In Luxemburgs Kinos
Wie Lee Cronin mit „The Mummy“ ein mumifiziertes Hollywoodgenre zum Leben erweckt
Mit „The Mummy“ bringt Lee Cronin Mumien zurück auf die große Leinwand. Ob das Comeback gelingt – und wer den Gang ins Kino meiden sollte.
Szene aus „The Mummy“: Jahre nach ihrem Verschwinden wird Katie (Nathalie Grace) in einem Sarkophag wiedergefunden Quelle: imdb.com
Die Sonne drückte und eigentlich waren das keine Bedingungen, unter denen man freiwillig ins Kino geht. Trotzdem war genau der Sommer 1999 der Moment, in dem mich das Kinofieber zum ersten Mal packte. Damals, als Brendan Fraser in „Die Mumie“ auf der Leinwand erschien. Eindrucksvolle Bilder, Abenteuer, ein Hauch Nostalgie. „The Mummy“ von Lee Cronin hat damit nichts gemein.
Meine anfängliche Haltung war geprägt von einer gewissen Arroganz. Dieses Gefühl von „Ich habe schon alles gesehen“ hat mich im Kinosessel begleitet. Ich war überzeugt, dass mich ein weiteres klassisches Archäologen-Szenario erwartet, das ich gedanklich schon vor dem Abspann auseinandernehmen würde. Doch diese Erwartung wurde schnell entkräftet. Stattdessen wurde ich mit einem kompromisslosen Horrorfilm konfrontiert, bei dem selbst erfahrene Genre-Fans fasst an ihre Grenzen stoßen.
Vom Abenteuer zur Zumutung
Im Zentrum der Geschichte steht Charlie (Jack Reynor), ein Moderator, der mit seiner Familie in Kairo lebt. Gemeinsam mit seiner Frau Larissa (Laia Costa) und den Kindern Sebastian (Shylo Molina) und Katie (Natalie Grace) führt er ein scheinbar geordnetes Leben. Dieses zerbricht abrupt, als Katie von einer mysteriösen Frau entführt wird. Nach einer Verfolgungsjagd durch die belebten Märkte Kairos verschwindet das Mädchen spurlos in einem Sandsturm. Acht Jahre lang bleibt sie verschwunden.
Als Katie schließlich wieder auftaucht, ist nichts mehr, wie es war. Man findet sie in einem Sarkophag, weit entfernt von ihrem ursprünglichen Zuhause. Die Familie lebt inzwischen in Albuquerque und hat versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Rückkehr der Tochter bringt jedoch keine Erleichterung, sondern vor allem Unbehagen. Katie ist gezeichnet von dem, was ihr widerfahren ist. Ihr Körper wirkt verändert, ihre Haut krank, ihre Stimme ist verstummt. Das Wiedersehen ist gezeichnet von Distanz und Unsicherheit.
Der Film verliert keine Zeit, diese Fremdheit in offenen Horror zu überführen. Szenen, die zunächst ruhig beginnen, kippen schnell ins Verstörende. Besonders eindrücklich ist ein Moment, in dem körperlicher Zerfall nicht angedeutet, sondern schonungslos gezeigt wird. Hier wird klar, dass Lee Cronin nicht auf klassische Schockeffekte setzt, sondern auf eine Form von Horror, die über Ekel und Nähe funktioniert.
Diese Herangehensweise kennt man von ihm bereits aus Evil Dead Rise (2023). Auch hier arbeitet Cronin mit Nahaufnahmen, verzerrten Perspektiven und einer Bildsprache, die bewusst unangenehm ist. Der Film entwickelt dadurch eine starke physische Wirkung, die sich nur schwer abschütteln lässt.
Wenn Ekel zur Erzählstrategie wird
Die Handlung verliert allerdings an Tempo und einzelne Passagen wirken unnötig in die Länge gezogen. Besonders Nebenfiguren hätten besser eingebunden werden können, ohne dass die Wirkung des Films darunter gelitten hätte. Zudem entsteht stellenweise der Eindruck, dass Cronin sich zu sehr auf seine bekannten Stilmittel verlässt anstatt dem Stoff eine eigene, neue Richtung zu geben.
Trotzdem überzeugt der Film in vielen Bereichen. Die visuelle Gestaltung vermittelt ein durchgehend stimmiges „Mumiengefühl“, während der Sound gezielt eingesetzt wird, um Unbehagen zu verstärken. Dabei setzt der Film weniger auf plötzliche Schreckmomente, sondern vielmehr auf eine konstante, unangenehme Atmosphäre.
Als Zuschauer wird man immer wieder an die eigene Schmerzgrenze geführt. Die gezeigten Bilder sind explizit und nichts für ein empfindliches Publikum. Wer sich den Film anschauen will, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Für Einsteiger in das Horror-Genre ist er kaum geeignet.
Das ist die Stärke des Films: Er bleibt im Gedächtnis, weil er nicht versucht, gefällig zu sein. Und weil er es schafft, trotz seiner Schwächen eine gewisse Faszination auszulösen. Am Ende ist „The Mummy“ also ein Film, der nicht perfekt ist, aber Spuren hinterlässt. Einer, den man nicht unbedingt ein zweites Mal sehen möchte, der sich aber dennoch festsetzt. Vielleicht ist der Film genau das, was das Genre gelegentlich braucht: einen rohen, unangenehmen Streifen, den das Publikum nur schwer vergisst. Wer sich darauf einlässt, sollte vorbereitet sein und den Film ohne Ablenkung erleben. Snacks könnten in diesem Fall eher zur Nebensache werden.