Kommentar

Die Behandlung beim Psychologen muss gerade jetzt zur Kassenleistung werden

Die rund 800 Psychologen in Luxemburg könnten die Psychiatrien entlasten – wenn deren Behandlung von der Krankenkasse rückerstattet werden würde

Die rund 800 Psychologen in Luxemburg könnten die Psychiatrien entlasten – wenn deren Behandlung von der Krankenkasse rückerstattet werden würde Foto: Editpress/Isabella Finzi

Das luxemburgische Gesundheitssystem hat die erste Welle von Corona-Infektionen überstanden. Befürchtete Szenarien wie in anderen Ländern, wo es nicht genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte gab, blieben zum Glück aus.

Jetzt droht den Krankenhäusern aber ein anderer Kollaps: Die Psychiatrien des Landes sind seit Jahren ausgelastet. Aufgrund der kollektiven mentalen Belastung während der Krise befürchtet Dr. Jean-Michel Cloos, Generaldirektor des „Pôle psychiatrie“ der „Hôpitaux Robert Schuman“, dass ein Ansturm nicht lange auf sich warten lässt. Besonders psychisch angeschlagene Menschen, die vor der Krise bereits am Limit waren, schaffen das durch wachsende Angst vor dem Virus, Isolation oder Schuldgefühle irgendwann nicht mehr.

Die knapp 800 Psychologen im Land könnten diesen Menschen Rückhalt geben. Sie könnten verhindern, dass ihr Zustand sich derart verschlechtert, dass sie sich in psychiatrische Behandlung begeben müssen. Weil ihre Behandlung allerdings nicht von der Krankenkasse zurückgezahlt wird, bevorzugen die Patienten den direkten Gang zum Psychiater. Verhandlungen, damit auch die Leistung der Psychologen von der CNS übernommen wird, laufen seit Jahren ohne Ergebnis.

Gerade jetzt sollte die Regierung alles daransetzen, diese Verhandlungen abzuschließen. Damit jeder die Chance hat, Hilfe zu bekommen, wenn die psychische Gesundheit angeschlagen ist. Nur so kann ein bevorstehender Kollaps der Psychiatrien verhindert werden.

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