Editorial

Menschenverachtung in Süß: Der Ghibli-Trend und seine Folgen

Menschenverachtende Propaganda im süßen Anime-Look: Das Weiße Haus und der Ghibli-Trend

Menschenverachtende Propaganda im süßen Anime-Look: Das Weiße Haus und der Ghibli-Trend Foto: Instagram/ White House

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird große Kulleraugen haben, sepiatönig-nostalgische Farben und wird überhaupt sehr süß aussehen, während er die Festnahme einer weinenden Migrantin feiert. So geschehen ist das vor einigen Tagen auf dem offiziellen Instagram-Account des Weißen Hauses. Eine Frau in Handschellen, Tränen in den Augen, daneben ein grimmig-knuffig dreinschauender Beamter der Immigrationspolizeibehörde ICE mit Flecktarnkappe. Ein KI-Meme-Trend, aufgegriffen von der Kommunikationsabteilung des Weißen Hauses. Abschiebung im Anime-Look. Man feiert die Festnahme einer vermeintlichen Fentanyl-Schmugglerin mit einem KI-generierten Bild. „Sie weinte bei ihrer Festnahme (Foto angehängt)“, heißt es stolz auf Instagram. Kurz zur Erinnerung, weil man das im Irrsinn dieser Tage manchmal vergisst: Das Weiße Haus ist der Amtssitz des US-amerikanischen Präsidenten, einer der größten Machtpole der Welt, traditionell das politische Zentrum der westlichen Welt. Heute teilt man dort menschenverachtende Memes. Und verpackt totalitäre Träume und autokratische Avancen in den Wohlfühl-Look des japanischen Animationsstudios Ghibli.

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