Fußballnationalmannschaft
Strasser-Effekt und neuer Killerinstinkt: „Rote Löwen“ sind wieder auf Kurs
Zwei Siege, eine neue Killermentalität und ein starker Vincent Thill: Luxemburg zeigt gegen Malta, was lange fehlte. Mit wachsendem Selbstvertrauen und breiter Offensive blickt die FLF-Auswahl optimistisch auf die Nations League.
Nationaltrainer Jeff Strasser (r.) hat Vincent Thill wieder Selbstvertrauen eingeflößt Foto: Editpress/Gerry Schmit
Der neue Killerinstinkt
Luxemburg hat in den beiden Duellen genau das gezeigt, was in den vergangenen Jahren oft gefehlt hat: Effizienz in den entscheidenden Momenten. Auch wenn die Gegner nicht Deutschland oder die Slowakei hießen, sondern Malta, markiert dieser Auftritt dennoch einen wichtigen Entwicklungsschritt.
In beiden Partien gelang es der Mannschaft von Jeff Strasser, starke Phasen des Gegners nicht nur zu überstehen, sondern sie mit eigenen Treffern zu kontern. Das spricht für eine gewachsene Stabilität und sagt im Umkehrschluss auch aus, dass die eigenen Schwächephasen mit Bravour gemeistert wurden.
Auffällig war zudem die Körpersprache: Die „Roten Löwen“ traten mit einer Selbstverständlichkeit und Ruhe auf, die sie scheinbar kaum aus der Fassung bringen ließ. Jeder einzelne Spieler strahlte Präsenz und Autorität aus.
Sollte es der FLF-Auswahl gelingen, dieses neu gewonnene Selbstbewusstsein in die kommende Nations League zu übertragen, dürfte mit dieser Mannschaft in diesem Wettbewerb durchaus zu rechnen sein.
Doppelte Muntermacher
Vincent Thill ist wieder da. Der 26-Jährige erzielte im Hin- und Rückspiel jeweils den Führungstreffer für Luxemburg. Aber nicht nur das: Er wirkte fit, spritzig und zeigte Lust am Fußball. Diese war ihm zuletzt abhandengekommen. Nach einem mittelmäßigen Jahr beim aserbaidschanischen Erstligisten FK Sabah wechselte er im Sommer zu deren Ligakonkurrenten Zira FK. Dort wurde er nie glücklich, verletzte sich am Knie und schlussendlich wurde sein Vertrag Mitte Oktober 2025 aufgelöst. Diese Vereinslosigkeit gab ihm die Möglichkeit, in Luxemburg wieder fit zu werden. Nationaltrainer Jeff Strasser stellte zusammen mit dem Verband und dem LIHPS ein spezielles Programm für ihn auf. Zugute kam ihm auch der Wechsel zu Waldhof Mannheim, wo mit Luc Holtz einer seiner frühen Förderer Trainer ist. Er und Strasser haben wohl zusammen dafür gesorgt, dass das ehemalige Toptalent wieder auf dem Weg der Besserung ist. Jetzt muss er nur noch im Verein bestätigen.
Gefahr aus allen Ecken
„Viele unserer Spieler sind in der Lage, Tore zu schießen“, sagte Strasser und hatte recht damit. Die fünf Tore gegen Malta wurden von vier verschiedenen Spielern erzielt. Diese Statistik bestätigt auch die Tendenz der vergangenen Wochen. In ihren Vereinen zeichneten sich gleich mehrere Luxemburger als Torschützen aus. Keiner dieser Spieler ist ein richtiger Torjäger. Die FLF-Auswahl hat auch keine andere Wahl, als auf Variabilität in der Offensive zu setzen. Ein richtiger Goalgetter ist nämlich auch in den kommenden Jahren nicht in Sicht – außer Spieler wie Brian Madjo oder Dany Mota würden sich doch noch für Luxemburg entscheiden.
