Corona-Pandemie
Gesundheitsministerin: „Einen Lockdown wird es in dieser Form nicht mehr geben“
War der Lockdown im April ein Fehler? Laut Gesundheitsministerin Paulette Lenert haben sich einige Maßnahmen rückblickend nicht als „verhältnismäßig“ erwiesen. Weil man damals noch nicht viel über das Virus wusste, habe der Lockdown aber Sinn ergeben. Noch einmal wird diese Extremmaßnahme aber sehr wahrscheinlich nicht auf Luxemburg zukommen.
Paulette Lenert sagt, die Regierung sei zufrieden mit der Teststrategie Archivfoto: Editpress/Didier Sylvestre
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Lockdown in dieser Form noch einmal auf uns zukommt“ – das sagte Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Montagmorgen in einem RTL-Interview. Man sei jetzt wesentlich besser informiert als am Anfang der Pandemie, erklärt die LSAP-Politikerin. Einige Maßnahmen hätten sich rückblickend als nicht verhältnismäßig erwiesen. „Damals war die Informationslage anders“, sagte Lenert. Der Lockdown habe am Anfang der Pandemie Sinn ergeben – das sei jetzt anders: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Lockdown in dieser Form noch mal auf uns zukommt“, sagte Lenert. „Heute haben wir die Möglichkeit, nuancierter vorzugehen.“
Lenert gab auch Details zur Test-Strategie für den Herbst bekannt. Die Regierung wolle in Zukunft noch präziser und spezifischer beim Testen vorgehen. „Die Daten, die wir mit unserer großen Testinitiative bis jetzt gesammelt haben, werden uns helfen, im Herbst nuancierter zu testen“, erklärte Lenert. Das Gesundheitsministerium habe aus der zweiten Welle sehr viel gelernt.
Auch bei der Kommunikation der Infektionszahlen hat die Regierung ihre Strategie kürzlich verändert. „Wir haben von Anfang an die Transparenz-Karte gespielt“, erklärte Lenert. „Als wir jedoch gesehen haben, dass man nicht auf uns gehört hat und unsere spezielle Situation als Land nicht respektiert hat, haben wir uns dazu entschieden, die Pendler-Zahlen nicht mehr zu kommunizieren.“ Die europäische Seuchenbehörde ECDC hatte – trotz mehrmaligen Beschwerden der Regierung – die Neuinfektionen der Pendler mit in ihre Statistiken für Luxemburg eingerechnet. (Das Tageblatt berichtete)
Im Hintergrund sei alles abgelaufen wie vorher, sagte Lenert, es habe sich nichts an der Teststrategie Luxemburgs geändert. Auf europäischem Niveau habe die EU-Kommission am 4. September einen Plan vorgestellt, der „eine besser koordinierte Einschätzung der Situation zwischen den EU-Ländern“ garantieren soll.
Andere Situation
Die Teststrategie sei aber nicht der einzige Grund, warum die zweite Welle wesentlich harmloser ausgefallen sei als die erste. Die Situation sei ganz anders gewesen, sagte Lenert. Man sei am Anfang nicht auf diese neue Krise vorbereitet gewesen und mittlerweile „haben die Menschen ihre Gewohnheiten verändert“, erklärte Lenert. „Für mich zeigt der Unterschied zwischen den zwei Wellen ganz klar, dass die Luxemburger den wichtigsten Aspekt verstanden haben: Rücksicht nehmen.“
Luxemburg nähert sich, trotz Rücksicht der Bürger, wieder der 50er-Risikogrenze des deutschen Robert-Koch-Instituts. Laut Lenert ist das Infektionsgeschehen derzeit vor allem von Reisenden dominiert, die das Virus aus dem Ausland importieren: „Das wird sich jetzt allerdings ändern – die Zahl der Reise-Rückkehrer wird jetzt abflachen.“
Warum weniger Menschen im Krankenhaus liegen, erklärte sich Lenert mit der veränderten Altersstruktur bei den Infizierten: „Der Altersdurchschnitt ist derzeit niedriger und wir wissen, dass ältere Menschen eher Komplikationen bei der Erkrankung mit dem Virus aufzeigen.“ Momentan werde viel darüber spekuliert, dass das Virus nicht so ansteckend und gefährlich sei wie anfänglich angenommen, aber die Ministerin habe noch keine endgültigen Antworten vorliegen, die diese Theorie unterstützen.
Neue Forschungsresultate in Aussicht
Derzeit seien mehrere Schnelltests in der Entwicklung, sagte Lenert. Die Regierung wolle allerdings abwarten, ob die Tests auch „verlässlich genug“ seien. Lenert: „Falls diese Schnelltests funktionieren, könnte das uns neue Möglichkeiten geben.“
Beim Ausblick auf einen möglichen Impfstoff zeigte die Gesundheitsministerin sich eher vorsichtig: „Es ist schwer zu sagen, wann wir mit einer funktionierenden Impfung rechnen können – dem Gesundheitsministerium liegt noch kein festes Datum vor.“ Trotzdem arbeite man momentan an einem luxemburgischen Impfplan, um bereit zu sein, sobald ein Stoff tauglich ist.