„Dodeka“
Die Mudam‑Sammlung durchreist Luxemburg
Zwölf Werke, zwölf Kantone, ein Land im Dialog: „Dodeka“ macht die Mudam-Sammlung im Rahmen seines 20. Geburtstags mobil und öffnet neue Räume für Begegnung.
Szenenwechsel im Mudam: Die Direktorin Bettina Steinbrügge (Mitte) präsentierte im „Kulturhuef Grevenmacher“ die mobile Ausstellung „Dodeka“ Foto: Carole Theisen
2026 feiert das Museum zwanzig Jahre Mudam – und erstmals verlässt ein Teil der Sammlung systematisch die Museumswände. Mit „Dodeka“ schickt das Mudam zwölf Werke in die zwölf Kantone des Landes. Was wie ein logistisches Experiment klingt, ist in Wahrheit ein kulturpolitisches Statement. „Diese Sammlung gehört den Menschen in Luxemburg. Sie ist mit Steuergeldern aufgebaut – also bringen wir sie dorthin zurück“, sagt Mudam-Direktorin Bettina Steinbrügge gemeinsam mit Co-Kuratorin Adèle Wester bei der gestrigen Pressekonferenz im „Kulturhuef Grevenmacher“.
In Grevenmacher ist „Lenin Art“ von Vyacheslav Akhunov zu sehen Foto: Carole Theisen
Vom 15. Mai – große Eröffnung um 18.00 Uhr im „Centre national de la littérature“ in Mersch – bis Oktober 2026 entsteht ein landesweites Netz aus Kunst und Begegnungen. Die Werke werden in Rathäusern, Bibliotheken, Museen, Kulturzentren und sogar im Biodiversum in Remerschen gezeigt. „Wir wollten sichtbar machen, wie viel Kultur in allen Regionen steckt“, so Steinbrügge. Die Idee sei aus einer einfachen Wikipedia-Suche entstanden: zwölf Kantone, zwölf Orte, zwölf Werke.
Vielleicht entdecken Menschen in diesen Werken Geschichten, die näher an ihrem eigenen Leben sind, als sie dachten
Bettina Steinbrügge
Mudam-Direktorin und Kuratorin der Ausstellung „Dodeka“
Doch „Dodeka“ ist mehr als eine Jubiläumsgeste. Es ist ein Versuch, die Distanz zwischen Institution und Öffentlichkeit abzubauen. „Für viele wirkt ein Museum wie ein Elfenbeinturm. Also drehen wir die Perspektive um und bringen die Kunst zu den Menschen“, erklärt.
Fokus: Ein Land, zwölf Stempel
Wer alle zwölf Stationen besucht, sammelt Stempel – und erhält ein Jahr freien Eintritt ins Mudam. Der „Kulturhuef“ in Grevenmacher, ein ehemaliges Schlachthaus, das heute Kino, Museum und Ausstellungsräume vereint, ist einer der ersten Gastgeber.
12 Stationen, 12 Werke
Schloss Clerf
Wolfgang Tillmans
Mami
Schloss Vianden
Wim Delvoye
Dutch Gas-Cans
Alte Kirche Saint-Laurent Diekirch
Su Mei-Tse
Vertigen de la Vida
Kulturhuef Musée Grevenmacher
Vyacheslav Akhunov
Lenin-Art
Luxembourg Learning Centre (LLC) Esch-Belval
Michel Majerus
Halbzeit
Gemeindehaus Wiltz
Annette Kelm
Die Bücher
Biodiversum, Haff Réimech
Serge Ecker, Catherine Lorent, Claudia Passeri
She is the future
Trifolion Echternach
Edith Dekyndt
Provisory Object 03
Kinneksbond Mamer
Sin Wai Kin
The Universe
Schiefermuseum Haut-Martelange
On Kawara
One Million Years (Past and Future)
Centre national de littérature (CNL) Mersch
Etel Adnan
Untitled
hqLX Luxemburg-Stadt
Jessica Diamond
I Hate Business
Direktorin Monika Jakobs nennt die Teilnahme „eine wunderbare Gelegenheit, zeitgenössische Kunst in den Alltag der Region einzubetten“. Für Grevenmacher fiel die Wahl auf „Lenin-Art“ von Vyacheslav Akhunov – ein Werk über Propaganda, Machtbilder und politische Spiele. „Wir leben mitten in einer Zeit, in der Manipulation wieder eine Rolle spielt. Dieses Werk öffnet Gespräche, ohne sie vorzuschreiben“, so Steinbrügge. Ein begleitender Vortrag über Nonkonformismus in der Sowjetunion sowie eine Filmsichtung im hauseigenen Kino aktivieren das Werk vor Ort – ein Prinzip, das für alle zwölf Stationen gilt.
Ob Wolfgang Tillmans in der „Family of Man“, Wim Delvoye im Schloss Vianden oder Su-Mei Tse in der alten Kirche in Diekirch: Die Werke treten in Dialog mit Architektur, Geschichte und lokalen Erzählungen. „Wir wollten keine beliebigen Platzierungen. Jede Arbeit muss mit dem Ort sprechen – und der Ort mit ihr“, sagt Steinbrügge.
Gleichzeitig überlässt das Mudam die Vermittlung bewusst den lokalen Partner*innen. „Wir wollten nicht mit der Autorität des Museums auftreten. Die Regionen sollen selbst entscheiden, wie sie das Werk aktivieren“, betonte Steinbrügge. Workshops, Konzerte, Performances und Vorträge entstehen deshalb aus den jeweiligen Gemeinden heraus.
Nur ein Anfang
Für das Mudam ist „Dodeka“ ein Testlauf – und ein Blick in die Zukunft. Die Sammlung sei inzwischen groß und vielfältig genug, um mobil zu werden. „Wir lernen gerade enorm viel über unsere eigenen Bestände – und über die kulturelle Landschaft des Landes“, sagt Steinbrügge. Die Hoffnung: neue Kooperationen, neue Wege der Vermittlung, neue Nähe. Kunst gehört nicht nur in Museen, sondern mitten unter die Menschen.