Der Strasser-Effekt
Jeff Strasser konnte am Dienstagabend durchatmen. Nach sechs Niederlagen in der WM-Qualifikation 2025 konnte er seine ersten beiden Siege als Nationaltrainer feiern. Bereits in der vergangenen Kampagne lieferte Luxemburg unter ihm starke Leistungen ab, wurde jedoch nicht belohnt. Diesmal operierte die FLF-Auswahl mit der Effizienz, die in der Vergangenheit Mannschaften von Strasser auszeichnete. Die „Roten Löwen“ wirken unter dem 51-Jährigen kontrollierter und balancierter als unter seinem Vorgänger Luc Holtz. Dies hat jedoch auch etwas mit dem Alter der Spieler zu tun. Das Gerüst der Mannschaft befindet sich im besten Fußballeralter und konnte viele Erfahrungswerte sammeln, die dem Team jetzt zugutekommen. Auch für Strasser gilt: In der kommenden Nations League muss er nachlegen.
Was ist mit Borges los?
Obwohl die vergangenen Tage sehr positiv verliefen, gibt es einen kranken Patienten. Es scheint ein Problem mit Yvandro Borges zu geben. Der Flügelspieler wirkte auf der Reise nach Malta wie ein Fremdkörper. Vor dem Heimspiel gegen Malta lief sich der Profi von Heracles Almelo nicht warm, sondern schob den Ball nur gelangweilet vor sich her. Strasser befand sich zu diesem Zeitpunkt in den Katakomben und konnte dies nicht sehen. Trotzdem wurde er in der 68. Minute eingewechselt. Auf den ersten Blick sah sein Auftritt solide aus – vor allem, weil er viel Freiraum genoss. Auf den zweiten Blick brachte er eine gewisse Nonchalance zum Ausdruck und es fehlte ihm an der nötigen Körpersprache. Auch bei Heracles Almelo scheint seine Einstellung zum Problem zu werden, denn vor den beiden Länderspielen schaffte er es nicht in den Kader, obwohl der 21-Jährige körperlich fit war. Es scheint so, als befände sich das ehemalige Toptalent am Scheideweg seiner Karriere.
Wieder in den Top100
Luxemburg hat durch die Siege gegen Malta auch wieder den Sprung unter die Top 100 der FIFA-Weltrangliste geschafft. Die FLF-Auswahl war nach der erfolglosen WM-Qualifikation im November 2025 auf Rang 103 gerutscht. Seit dem 1. April steht die Mannschaft von Jeff Strasser auf Rang 98.
Seit dem vergangenen internationalen Länderspielfenster wird das Ranking in Echtzeit aktualisiert. Davor wurde die Rangliste nur einmal im Monat neu veröffentlicht. Den historisch besten Platz erreichte Luxemburg im Jahr 2018 (82.). Dies allerdings kurz nachdem die FIFA ihr Bewertungssystem geändert hatte.
Statistisches zum „Léiwepark“
Am Dienstag trat die FLF-Auswahl zum 27. Mal seit dem Eröffnungsspiel im September 2021 im Stade de Luxembourg an. Im „Léiwepark“, wie die Heimstätte liebevoll von den Fans genannt wird, durften die Zuschauer bisher 30 Tore der Luxemburger Mannschaft bejubeln. Auswärts traf die FLF-Formation im gleichen Zeitraum 18 Mal in 23 Spielen. Allerdings wurden auswärts mehr Punkte gesammelt. Seit 2021 wurden in Qualispielen oder Nations-League-Partien in der Ferne 23 Punkte geholt, während zuhause nur 21 Zähler zu Buche stehen. Eine Festung ist das Stade de Luxembourg demnach nicht.
So geht es weiter
Die Nations-League-Ausgabe 2026/27 wird ab September ausgetragen und bringt eine neue Eigenheit mit sich. Innerhalb von elf Tagen wird die FLF-Auswahl viermal antreten müssen. Ein bisher unbekanntes Szenario. Strasser macht sich bereits seine Gedanken und will für den Herbst nicht nur mehr Spieler als üblich nominieren, sondern auch den Betreuerstab vergrößern. „Ansonsten ist dies nicht machbar“, blickt Strasser voraus.
Die Gegner lauten Bulgarien, Island und Estland. Luxemburg kann sich durchaus berechtigte Hoffnungen machen, wieder um den Gruppensieg mitspielen zu können. Davor werden im Juni zwei Testspiele stattfinden, wahrscheinlich gegen WM-Teilnehmer. Es steht bereits fest, dass eine Partie auswärts stattfinden wird und eine im Stade de Luxembourg. Strasser kündigte auch an, während dieser beiden Länderspiele ein paar jungen Sturmtalenten eine Chance geben zu wollen.