Lateinamerika
Es war einmal im Süden – Der Kontinent zeigt sich angesichts von Trumps Comeback gespalten
Beobachter sprechen von der „langweiligsten Wahl des Jahres“ in Südamerika. Doch die Stichwahl um die Präsidentschaft in Uruguay ist völlig offen und wird vermutlich einen ersten Trend anzeigen, in welche Richtung die Region nach Donald Trumps Wahlsieg in den USA tendiert.
Linke Ikone: José „Pepe“ Mujica während des Wahlkampfs des Frente Amplio am 19. November in Montevideo Foto: Santiago Mazzarovich/AFP
Es ist ein Bild aus einer anderen Zeit: José „Pepe“ Mujica stieg in seinen alten VW Käfer ein und fuhr von dem kleinen Bauernhof in Rincón del Cerro in das Präsidentenbüro in Montevideo. Das Staatsoberhaupt bestand darauf, in seiner „chacra“ zu bleiben, verzichtete auf Staatslimousine und Chauffeur sowie auf 90 Prozent seines Präsidentengehalts. Den Rest spendete er Nichtregierungsorganisationen und kleinen Unternehmen. Die BBC bezeichnete ihn einmal als den „weltweit ärmsten Präsidenten“. In der Tat entstammt Mujica einer armen Bauernfamilie. Der Nachfahre baskischer und italienischer Einwanderer studierte eine Zeit lang Jura und gründete in den 60er Jahren zusammen mit ein paar Gefährten die linke Guerillabewegung, das Movimiento de Liberación Nacional, besser bekannt als Tupamaros. Insgesamt verbrachte er 14 Jahre im Gefängnis, davon lange Zeit in Einzelhaft. Mujica hatte zweimal zu fliehen versucht.