K.-o.-Tropfen

Journalisten decken internationale Vergewaltiger-Chats auf – Wie ist die Lage in Luxemburg?

Journalisten in Deutschland haben geheime Foren entdeckt, in denen Täter Anleitungen zum Einsatz von K.-o.-Tropfen teilen. Luxemburg zählt mehr als 800 gemeldete Vergewaltigungen in den vergangenen fünf Jahren – in wie vielen Fällen waren dabei Betäubungsmittel im Spiel? Innenminister Léon Gloden gibt Details.

Ein großes Problem: Viele Betäubungsmittel sind nur für wenige Stunden im Blut oder Urin der Opfer nachweisbar

Ein großes Problem: Viele Betäubungsmittel sind nur für wenige Stunden im Blut oder Urin der Opfer nachweisbar Symbolfoto: Editpress-Archiv/Alain Rischard

Die Enthüllungen der deutschen Journalistengruppe STRG_F werfen ein düsteres Licht auf die Abgründe der digitalen Welt. Die Journalisten haben erschreckende Einblicke in geheime Telegram-Foren gewonnen: Dort tauschen sich Nutzer gezielt darüber aus, wie Frauen mit chemischen Substanzen betäubt und anschließend vergewaltigt werden können. Neben detaillierten Anleitungen zum Einsatz von Betäubungsmitteln wie Medetomidin oder Scopolamin kursieren dort auch Fotos, Videos und Angebote von Usern, die ihre eigenen Frauen für solche Taten zur Verfügung stellen.

In einer parlamentarischen Anfrage des Piraten-Abgeordneten Marc Goergen fragt dieser bei Innenminister Léon Gloden (CSV) nach, wie Luxemburg auf diese gefährlichen Entwicklungen reagiert.

Mehr als 800 gemeldete Vergewaltigungen

Laut Gloden liegen der Polizei bislang keine Hinweise auf ähnliche Gruppen in Luxemburg vor. Dennoch bleibe das Thema präsent: Der Einsatz von K.-o.-Tropfen ist regelmäßig Teil polizeilicher Ermittlungen. Ein großes Problem bleibe jedoch der Nachweis in vielen Fällen – viele Betäubungsmittel sind nur für wenige Stunden im Blut oder Urin der Opfer nachweisbar. Zudem scheuen sich viele Opfer aus Scham oder Angst, frühzeitig Anzeige zu erstatten.

Die offiziellen Zahlen Luxemburgs zeigen eine bedenkliche Entwicklung: Die Anzahl der gemeldeten Vergewaltigungen stieg von 136 Fällen im Jahr 2020 auf 182 im Jahr 2024. 2023 waren es sogar 191. Das sind mehr als 800 Vergewaltigungen in fünf Jahren – die Dunkelziffer bleibt dabei unbekannt.

Auch Fälle chemischer Gewalt häufen sich: Zwischen 2020 und 2024 wurden 32 Vorfälle registriert, bei denen mutmaßlich K.-o.-Tropfen eingesetzt wurden. Die Dunkelziffer dürfte hier ebenfalls weit höher liegen.

Strafrechtliche Konsequenzen bereits vorgesehen

Die Luxemburger Strafgesetzbuch sieht bereits heute Sanktionen vor: Die Artikel 402 bis 405 bestrafen die Verabreichung von gesundheitsgefährdenden Substanzen. Problematisch bleiben jedoch der schwierige Nachweis und die späte Anzeige der Opfer.

Während der Besitz und die Verbreitung von Vergewaltigungsvideos in Deutschland derzeit nicht explizit strafbar ist, sind die Regelungen in Luxemburg klar, schreibt Gloden: Der Artikel 383 des „Code pénal“ sieht vor, dass die Herstellung, Verbreitung und den Handel von gewaltverherrlichendem oder menschenunwürdigem Material bestraft wird. Wer gegen diese Bestimmungen verstößt, muss mit einer Gefängnisstrafe zwischen einem Monat und drei Jahren sowie Geldstrafen zwischen 251 Euro und 50.000 Euro rechnen, wenn Minderjährige Zugang zu diesen Inhalten erhalten könnten.

Regierung plant härtere Gesetze

Die Regierung plant, diese Regelungen im Rahmen einer Strafrechtsreform zu verschärfen. Besonders digitale Gewalt über soziale Netzwerke und verschlüsselte Chats soll stärker verfolgt werden.

Parallel dazu setzt Luxemburg im Rahmen des „Nationalen Aktionsplans gegen geschlechtsbasierte Gewalt“ auf Prävention und Opferhilfe. Zudem arbeitet das Großherzogtum mit europäischen Partnern zusammen, um den Schutz vor digitaler Gewalt international zu verbessern.

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