Rentenreform

Handelskammer-Thinktank prognostiziert schwere Einschnitte bei spätem Handeln

Wenn dieser Tage eine Pressekonferenz ansteht, ist die Chance groß, dass es ums Thema Rentenreform geht. So auch beim anberaumten Pressetermin des Handelskammer-Thinktanks IDEA.

IDEA-Direktor Vincent Hein (l.) und sein Vorgänger Muriel Bouchet (r.) bei der Vorstellung der beiden Arbeitspapiere zur Rentenreform

IDEA-Direktor Vincent Hein (l.) und sein Vorgänger Muriel Bouchet (r.) bei der Vorstellung der beiden Arbeitspapiere zur Rentenreform Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Das Szenario ist mittlerweile bekannt: In den nächsten Jahren wird die Rentenkasse mehr Geld ausgeben, als sie einnimmt. Die direkte Konsequenz daraus: Die Rentenreserve beginnt zu schrumpfen. So lange, bis in 20 bis 30 Jahren kein Geld mehr in der Rentenkasse ist. Mit dieser Hypothese hat der von der Handelskammer gegründete Thinktank IDEA erste Ideen und Prognosen zur Rentenreform vorgestellt.

Zwei Arbeitspapiere haben die Wissenschaftler zum Thema Rentenreform erarbeitet, zwei weitere sollen im Frühjahr folgen. „Wir haben uns jetzt auf die Diagnose, die Analyse des Systems begrenzt“, sagt IDEA-Direktor Vincent Hein am Mittwochmorgen. Für die im Frühjahr folgenden Publikationen hat die Stiftung Maßnahmen aus anderen Rentensystemen weltweit unter die Lupe genommen. „Wir werden darin auch teils gegensätzliche Maßnahmen vorstellen.“ Für Hein steht aber fest, dass etwas passieren muss. „Man kann die Wette eingehen, dass wir das nötige Wirtschaftswachstum haben“, sagt Hein. „Das erfordert aber eine erhebliche vorausschauende Vision“. Oder übersetzt: Es wäre unverantwortlich, jetzt nicht zu handeln.

Denn, so die Prognosen der IDEA, die auf den Zahlen der „Inspection générale de la sécurité sociale“ (IGSS) aufbauen: 2026 könnte der Kipppunkt im Rentensystem bereits erreicht sein, 2047 sei dann kein Geld mehr in der Rentenkasse. Selbst mit einem langfristigen Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, was den Angaben von IDEA schon eine recht optimistische Schätzung sei, seien die Renten langfristig nicht unbedingt garantiert. Das, weil die Rentenausgaben von aktuell 9,5 Prozent in Zukunft auf über zwölf Prozent ansteigen würden. Um die aktuellen Rentenregelungen beizubehalten, bräuchte es dem Thinktank zufolge ein Wachstum von fünf Prozent.

Besser früh als spät

Wie also am besten reagieren? Darüber will die IDEA nicht spekulieren. Nur, der Zeitpunkt sei durchaus entscheidend. So hat IDEA errechnet, dass frühzeitig einsetzende graduelle Verschlechterungen (bei einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent) bei den Leistungen von rund zwölf Prozent einen weniger starken Einschnitt darstellen würden, als wenn erst beim Unterschreiten der legalen Reservegrenze gehandelt werden würde. Dann könnten die Leistungen um bis zu 30 Prozent einbrechen, so die Prognosen. Wenn das anvisierte durchschnittliche Wirtschaftswachstum über den Zeitraum nicht erreicht werde, wären die Konsequenzen noch schlimmer.

Als weiteren Ansatz schlägt IDEA auch vor, die gesetzlich vorgesehene minimale Rentenreserve vom 1,5-Fachen der jährlichen Rentenausgaben anzuheben. So schlägt der Ökonom und ehemalige IDEA-Direktor Muriel Bouchet vor, die Mindestreserve auf das jetzige Niveau, sprich das Vierfache der jährlichen Rentenausgaben anzuheben. Zudem sollte der „Fonds de compensation“ besser investieren, beispielsweise in Immobilien und Aktien.

Bis auf den öffentlich kapitalisierten Teil des Rentensystems hat IDEA seine Ansätze und Projektionen auf das in Luxemburg existierende Umlageverfahren begrenzt. „Wir stehen zum Umlageverfahren“, so eine Aussage von IDEA am Mittwoch. Demnach fordern die Thinktank-Mitglieder, dass die Renten insgesamt „gerechter“ gestaltet werden sollen.

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