Offener Brief
Luxemburger Kultur-Akteure schreiben an Ministerin Sam Tanson
„Stärken wir gemeinsam die Kultur, dann besiegen wir die Angst.“ In einem offenen Brief wenden sich die Verantwortlichen von sieben Kulturzentren an die Ministerin Sam Tanson. Die Szene gibt sich kämpferisch, aber zwischen den Zeilen schimmert auch die Verzweiflung durch.
Solches Gedränge ist erst mal unmöglich – wohl für längere Zeit: Die erste Reihe beim „Lomepal“-Konzert in der Rockhal im November 2019 Foto: Editpress
Der offene Brief steht im öffentlichen Diskurs eigentlich für eine Anklage. In der Regel formuliert sein Verfasser Missstände und leitet daraus Forderungen ab. Vor dem Hintergrund wirkt das Schreiben an Kulturministerin Sam Tanson geradezu zahm: Die Verantwortlichen Ainhoa Achutegui (Neimënster), Suzanne Cotter (Mudam), Stephan Gehmacher (Philharmonie), Frank Hoffmann (TNL), Steph Meyers (Rotondes), Kevin Muhlen (Casino Luxembourg) und Olivier Toth (Rockhal) sind nicht gekommen, um sich zu beschweren. Sie wollen mit anpacken, um die Umrisse einer Zukunft nach Corona zu zeichnen.
Die Verfasser des Briefs weisen darauf hin, dass es nach der Pandemie nicht reichen wird, die „ökonomische Maschine neu zu starten“, sondern dass ein Land wie Luxemburg einen Fixpunkt brauchen wird, um seinen Platz in einer völlig veränderten Umgebung zu finden. „Die Zeit nach der Krise wird nicht mehr die gleiche sein wie davor.“ Neben Covid-19 würden auch andere Krankheiten dieser Tage auftreten: Einsamkeit, Depressionen und häusliche Gewalt. Es sind Krankheiten, die nicht allein von der Wissenschaft gelöst werden können, es sind „Krankheiten der Seele“.
Reden wir also über Kultur!
Nachdem die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen in Luxemburg in Kraft getreten waren, hätten die Künstler rasch Wege gefunden, ihr Schaffen über das Netz an ihr Publikum zu bringen, so die Verfasser des Briefes. Das zeige zwar den Platz und die Wichtigkeit der Kultur auch und gerade in Krisenzeiten, könne aber keinen Besuch im Theater, im Museum oder im Konzertsaal ersetzen. „Die Kultur erlaubt es, den sozialen Zusammenhalt zu reparieren und neue Formen der Unterstützung zu schmieden, weil sie einen vollständigeren Rahmen bietet, um die Welt zu verstehen.“
Die Briefschreiber warnen, dass einige der Entscheider der Verführung erliegen könnten, die Kultur auf den letzten Platz zu verbannen, weit hinter Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und andere Bereiche des öffentlichen Lebens. Diese Menschen hätten nichts von dieser Krise verstanden, die uns als Menschen solidarischer und gleichwertiger gemacht habe. Um diese Qualitäten über die Krise hinaus zu retten, bedürfe es der Kultur und der „großartigen Künstler“, die sie in unserem Land und darüber hinaus verteidigen.