Lëtz Mile

Die letzte Meile des Olympia-Helden: So feierte Charel Grethen am Samstag sein Karriereende

Nach 15 Jahren Leistungssport und einer exemplarischen Karriere verabschiedete sich Charel Grethen am Samstag vor heimischer Kulisse von der aktiven Bühne. Seinem Heimatverein CSL gelang es mit der ersten Austragung der Lëtz Mile zugleich, seinem Sympathieträger einen mehr als würdigen Abschied zu gestalten.

Charel Grethen: getragen von Konkurrenten und Wegbegleitern

Charel Grethen: getragen von Konkurrenten und Wegbegleitern Foto: Editpress/Georges Noesen

Der Hauptstadtverein CSL, der vor 25 Jahren aus der Fusion von Spora und CAL hervorgegangen ist, feierte am Samstagnachmittag sein Jubiläum mit einer Premiere, nämlich der ersten Auflage der „Lëtz Mile“ auf der „Avenue de la Liberté“. In fünf Läufen über jeweils eine Meile – für Eliteathleten, Nachwuchstalente und Freizeitsportler – verfolgte der Verein gleich zwei Ziele: der Leichtathletik in Luxemburg zu neuer Popularität zu verhelfen und gleichzeitig zur Aufwertung des Bahnhofsviertels beizutragen. Das Hauptrennen war dann zugleich der letzte Auftritt von Charel Grethen, nachdem er sich vor zwei Wochen bei der WM in Tokio schon von der internationalen Bühne verabschiedet hatte.

In einem intensiven und engen Rennen, das vom Franzosen Louis Gilavert (4:11,1) gewonnen wurde, lief der CSL-Athlet (4:12,8) auf Platz fünf ein. Direkt im Anschluss absolvierte der Olympia-Finalist von 2021 gemeinsam mit vielen Weggefährten eine Abschlussmeile, um sich gebührend vom Publikum zu verabschieden. Für den 33-Jährigen endete damit ein Kapitel, in dem er sich als Halbprofi dem Leistungssport gewidmet und untergeordnet hatte.

Nun fällt der Druck ab und ich kann spontaner leben, den Tag etwas freier gestalten

Charel Grethen

„Es wird noch etwas dauern, bis ich von der ganzen Disziplin loslassen kann. Auf diesem Niveau war halt alles durchgeplant. Nun fällt der Druck ab und ich kann spontaner leben, den Tag etwas freier gestalten und auch mal ein bisschen vom Wochenende profitieren“, sinnierte Grethen über sein neues Leben. Jedoch blickt der CSL-Athlet nicht mit Wehmut auf seinen nicht immer unbeschwerlichen Weg im Leistungssport zurück. „Ich muss sagen, all die Jahre habe ich das auch genossen. Das ist natürlich eine Entscheidung, die man selbst trifft. Aber irgendwann ist auch Zeit für andere Dinge im Leben. Und dieser Moment ist jetzt gekommen“, so Grethen, der sich darauf freut, künftig auch mal länger als nur fünf Tage im Jahr in den Urlaub fahren zu können und mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Bei ihnen bedankte er sich herzlich für die Unterstützung und das Verständnis in all den Jahren – schließlich hätten sie vieles mittragen müssen, während er ständig unterwegs war.

Trotzdem möchte der 33-Jährige dem Sport weiter treu bleiben: „Ich treibe gerne Sport, daher werde ich weiter aktiv bleiben. Mit den Wettkämpfen ist es aber vorbei. Ich weiß noch nicht, wie viel ich noch laufen werde, aber ich kann mir vorstellen, mehr aufs Rad zu steigen, da ich das schon vorher gemocht habe.“ Sein letztes Rennen bestritt Grethen im CSL-Dress des Veranstalters, auch wenn er betonte, sich genauso bei der FLA und beim COSL für die jahrelange Unterstützung bedanken zu müssen. „Ich war mein Leben lang immer im selben Club – zuerst Spora, dann CSL – und dafür habe ich der gesamten Struktur des CSL viel zu verdanken. Außerdem konnte ich mit Camille Schmit als CSL-Trainer trainieren. Deshalb ist der CSL für mich natürlich sehr wichtig“, erklärte Grethen die Treue zu seinem Verein.

Wie in seiner kompletten Karriere präsentierte sich Grethen auch an diesem Samstagnachmittag volksnah, gutgelaunt, zuvorkommend und dankbar für jegliche Unterstützung, die er in all den Jahren erfahren hat. Damit verliert die nationale Leichtathletikszene nicht nur einen außergewöhnlichen Athleten, der ein Olympia-Finale erreicht hat, sondern auch einen stets mit beiden Füßen auf dem Boden gebliebenen Sympathieträger.

Charel Grethen nahm sich auch am Samstag viel Zeit für Fans
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Charel Grethen nahm sich auch am Samstag viel Zeit für Fans
Die Lëtz Mile markierte neben dem Abschied von Charel Grethen auch das 25-jährig...
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Die Lëtz Mile markierte neben dem Abschied von Charel Grethen auch das 25-jährige Jubiläum des CSL
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Abklatschen mit den Zuschauern
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Abklatschen mit den Zuschauern
Bob Bertemes und Christine Majerus ließen sich den Abschied des Olympia-Finalist...
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Bob Bertemes und Christine Majerus ließen sich den Abschied des Olympia-Finalisten nicht entgehen
Den Tränen nahe
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Den Tränen nahe
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Stimmen von langjährigen Weggefährten

Vera Bertemes-Hoffmann (Mittelstreckenläuferin)

„Es ist immer schön, einen Kollegen an der Seite zu haben, wenn man große Wettkämpfe gemeinsam bestreitet – wie zuletzt auch bei der Weltmeisterschaft in Tokio. Charel ist jemand, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Er ist immer gut gelaunt, man hat mit ihm einfach eine gute Zeit. Er hinterlässt definitiv eine große Lücke.“

Bob Bertemes (ehemaliger Kugelstoßer)

„Wir haben über viele Jahre hinweg oft das Zimmer geteilt, die Bühne geteilt – deshalb ist es etwas ganz Besonderes, hier mit dabei zu sein. Die intensivste Zeit hatten wir definitiv in Tokio. Da konnte man hautnah miterleben, wie er vom Vorlauf über das Halbfinale bis ins Finale gekommen ist. Und was mich am meisten beeindruckt hat: Er hat sich nie verändert. Er ist immer der gleiche Charel geblieben.“

Camille Schmit (Trainer)

„Charel hat immer an seinen Coach geglaubt. Es gibt viele, die – wenn es einmal nicht läuft – direkt meinen, der Coach sei schuld. Wir hatten gute Zeiten, aber natürlich auch schwierigere Phasen. Trotzdem hat Charel immer an uns geglaubt, daran, dass wir gemeinsam etwas erreichen können. Charel ist einfach ein großartiger Typ – immer gut gelaunt. So jemanden trifft man nicht oft.“

Xavier Thillen (CSL-Präsident)

„Er ist schon unser Held. Seine gesamte Karriere verdient höchsten Respekt – Chapeau. Ein großartiger, lieber Kerl, diszipliniert, immer ansprechbar. Und dann ist er seit Josy Barthel der einzige Luxemburger, der bei Olympischen Spielen in einem Finale stand. Und deshalb, finde ich, ist diese Würdigung zum Abschluss seiner Karriere absolut verdient und ehrenhaft.“

Stéphanie Empain (FLA-Präsidentin)

„Der Leichtathletikverband, so wie er heute dasteht, ist im Grunde auch durch – und dank – Charel deutlich professioneller geworden. Er kam in einer Phase, in der auch der Verband bereit war, sich neu aufzustellen. Und er war genau derjenige, um den herum wir eine Struktur aufbauen konnten. Mit ihm haben wir enorm viel gelernt. In diesem Sinne war Charel eine Schlüsselfigur, die uns geholfen hat, uns als Verband und auch in den Vereinen neu auszurichten – und zu erkennen, was möglich ist.“

Michel Knepper (COSL-Präsident)

„Charel war über all die Jahre hinweg ein großartiger Botschafter für Luxemburg. Besonders in Erinnerung bleibt natürlich seine Teilnahme am Finale in Tokio – das war wirklich eine fantastische Leistung. Er war über all die Jahre eine echte Identifikationsfigur für die luxemburgische Leichtathletik – gerade auch für den Nachwuchs. Er war so etwas wie ein Star, zu dem viele aufschauen konnten und sich dachten: ‚Ich möchte auch einmal so laufen wie er.‘“

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