MotoGP

Marc Márquez: Von ganz unten zurück nach ganz oben

Am Wochenende kann Marc Márquez in Japan seinen ersten MotoGP-Titel seit sechs Jahren holen und mit dem großen Valentino Rossi gleichziehen. Der Weg zurück zum Thron war beschwerlich, sogar das Karriereende drohte.

Marc Márquez stand in dieser Saison in 32 Rennen 28-mal auf dem Podium

Marc Márquez stand in dieser Saison in 32 Rennen 28-mal auf dem Podium Foto: AFP/Andreas Solaro

Auf Sturz folgte Sturz, auf Rückschlag folgte Rückschlag. Es hat nicht viel gefehlt, und Marc Márquez hätte die Brocken einfach hingeschmissen. „Nah, sehr nah“ sei er dem Karriereende vor wenigen Jahren gewesen, sagte der MotoGP-Superstar aus Spanien zuletzt, nun steht er wieder ganz oben. An diesem Wochenende, auf der 17. von 22 WM-Stationen, winkt dem Dominator auf dem Motorrad der erste Titel seit sechs Jahren – nach einer frustrierenden Krise mit vielen Tiefpunkten.

Vor dem Großen Preis von Japan gibt es beim Griff nach der Krone nur noch einen Gegner, er kommt aus dem eigenen Haus. Àlex Márquez, sein jüngerer Bruder, ist der letzte verbliebene Rivale, aber auch nur rechnerisch. Sammelt der 32-jährige Marc in Motegi drei Punkte mehr ein als der 29-jährige Àlex, ist das Duell entschieden. Und vieles, fast alles, spricht dafür, dass es am Sonntag (7.00 Uhr MESZ) passiert. Denn der Spitzenreiter funktioniert (wieder) wie eine Maschine.

Márquez hat in diesem Jahr sagenhafte elf Grands Prix und 14 Sprints gewonnen. Der achtmalige Weltmeister, sechsmal Champion in der Königsklasse MotoGP, stand in 32 Läufen 28-mal auf dem Podium. Mit seiner Konstanz erdrückt er die Konkurrenz, Pecco Bagnaia aus Italien, sein Partner im Ducati-Werksteam, hat im Klassement 275 (!) Punkte Rückstand. Die beiden trennen Welten, dabei galten sie vor der Saison gemeinsam als größte Titelkandidaten.

Ein Tag, der alles veränderte

Der alte Marc Márquez ist zurück, der Rennfahrer, der 2013 in die MotoGP kam und direkt zweimal Weltmeister wurde. Auch von 2016 bis 2019 war der Katalane nicht zu schlagen, doch dann kam der 19. Juli 2020, dieser Tag, der alles veränderte. Beim Saisonauftakt in Jerez flog Márquez ins Kiesbett und wurde von seiner Honda getroffen. Der rechte Oberarm brach, nach der ersten Operation (von insgesamt vier samt Knochentransplantation) kehrte er schnell zurück. Zu schnell. Dazu hatte Márquez erneut Probleme mit Doppelsichtigkeit und unterzog sich auch deshalb 2022 einem Eingriff.

All das ist überstanden, doch Márquez bleibt vorsichtig. „Ich weiß, dass sich von einem auf den anderen Tag alles ändern kann“, sagte der Dauersieger, der sich seit seinem Schritt zu Ducati (2024) wieder nach oben gearbeitet hat. „Nach dem Wechsel ins Werksteam wusste ich, dass ich um den Titel fahren kann“, so Márquez, der zur aktuellen Saison vom Kundenrennstall Gresini zu den Roten aufgestiegen war. „Vor zwei Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, heute in einer solchen Form zu sein.“

Márquez hat alles selbst in der Hand, mehr als 2.100 Tage nach seiner bislang letzten Krönung ist Titel Nummer sieben in der Königsklasse und Nummer neun insgesamt in Sicht. In beiden Ranglisten würde er mit Legende Valentino Rossi gleichziehen, mit sieben MotoGP-Triumphen wäre er alleiniger Rekordhalter.

Denn Rossi, der Márquez seit einer folgenschweren Auseinandersetzung in Malaysia 2015 links liegen lässt, hatte vor der MotoGP-Einführung (2002) einmal in der Vorgängerklasse (500 ccm) gesiegt. Auf Glückwünsche aus Italien muss Márquez nicht warten.

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