Editorial
Machen statt reden – die Probleme des Vereinslebens
Foto: Editpress/Jeff Lahr
In unserer Samstagsausgabe haben wir ausführlich darüber berichtet, wie es sein kann, dass zwei der traditionsreichsten luxemburgischen Vereine am Tabellenende der BGL Ligue stehen. Es ging um die Jeunesse und die Fola aus Esch. Wie populär der Fußball in Esch ist, zeigen die Reaktionen auf diesen Artikel. Viele Einwohner der zweitgrößten Stadt des Landes machen sich Gedanken, was in ihrem Verein passiert und welche Gründe zum Absturz geführt haben.
Diese Reaktionen verdeutlichen aber auch ein generelles Problem in unserer Gesellschaft. Es wird mehr geredet als getan. Hunderte von Leuten beschweren sich darüber, wie schlecht es um den ehemaligen Rekordmeister Jeunesse oder den ältesten Verein des Landes, Fola, steht. Doch wer unternimmt wirklich etwas? Wer ist bereit, seine Zeit zu opfern, um seinen Verein nach vorne zu bringen?
Das „Bénévolat“ ist schwächer denn je zuvor, weil viele Leute lieber darüber reden, wie schlecht es andere machen, als selbst dafür zu sorgen, dass es dem eigenen Verein besser geht. Es ist einfach, vom bekannten „Comptoir“ aus Entscheidungen der Verantwortlichen zu kritisieren. Verantwortung zu übernehmen und dafür geradezustehen, ist eine ganz andere Sache.
Wenn man sich in einem Verein engagiert, kann man nicht davon ausgehen, dass sich in wenigen Wochen oder Monaten die Welt ändert. Außer man angelt sich einen Mäzen, der einem grenzenlose Möglichkeiten bietet. Will man seinen eigenen Verein voranbringen und hat nicht unbedingt die besten strukturellen oder finanziellen Voraussetzungen, muss man sich darauf einstellen, dass dieser Prozess ein paar Jahre in Anspruch nehmen wird.
Wenn man selbst nie etwas getan hat, um seinem Verein zu helfen, hat man eigentlich fast kein Recht darauf, die Entscheidung eines Vorstands zu kritisieren. Ein Vereinsgebilde ist nämlich deutlich komplexer, als die meisten Mitmenschen es sich vorstellen können. Ein Klub, sei er aus der BGL Ligue, der LBBL oder der AXA League, ist wie ein kleines Unternehmen. Es braucht Leute, die ständig präsent sind und neben ihrer Arbeit jede Menge Energie, Zeit und Ideen in den Klub stecken. Wer nur am Wochenende bei den Spielen der ersten Mannschaft dabei ist, hat deshalb oft keine Ahnung, mit welchen Schwierigkeiten ein Klub zu kämpfen hat.
Das war nicht immer so. Vor 30 oder 40 Jahren war das Vereinsleben noch einfacher. Der Großteil der Trainer kümmerte sich für „eng Cola an e Bréitchen“ um die Jugend des Vereins. Es mussten keine Zehn- oder Hunderttausende Euro angeschafft werden, um den Nachwuchs gerecht zu betreuen.
Heutzutage gehört es zum „guten Ton“, mindestens mehrere hundert Euro pro Monat für denselben Einsatz zu verlangen. Weil jeder es so macht. „Ech si jo net méi domm wéi déi aner“, lautet das Totschlagargument.
Solange diese gesellschaftlichen Probleme nicht gelöst sind, werden wir keine gesunde Vereinskultur mehr erleben.