Corona-Impfstoff
EU sichert sich Biontech-Mittel – Luxemburger Regierung bereitet Impfplan vor
Europa hat auf dem Weg zum ersehnten ersten Corona-Impfstoff eine entscheidende Hürde genommen. Der Vertrag mit den Herstellern ist perfekt. Die Luxemburger Regierung bereitet sich derzeit auf die Impfkampagne vor.
Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech im Labor in Mainz Stefan Albrecht/Biontech/dpa
Den Menschen in Europa soll der vielversprechende Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer schnell nach einer Zulassung zur Verfügung stehen. „Die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie sind abgeschlossen“, bestätigten Kommissionskreise am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. „Der Vertrag ist in trockenen Tüchern.“ Zuerst hatte die deutsche Bild-Zeitung darüber berichtet.
Für eine Immunisierung sollen zwei Impfdosen pro Person nötig sein. Nach Vertragsabschluss in der EU haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Deutschland hat einen Anteil von rund 19 Prozent. Die EU-Kommission verhandelt seit Monaten mit Biontech und Pfizer. Nach Vorgesprächen hatte die Behörde schon im September erklärt, sie wolle bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen der Hersteller beziehen. Ein Rahmenvertrag war aber noch nicht zustande gekommen – anders als bei drei anderen Impfstoffherstellern.
420.000 Impfstoffdosen für Luxemburg
Luxemburg könnte rund 420.000 Impfdosen erhalten. Das hatte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) bereits Ende September in einer Antwort auf eine parlamentarische Frage erklärt. Hintergrund war der Rahmenvertrag, den die EU mit einem anderen Hersteller, der Firma AstraZeneca, geschlossen hatte. Auch dieser sieht – so Lenert im September – den Kauf von insgesamt 300 Millionen Impfstoffdosen vor. Die Verteilung des Impfstoffs werde über den Kaufvertrag auf europäischer Ebene geregelt. Die Menge, die jedes Land bekommen soll, werde auf Grundlage der Bevölkerungsgröße ermittelt. Luxemburg stehen dementsprechend 0,14 Prozent der Gesamtanzahl an Impfstoffdosen zu – das entspricht rund 420.000 Stück. Deutschland möchte bis zu 100 Millionen Dosen erhalten. Damit sei die Bundesregierung in den Gesprächen in der EU angetreten, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag in Berlin mit.
Paulette Lenert hatte im September erklärt, dass man bei Bedarf zusätzliche Dosen bestellen könne. Derzeit führt Luxemburg jedoch keine individuellen Verhandlungen mit Herstellern, erklärt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Dienstag gegenüber dem Tageblatt. „Wir schließen uns den europäischen Initiativen an“, sagt sie. Eine Arbeitsgruppe sei derzeit dabei, einen Plan auf die Beine zu stellen, der das genaue Vorgehen regelt, wenn der Impfstoff tatsächlich verfügbar ist – „wer, wo und durch wen er verabreicht wird“, sagt die Sprecherin.
Biontech-Produkt „absolut“ eine Option für Luxemburg
Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde nicht sofort genügend Impfstoff bereitgestellt werden, um die ganze Bevölkerung durchzuimpfen. „Wir sind auch dabei, eine Impfstrategie auszuarbeiten“, erklärt die Sprecherin. Darin soll festgelegt werden, welche Bevölkerungsgruppen prioritär geimpft werden. Eines kann aber schon gesagt werden: „Wir schließen uns den Empfehlungen der Europäischen Kommission, des ECDC und der WHO an.“ Beide Pläne sollen in den kommenden „Tagen und Wochen“ durch den Regierungsrat verabschiedet werden. Der neue Impfstoff von Biontech und Pfizer sei „absolut eine Option für Luxemburg“, sagt die Sprecherin. Man müsse jedoch aber die Zulassung der Europäischen Medikamentenagentur abwarten. „Das dauert ein bisschen.“
Der deutsche Gesundheitsminister Spahn erwartet einen zügigen Zulassungsprozess. So würden nicht wie üblich erst alle Daten gesammelt und dann nach Ende der Zulassungsstudie bei den Behörden eingereicht. Diesmal laufe das in direktem Austausch. Sowohl eine Zulassung in den USA als auch eine in Europa würden sehr zügig geschehen. Spahn versicherte: „Die Anforderungen, die wir stellen, sind nicht irgendwie abgesenkt oder geändert.“
Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber sagte: „Die Verträge müssen fachlich, sachlich, rechtlich ordentlich abgeschlossen werden.“ Es habe am Schluss noch Diskussion darüber gegeben, dass Pfizer auch das Haftungsrecht Europas zu respektieren habe. Europa habe mit einer Stimme gesprochen, gegenüber dem US-Konzern Pfizer habe man so stärker auftreten können.
Das Unternehmen Biontech hatte am Montag bekannt gegeben, dass sein Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Eine Zulassung zunächst in den USA soll frühestens kommende Woche beantragt werden.
Premierminister Xavier Bettel (DP) hat in seiner Rede zur Lage der Nation Mitte Oktober gesagt, dass der erste Impfstoff bereits im Dezember in limitierten Stückzahlen verfügbar sein könne.
Impfzentrum im Trierer Messepark
Auch Rheinland-Pfalz bereitet sich auf die Corona-Impfungen vor. Die Landesregierung will bis Ende des Jahres landesweit 36 Zentren für Corona-Impfungen einrichten und hat dafür bereits Spritzen beschafft. Es sei notwendig, Strukturen zu schaffen, die eine Erreichbarkeit der zu impfenden Personengruppen sicherstellten, sagte Markus Kuhlen vom Gesundheitsministerium in Mainz der Deutschen Presse-Agentur. Neben landesweiten Impfzentren solle es auch mobile Teams geben, die beispielsweise Alten- und Pflegeheime aufsuchten. Ziel sei ein Impfzentrum in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt – „im besten Fall bis Ende des Jahres“.
Trier sieht vor, den „Messepark“ im Westen der Stadt zum Impfzentrum umzubauen, schreibt der Trierische Volksfreund. Das Areal sei für eine „großflächige Impfung“ von bis zu 5.000 Menschen pro Tag vorgesehen – und zwar bei einem Betrieb von jeweils 6 bis 22 Uhr. Dies würde laut der Trierer Stadtverwaltung einen Schichtbetrieb erforderlich machen. 5.000 Impfungen pro Tag seien allerdings „nur der größte anzunehmende Fall“, heißt es aus dem Trierer Rathaus. Denn noch sei völlig unklar, wie viele Impfdosen zu Beginn überhaupt zur Verfügung stünden.