Editorial

’t geet och ouni Babbel: Vom sinnvollen Maskenschutz in Luxemburgs Schulen

Claude Meischs jüngst einsichtigere Schulpolitik trägt erste Früchte: die Maskenpflicht ab dem 2. Zyklus scheint zu helfen

Claude Meischs jüngst einsichtigere Schulpolitik trägt erste Früchte: die Maskenpflicht ab dem 2. Zyklus scheint zu helfen Foto: Editpress/Julien Garroy

Man könnte es jetzt sehr kompliziert machen. Viel Fachchinesisch. Sie in Statistiken ertränken. Oder die gar nicht mal so steile Hypothese unterstützen, dass z.B. die Maskenpflicht ab dem 2. Zyklus in Luxemburgs Schulen hilft: bei der Pandemiebekämpfung, beim Verhindern erneuter unkontrollierbarer Clusterbildungen. Was logisch klingt, klang vor fast genau einem Jahr noch so: „Schoul halen huet eppes mat der Babbel ze dinn“. Kaum jemand würde dieser Aussage widersprechen. Bildungsminister Claude Meisch äußerte sie inmitten der ersten Welle am 16. April 2020.

An der Prämisse hat sich nichts geändert: Ein verdammt schwerer, ohnehin stressiger Beruf wird nicht einfacher, wenn man die „Babbel“ des Lehrpersonals unter eine Maske legt. Vom lustlosen Alltag genervte Schüler, zickige Eltern und am besten noch das Zusammenspiel mit nervtötenden Kollegen sind nicht frei von Konflikten. All dies sollte man anerkennen und nicht kleinreden: Ein wenig „Gebabbels“ und ein nettes Lächeln bewirken ab und zu mehr als große Reden. Wer sich allerdings jetzt ein Plädoyer gegen die Maskenpflicht in Luxemburgs Schulen erhofft, wird bitter enttäuscht. Denn der neue „Rapport d’analyse sur la situation de la COVID-19 dans les établissements scolaires“ kommt eben zu jener Hypothese, dass die schulische Maskenpflicht gar keine schlechte Idee war.

Zunächst heißt es vorsichtig: „Le port permanent du masque par les élèves des cycles 2 à 4 permet-il donc de réduire le nombre d’infections pour les enseignants? La question est permise.“ Es ist kein Geheimnis, dass Meisch stets für die freie „Babbel“ geworben hat. Viele Lehrer werden es ihm vermutlich gedankt haben. Allerdings geht auch aus dem Bericht hervor, dass die Einführung der Maskenpflicht in den Grundschulen am 22. Februar einer der Gamechanger der aktuellen Pandemiebekämpfung gewesen sein könnte. Dies, um die zeitweise chaotischen Clusterbildungen in verschiedenen Schulen zu bremsen bzw. gar nicht entstehen zu lassen: „Une hypothèse peut d’ores et déjà être émise pour expliquer cette inversion de la tendance, à savoir l’obligation du port du masque pour toutes les activités scolaires, ainsi que péri- et parascolaires, à partir de la fin du congé de Carnaval, c’est-à-dire à partir du 22 février 2021.“

Die gute Nachricht also: Wenn Politik evidenzbasiert betrieben wird, können sinnvolle Maßnahmen eingeführt werden. Besagte Maskenpflicht ist ein solches Beispiel. Allerdings muss im Nachhinein auch die Frage erlaubt sein: Warum hat es so unglaublich lange gedauert? Klar, nachher ist man immer schlauer. Allerdings zeigte spätestens der berühmte offene Brief der „120 Enseignanten“ im Januar, dass die meisten unserer Lehrer genau richtig in ihrem Beruf sind, 120 von ihnen allerdings eine Schraube locker haben oder ganz schön egoistisch sind. Denn niemand droht diesen Menschen mit Ordnungsmaßnahmen oder der Unverhandelbarkeit schulischer Regeln. Das zeitlich begrenzte Maskentragen ist vielmehr ein Zeichen von Solidarität: Damit uns die dritte Welle nicht erschlägt, damit den lieben langen Tag gebabbelt werden kann – halt mit Deko vor Nase und Mund.

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