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Luxemburgs Außenminister hat einen „Pflichttest“ verweigert – oder nicht?

„Luxemburg-Außenminister will Corona-Extrawurst“ – so beherzt, wie man es von der deutschen Bild-Zeitung kennt, hat sie am Donnerstag einen Artikel überschrieben, der sich mit einem Vorgang rund um das derzeitige Treffen der EU-Außenminister in Berlin befasst. Wie die Süddeutsche Zeitung bereits am Mittwochabend berichtete, soll der Luxemburger Außenminister Jean Asselborn einen aus Berlin geforderten Corona-Test brüsk verweigert haben: „Das mache ich nicht, dann komme ich nicht“, wird der Minister zitiert, wobei nicht klar wird, an welcher Stelle diese Worte gefallen sein sollen. 

Asselborn befand sich in den entscheidenden Tagen, bevor Luxemburg von der Liste genommen wurde, in Frankreich auf Radtour

Asselborn befand sich in den entscheidenden Tagen, bevor Luxemburg von der Liste genommen wurde, in Frankreich auf Radtour Foto: Frank Goebel (Montage)

In einer späteren Berichterstattung vom Donnerstag konkretisiert die Bild-Zeitung, der Außenminister aus Luxemburg habe „ein Zeichen setzen“ wollen: Dass dem Außenminister die harte Linie Deutschlands im Umgang mit mutmaßlich stark Corona-durchseuchten Nachbarn missfällt, war mehr als einmal Thema an dieser Stelle.

Zuletzt hatte es vor einer Woche Verwirrung darum gegeben, ob Luxemburger immer noch einen negativen Coronatest für die Einreise nach Deutschland bräuchten (oder ohne dessen Vorliegen eine Quarantäne antreten müssten), obwohl das Land gar nicht mehr auf der Liste der Risikogebiete steht, wie sie das Robert-Koch-Institut veröffentlicht. Während es morgens aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland hieß, es gebe tatsächlich eine solche Karenzzeit, wurde am späten Abend zurückgerudert: Luxemburger dürfen sofort einreisen und brauchen keinerlei Nachweis erbringen – was aber nicht für andere Bundesländer im föderalen Deutschlands gilt. So sei der Süddeutschen Zeitung zufolge eine „Mitteilung aus der Berliner Protokollabteilung“ an die betreffenden EU-Außenminister gegangen, in der auf die Quarantäne- beziehungsweise Testpflicht erinnert wurde.

Dass Asselborn nun auch ohne einen Test in der Tasche nach Berlin reisen durfte, bedeutet allerdings nicht, dass er eine „Extrawurst“ bekommen hätte: Denn die Karenzzeit, die dann entsteht, wenn jemand aus einem Land anreist, das erst seit kurzem kein Risikogebiet ist, tritt bei Asselborn gar nicht ein: Er befand sich nämlich in den entscheidenden Tagen, bevor Luxemburg von der Risikogebiets-Liste genommen wurde, gar nicht im Großherzogtum, sondern in Frankreich – wo der 71-Jährige bewiesen hat, dass er weiterhin nicht zum alten Eisen zu zählen ist: Eine traditionelle und schweißtreibende Radtour führte ihn seit Anfang August von Neufchâteau bis zum Gipfel des Mont Ventoux in der Provence. 

Dass eine wirkliche Pflicht für einen negativen Coronatest nicht bestanden hat, konnte Asselborn dann auch über ein lückenloses Fahrtenbuch belegen: Er hat nämlich jede Etappe der Tour bei Facebook dokumentiert. 

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