muss ich mir heute noch zu einem Puzzle in meinem Kopf zusammenlegen. Ich kenne auch Menschen, die 9/11 nur oberflächlich einordnen können. Etwa Bekannte, die in ihren letzten beiden Schuljahren keinen Geschichtsunterricht mehr hatten, weil sie sich zwischen Philosophie und Geschichte entscheiden konnten und Letztere abgewählt haben. Für sie muss es noch ungreifbarer sein als für mich. Ohne das Hintergrundwissen über die politischen Ereignisse, die sich vor und nach den Anschlägen des 11. September abgespielt haben.

Die Bilder der sich in die Zwillingstürme bohrenden Flugzeuge. Menschen, die sich lieber in den Tod stürzen, als lebendig zu verbrennen. All das wirkt auf mich ein wie eine Dystopie, die die Vereinigten Staaten an diesem dunklen Tag für immer verändert hat. Fast schon surreal, und doch irgendwie schon immer da, wie in Stein gemeißelt.

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