Frontex
2024 kamen 38 Prozent weniger irreguläre Migranten in die EU
Im vergangenen Jahr sind der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex zufolge weitaus weniger irreguläre Migranten gezählt worden als das Jahr zuvor. Sowohl über die zentrale Mittelmeer-Route als auch über die Balkanroute kamen wesentlich weniger Menschen in die EU.
Inmitten der Überfahrt zur spanischen Kanareninsel Lanzarote brachte am 6. Januar eine Frau ein Kind zur Welt Foto: Handout/Salvamento Maritimo/AFP
Die irregulären Grenzübertritte seien im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent zurückgegangen, hieß es gestern in einer Mitteilung der Europäischen Grenzschutzagentur. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 239.000 irreguläre Grenzübertritte registriert worden, so wenige wie seit 2021 nicht mehr. Frontex führt diesen Rückgang vor allem auf die Zusammenarbeit zwischen der EU und anderen Ländern bei ihrem Kampf gegen Schleusernetzwerke zurück.
Vor allem im zentralen Mittelmeer – also zwischen Libyen und Tunesien einerseits, sowie Italien und Malta andererseits – gab es 2024, mit immer noch 66.766 registrierten irregulären Migranten, einen Rückgang um 59 Prozent. Dies dürfte unter anderem auf die – allerdings umstrittene – Kooperationen zwischen der EU-Kommission sowie der tunesischen Regierung zurückzuführen sein. Trotz des großen Rückgangs bleibt das zentrale Mittelmeer eine der Hauptrouten für Migranten in die EU.
Ein weiterer bedeutender Rückgang irregulärer Grenzübertritte wurde auf der sogenannten Westbalkanroute verzeichnet. Hier gingen die Ankünfte irregulärer Migranten um 78 Prozent zurück. Allerdings machen die 21.520 gezählten irregulären Migranten auf der Balkanroute nur rund ein Drittel jener auf der zentralen Mittelmeerroute aus.
Hoher Zuwachs im Osten
Auf anderen Routen hingegen wurden Zuwächse verzeichnet. So kamen relativ gesehen die meisten Flüchtlinge 2024 über die östliche Mittelmeerroute, die vor allem von Menschen aus Syrien, Afghanistan und Ägypten genutzt wird, in die EU. 69.436 irreguläre Migranten kamen im vergangenen Jahr hauptsächlich von der Türkei aus in die benachbarten EU-Staaten, allen voran Griechenland. Das waren 14 Prozent mehr als 2023. Immer mehr Menschen vor allem aus Mali, Senegal und Marokko schaffen es über die westliche Afrika-Route auf die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln. 46.877 Menschen riskierten 2024 die durchaus gefährliche Überfahrt übers Meer. Das waren 18 Prozent mehr als im Vorjahr.
Den allergrößten Zuwachs an irregulären Grenzübertritten verzeichnete Frontex an der östlichen Landgrenze. Hier wurden 192 Prozent mehr irreguläre Grenzübertritte festgestellt, wobei 17.001 Menschen in die EU gelangten. Zwar wurden hier vornehmlich auch Flüchtlinge aus der Ukraine registriert. Doch versuchen Russland und Belarus an den Grenzen zu Polen und den baltischen Ländern vor allem Menschen aus Äthiopien und Somalia über die Grenze zu bringen, was von den EU-Staaten als Teil der Destabilisierungsaktionen aus Moskau und Minsk gegen die EU erachtet wird. Solche Aktionen finden ebenfalls an der finnisch-russischen Grenze statt, wurden aber von Frontex nicht in ihrer Mitteilung erwähnt.
Hauptsächlich Männer
Bedeutend ist mittlerweile jedoch auch die Zahl jener irregulären Migranten, die die EU in Richtung britische Inseln verlassen. 67.552 Menschen wurden im vergangenen Jahr erfasst, neun Prozent mehr als noch im Jahr 2023. Es sind vor allem Menschen aus Afghanistan, Syrien und dem Vietnam, die es nach Großbritannien zieht.
Nach wie vor sind es hauptsächlich Männer, die als illegale Migranten nach Europa kommen, nur rund zehn Prozent seien Frauen, so Frontex weiter in ihrer Mitteilung. Die meisten Frauen – 62 Prozent –, hauptsächlich aus Afghanistan und Syrien, würden über die östliche Mittelmeerroute in die EU kommen. Zudem stellte Frontex fest, dass immer mehr Minderjährige unter den irregulären Migranten sind: machten Minderjährige 2023 noch 13 Prozent der irregulären Migranten aus, waren es im vorigen Jahr bereits 16 Prozent.
Dass die Überfahrt übers Meer in Richtung EU weiterhin sehr gefährlich ist, darauf weist die Organisation für Migration hin. Sie schätzt, dass im vorigen Jahr 2.300 ihr Leben auf See verloren haben.