Rad-WM

Romuald Hazoumé, Künstler und Präsident des beninischen Verbandes: „Wir Afrikaner müssen Verantwortung übernehmen“

Romuald Hazoumé ist weltweit bekannt für seine Masken, die er aus Benzinkanistern fertigt. Gleichzeitig ist er Präsident des beninischen Radsportverbands, den er mit ungewöhnlicher Offenheit und großer Unabhängigkeit führt – immer mit dem Ziel, Afrika aufzurufen, „Verantwortung zu übernehmen“ und „aus dem Loch herauszukommen“.

Romuald Hazoumé hat Visionen, wie er den afrikanischen Radsport vorantreiben will

Romuald Hazoumé hat Visionen, wie er den afrikanischen Radsport vorantreiben will Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP

„Wissen Sie, Künstler haben manchmal Leidenschaften.“ Müde von einem langen Flug mit Zwischenstopp in Addis Abeba sitzt Hazoumé, 63 Jahre, tief im Sessel des offiziellen Hotels der Radsport-Weltmeisterschaften in Kigali, den ersten auf afrikanischem Boden. Doch der Künstler, dessen Werke – insbesondere Masken aus Plastikkanistern – weltweit in Museen und Galerien ausgestellt werden, wird sofort lebendig, als man ihn fragt, wie er überhaupt zum Radsport gekommen sei.

„Ich war Judoka und sollte bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul starten. Aber kurz davor riss ich mir die Kreuzbänder. Ich musste schnell wieder sportlich aktiv werden, denn ohne Sport hätte ich es nicht geschafft. Also kaufte ich drei Fahrräder“, erzählt er. Doch mit seinem kräftigen Körperbau und seinen „Judoka-Schenkeln“ merkte er bald: „Ich habe nicht die Muskeln, die man fürs Radfahren braucht.“

„Zoum Zoum Vélo Club“

Dann begegnete er einem „Bengel“, der blitzschnell mit dem Rad an seinem Haus vorbeifuhr. Hazoumé suchte ihn auf, schenkte ihm seine Räder und schlug vor, gemeinsam einen Verein zu gründen: den Zoum Zoum Vélo Club. Das war 1995. Während seine künstlerische Karriere Fahrt aufnahm, nutzte Hazoumé jeden Zwischenstopp in Paris – „damals flog ich 50 Mal im Monat“ –, um Fahrräder mit nach Hause zu bringen. „Ich kaufte sie, baute sie auseinander und flog mit den Teilen zurück nach Cotonou.“

Doch in Benin kam dieser Wirbelwind nicht überall gut an. „Sehr schnell wurde ich gehasst. Die Leute im Verband hatten Angst, ich nehme ihnen ihr Futter weg, obwohl ich nur helfen wollte. Ich habe einen wunderbaren Beruf, mit dem ich sehr gut verdiene. Ich muss nicht Chef sein. Also hat man mich bekämpft, bis sie irgendwann begriffen, dass der Radsport bei uns eigentlich tot war. Da war nichts.“

Bald übernahm er die Führung des Verbands und setzte stark auf Frauen: „Sie sind viel disziplinierter und wollen es wirklich.“ Außerdem will er den Bahnradsport entwickeln, „weil unsere Körper in Benin dafür besser geeignet sind“. Doch insgesamt zieht der ehemalige Judoka eine bittere Bilanz des afrikanischen Radsports.

„Aus Europa dürfen wir nichts erwarten“

„Sagen wir die Wahrheit: Der Radsport hat in Afrika keine Zukunft, es sei denn, wir Afrikaner übernehmen Verantwortung. Talent gibt es überall. Aber wo sind die Afrikaner? Abgesehen von Eritrea, wo jeden Sonntag ein Rennen stattfindet. Aber selbst dort – außer Biniam Girmay, wen haben sie? Eigentlich müssten es Hunderte sein.“

Dem Gastgeber Ruanda zollt er Respekt: „Die Organisation ist perfekt.“ Doch er fürchtet, dass Afrika „nach dem Ende der WM sofort wieder in Vergessenheit gerät“ und dass alles „nur Schall und Rauch“ sei. Als Beleg nennt er, dass es bis heute keinen Termin für die diesjährige Afrikameisterschaft gibt – „und wir sind schon fast im Oktober“. Der größte Mangel sei das Fehlen von Rennen. „Ausbilden kann man überall. Aber wenn es keine Rennen gibt – was sollen wir dann machen? Dabei könnte der Radsport viel mehr Menschen mobilisieren als Fußball. Unsere Tour du Bénin zum Beispiel verfolgen 80 Millionen Fernsehzuschauer.“

„Wir müssen endlich aus diesem Loch herauskommen.“ – Wie? „Wenn ich meine Geschichte erzähle, dann deshalb, damit die Afrikaner begreifen, dass ihr Interesse nicht in Tricksereien, Diebstahl oder Korruption liegt. Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, denn aus Europa dürfen wir nichts erwarten“, betont der Künstler. Für ihn sind Kunst und Sport „zwei völlig verschiedene Formen von Intelligenz“, die aber denselben Anspruch tragen: „Wir haben die Pflicht, die Wahrheit zu sagen.“ (AFP)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren