Corona

Wie sich die „Laboratoires Réunis“ auf das Large Scale Testing eingestellt haben

Um die sanitäre Krise in den Griff zu bekommen, setzt die Luxemburger Regierung auch auf das massenhafte Testen der Bevölkerung und der Grenzgänger. Das Large Scale Testing ist ein beispielloses Unterfangen und Luxemburg ist damit zu einem der Länder geworden, in denen am meisten getestet wird. Eine zentrale Rolle bei den Anstrengungen spielt das medizinisch-diagnostische Privatlabor „Laboratoires Réunis“ mit Sitz in Junglinster.

Die Corona-Test-Station in Raemerich ist eine von vielen, die es überall in Luxemburg gibt

Die Corona-Test-Station in Raemerich ist eine von vielen, die es überall in Luxemburg gibt Foto: Eric Rings

Ein Besuch an einer Teststation verläuft meist genauso schnell wie unspektakulär. Man fährt vor, weist sich aus und eine Person macht einen Rachenabstrich. Einen oder zwei Tage später wird man per SMS über das Resultat informiert. Aufmerksamen Besuchern dieser Ad-hoc-Testzentren fällt das Logo der Firma Ecolog auf. Der Militärdienstleister aus Dubai wurde mit der Durchführung der Abstriche beauftragt. Ausgewertet werden die gesammelten Rachenabstriche von dem Privatlabor „Laboratoires Réunis“. „Im Rahmen des Large Scale Testing sind wir vom Luxembourg Institute of Health beauftragt worden, die Tests durchzuführen“, so der Geschäftsführer Bernard Weber gegenüber dem Tageblatt.

Der Auftrag stellte das Privatlabor vor eine Herausforderung. „Es ist die größte Herausforderung, die wir bislang hatten“, so der Firmenchef. Die erforderlichen Kapazitäten aufzubauen, sei nicht leicht gewesen. Insbesondere da die Anschaffung von Materialien wie Abstrichen, Schutzkleidung, Maschinen und Reagenzien derzeit nicht einfach ist. Alle Länder wollen mehr testen und stürzen sich darauf. „Material in genügenden Mengen zu sichern, um das Projekt anzugehen, war eine schwierige Hürde“, so Weber, „eine äußerst große logistische Herausforderung.“

Dabei konnte sich das Unternehmen auch auf die Hilfe des Ministeriums verlassen. „In dieser Krisenphase hat sich das Verhältnis zwischen den Firmen und den Laboren verändert. Projekte von Regierungen haben jetzt Priorität. Dadurch, dass es sich um ein Projekt der Regierung handelt, haben wir einen sichereren Zugriff auf Reagenzien in größeren Quantitäten erhalten“, sagt Weber. Man habe den Markt sondiert und eine Firma konnte schließlich zusichern, die Reagenzien, die für die Tests benötigt werden, schnell in der erforderlichen Menge zu liefern.

Die verwendete Methode ist nicht neu. „Die PCR-Methode ist relativ alt. Sie wurde in den späten 80er Jahren entwickelt. Die Laboratorien, darunter wir selbst, benutzen sie seit den 90er Jahren.“ Die „Laboratoires Réunis“ haben relativ früh ein molekularbiologisches Labor aufgebaut, das bereits seit zehn Jahren auch Viren der Corona-Familie nachweisen kann, berichtet Weber. Lediglich die Reagenzien haben sich verändert, um das aktuelle Coronavirus nachzuweisen. Im Moment verlaufe das Testen reibungslos. „Hin und wieder wird es eng, weil einige Lieferungen sehr knapp ankommen. Aber es reicht immer“, so Weber weiter. Die Kapazität für 20.000 Patienten am Tag sei gewährleistet.

Neben den Apparaten und Reagenzien braucht es auch Personal. Das ist nicht immer einfach, da die Labore auf speziell geschulte Fachkräfte angewiesen sind. Auch die Abstriche können nicht von jedem gemacht werden. Abstriche dürfen nur Personen aus Gesundheitsberufen wie Krankenpfleger, Laboranten oder medizinisch-technische Laborassistenten durchführen. In der aktuellen Situation wurden auch Krankengymnasten und fortgeschrittene Medizinstudenten zugelassen. „Der Faktor Personal war eine ganz große Herausforderung“, so der Firmenchef. Allerdings eine, die gemeistert wurde.

Weber schätzt, dass rund 400 Menschen direkt und indirekt an den Testanstrengungen beteiligt sind. Dazu zählen das Personal, das im Labor die Proben präpariert (auch wenn vieles heute automatisiert sei), Techniker, Mediziner und mehr als 100 Menschen, die die Abstriche machen. Hinzu kommen Transport, Catering und Sicherheitsleute.

Derzeit erlebt Luxemburg eine zweite Welle. Während einige Experten sehr besorgt sind, zeigte sich Gesundheitsministerin Paulette Lenert in den letzten zwei Tagen optimistischer. Auch, weil die Zahl der Krankenhausaufenthalte nicht so schnell steigt, wie die Zahl der positiven Tests vermuten lässt. Das Durchschnittsalter der positiv Getesteten liegt ganze zehn Jahre unter dem Durchschnittsalter im März – bei 35 Jahren. „Ich teile den Optimismus der Gesundheitsministerin. Ich hoffe immer noch, dass wir diese zweite Welle unter Kontrolle kriegen und sie nicht ausufert“, sagt Weber. Dank des Large Scale Testing könne man die Entwicklung beobachten – „im Gegensatz zu anderen Ländern, die viel weniger testen und die wahrscheinlich eine ähnliche Situation haben, ohne es aber zu sehen“. Belgien teste relativ viel, wenn auch nicht so viel wie Luxemburg. Und auch dort beobachte man einen Anstieg bei den neuen Fällen. Es bleibe zu hoffen, so Weber, dass eine zweite Welle, dank der Erfahrung mit der ersten Welle und dank der Aufstockung an Personal, schnell unter Kontrolle gebracht werden kann.

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