Ausnahmeregelung

Wieso das Bildungsministerium die partielle Quarantäne gutheißt

Lehrer einer Klasse, die unter Quarantäne steht, müssen trotz Quarantäne in die Schule. Die restliche Zeit des Tages dürfen sie ihr Zuhause unter keinen Umständen verlassen. Diese Ausnahmeregelung ist auf viel Kritik und Unverständnis gestoßen. Das Bildungsministerium hat auf Tageblatt-Nachfrage erklärt, wieso dies so gehandhabt wird.

Wird eine Klasse in Luxemburg unter Quarantäne gestellt, müssen sich Schüler und Lehrer an strengere Maßnahmen halten. In diesem Fall tritt die partielle Quarantäne ein. Eine Ausnahmeregelung, die auf viel Unverständnis trifft. 

Wird eine Klasse in Luxemburg unter Quarantäne gestellt, müssen sich Schüler und Lehrer an strengere Maßnahmen halten. In diesem Fall tritt die partielle Quarantäne ein. Eine Ausnahmeregelung, die auf viel Unverständnis trifft.  Foto: dpa/Matthias Bein

Grundschullehrer müssen weiter in die Schule gehen und dort unterrichten, auch wenn ihre Klasse wegen positiver Covid-19-Fällen unter Quarantäne gestellt wurde. In ihrer Freizeit dürfen diese Lehrer aber nicht vor die Tür. Sie dürfen nicht mit dem Bus fahren, nicht tanken und auch nicht einkaufen gehen. Was also tun, wenn der Tank leer ist oder man kein Auto besitzt?

In anderen Berufen müssen Kontakte von Covid-positiven Menschen eigentlich zu Hause bleiben. Und selbst dort dürfen sie noch nicht einmal im Home-Office arbeiten. Die Begründung: Wenn sie in der Treppe stürzen würden, wäre dies ein Arbeitsunfall. Und dies wäre nicht mit einer Quarantäne vereinbar.

Die sogenannte partielle Quarantäne für Lehrer und Schüler ist auf viel Unverständnis gestoßen. Auf Facebook hatte ein Lehrer auf diese Maßnahme hingewiesen und den Sinn infrage gestellt. Er sei ein zu großes Risiko, um sich frei bewegen zu dürfen, trotz Maske und genügend Abstand. Dennoch sei er nicht Risiko genug, um in der Schule Unterricht zu geben. Dies ergebe für ihn keinen Sinn.

Bei dieser Maßnahme handelt es sich um eine Ausnahme, die zwischen dem Bildungsministerium und der Direktion der „Santé“ ausgearbeitet wurde. Sie ist eine der neuen Maßnahmen, die das Bildungsministerium zur neuen „Rentrée“ eingeführt hat. Wer die Auflagen zur Quarantäne nicht einhält, dem drohen strafrechtliche Konsequenzen. Das steht ausdrücklich im Brief, den die Lehrer, deren Klasse unter Quarantäne gestellt wurde, zugeschickt bekamen. 

Stufenmodell soll Schulbetrieb aufrechterhalten

In der Schule unterliegt eine Klasse, die unter Quarantäne steht, strengeren sanitären Maßnahmen als andere Klassen. Lehrer und Schüler müssen dann ständig eine Maske tragen. Die Kinder dürfen nicht mehr mit dem Schulbus befördert werden oder während der Pausen in den Pausenhof gehen, der Sport- und Schwimmunterricht fällt aus und jene, die in der „Maison relais“ eingeschrieben sind, haben kein Anrecht mehr darauf.

Dieses Modell sieht vor, dass Schüler und Lehrer weiter zur Schule gehen, solange sich das Virus noch nicht dort weiterverbreitet hat

Bildungsministerium

Wieso darf ein Lehrer in seiner Freizeit keinen Fuß vor seine Haustür setzen und muss gleichzeitig in der Schule inmitten von Kindern Unterricht halten? Auf welcher gesetzlichen Grundlage basiert diese Ausnahmeregelung? Auf diese Fragen hat uns das Bildungsministerium einige Antworten gegeben.

Das Ziel sei es, den Schülern ihr Recht auf Bildung zu garantieren und gleichzeitig die nötigen Schutzmaßnahmen zu garantieren, so das Bildungsministerium zur Begründung. „Maximale Chancen für die Bildung und minimale Chancen für das Virus.“ Darin bestehe auch ein breiter politischer Konsens, so das Ministerium weiter. „Deshalb wurde in der Regierung ein Stufenmodell angenommen, welches am 4. September 2020 vorgestellt wurde. Dieses Modell sieht vor, dass Schüler und Lehrer weiter zur Schule gehen, solange sich das Virus noch nicht dort weiterverbreitet hat.“

Am Montagmorgen habe Bildungsminister Claude Meisch laut Radio 100,7 in der zuständigen Parlamentskommission zu dieser Ausnahmeregelung gesagt: „Ich bin froh, dass wir das so hingekriegt haben, sonst wäre der Schulbetrieb deutlich stärker beeinträchtigt worden.“

Die Opposition sparte nicht mit Kritik am Bildungsminister. Sven Clement von der „Piratepartei“ meinte als Reaktion darauf, dass er selten „solch einen Unfug“ gehört habe. Auch die Fraktionspräsidentin der CSV, Martine Hansen, konnte diese Vorgehensweise nicht verstehen und nannte sie „absoluten Quatsch“. Die christlich-soziale Oppositionspartei reichte dann auch sogleich eine dringende parlamentarische Frage zu dem Thema ein. Gesundheitsministerin Paulette Lenert muss sich nun dazu äußern. Sie soll Erklärungen liefern und Zahlen nennen, wie viele Lehrer sich in einer solchen partiellen Quarantäne befinden. Auch möchte die CSV wissen, für welche Berufe ebenfalls Ausnahmen beschlossen wurden.

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