LeichtathletikErst Rom, dann Paris? „Historische EM“ für Luxemburgs Athleten

Leichtathletik / Erst Rom, dann Paris? „Historische EM“ für Luxemburgs Athleten
Ruben Querinjean, Charline Mathias, Charel Grethen (oben, v.l.n.r.) und Vera Hoffmann, Bob Bertemes, Patrizia Van der Weken (unten, v.l.n.r.) Montage: Tageblatt/Jérôme Treinen

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Zwei Monate vor den Olympischen Spielen steigt mit den Europameisterschaften in Rom der erste Saisonhöhepunkt der Leichtathleten. „Es wird eine historische EM für uns“, sagt Jean-Sébastien Dauch, Direktor des luxemburgischen Verbandes. Die Rekordzahl von sechs qualifizierten Athleten gab es zuletzt 1978. „Das geforderte Niveau, um sich für eine EM zu qualifizieren, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das macht ihre Teilnahme umso beeindruckender und ist eine große Zufriedenstellung.“ Von den sechs sind allerdings nur fünf übrig geblieben, da Charel Grethen seinen Start kurzfristig absagen musste. Im Gespräch mit dem Tageblatt stellt Dauch die übrigen FLA-Vertreter und ihre Ambitionen vor.

Patrizia Van der Weken

 Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Wenn am Samstagmorgen viele ihrer Konkurrentinnen um den Einzug ins Halbfinale kämpfen, kann Patrizia Van der Weken noch entspannen. Als eine der zwölf schnellsten gemeldeten Athletinnen hat sie ein Freilos für die Vorläufe. Erst am Sonntagabend wird es ernst. Um 21.05 Uhr findet das Halbfinale über 100 Meter statt, und im Optimalfall knapp zwei Stunden später das Finale. „Patrizias Saison war bisher sehr, sehr gut. Sie hat bei der Hallen-WM in Glasgow das Finale erreicht und damit einen wichtigen Meilenstein erzielt“, sagt Dauch. „Ihr Minimalziel wird es sein, auch bei den Europameisterschaften ins Finale zu kommen.“ Van der Weken ist in Rom mit 11,02 Sekunden gemeldet, eine Zeit, die sie vor rund einem Jahr gelaufen ist. In diesem Sommer kam sie zweimal auf 11,12 Sekunden, ihre Vorbereitung ist darauf ausgerichtet, erst bei der EM und dann bei den Olympischen Spielen in Höchstform zu sein. „Da sie schon lange für Olympia qualifiziert ist, konnte sie sich ganz in Ruhe vorbereiten“, erklärt Dauch. „Mit ihrer aktuellen Form ist das Finale erreichbar – und ab da alles möglich. Die Favoritenrolle liegt bei anderen und damit auch der Druck.“

Vorlauf: Freilos
Halbfinale & Finale: Sonntag um 21.05 Uhr und 22.53 Uhr


Bob Bertemes

 Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Bob Bertemes hat angekündigt, seine Karriere nach dieser Saison zu beenden. „Er ist mit seiner Entscheidung im Reinen und sieht jetzt jede seiner letzten Erfahrungen als Geschenk“, erzählt Dauch. „Das erlaubt es ihm, befreit aufzutreten.“ Bertemes steht mit seiner Weite von 21,71 Metern, mit der er sich im Januar auch das Olympiaticket gesichert hatte, in Rom auf Platz fünf der Meldeliste. Eine Platzierung unter den besten Kugelstoßern Europas ist also möglich. Einfach wird das aber nicht. „Das europäische Niveau ist sehr hoch. Es wird eine Herausforderung für ihn, bei seinen letzten Europameisterschaften zu glänzen“, so Dauch. „Sein erstes Ziel wird es sein, ins Finale zu kommen.“ In der Qualifikation hat jeder Teilnehmer nur drei Versuche, es gibt also kaum Spielraum für Fehler. „Es ist wichtig, gleich gut reinzukommen.“ Nur die zwölf Besten kämpfen anschließend am Samstagabend um den Titel. „Ab da ist alles möglich. Aber Bob muss sich erst auf die Qualifikation konzentrieren, danach sehen wir weiter.“

Qualifikation: Freitag um 19.55 Uhr
Finale: Samstag um 21.02 Uhr


Vera Hoffmann

 Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat

In der Halle hat Vera Hoffmann bereits an mehreren Europameisterschaften teilgenommen, nun hat sich die 27-Jährige auf ihrer Paradestrecke, den 1.500 Metern, erstmals auch für eine Freiluft-EM qualifiziert. In Rom wird sie am Freitagmorgen den luxemburgischen Auftakt machen. „Ich glaube, dass sie sich in den Vorläufen behaupten und das Finale erreichen kann“, sagt Dauch. „Das ist natürlich nicht einfach. Es hängt viel von der Stärke des Vorlaufs ab, aber das Finale ist ein realistisches Ziel.“ Dass sie das Zeug dazu hat, bewies Hoffmann schon 2023 bei der Hallen-EM in Istanbul, wo sie den starken achten Platz belegte. In der italienischen Hauptstadt geht es für sie aber nicht nur um die Platzierung, sondern auch um Punkte für das Olympia-Qualifikationsranking. In diesem belegt sie aktuell den 38. Platz, in Paris werden 45 Athletinnen am Start sein. Es geht jetzt darum, diesen Platz abzusichern. In ihrem letzten Rennen vor Rom lief Hoffmann Zeit von 4:07,57 Minuten und kratzte damit an ihrem Landesrekord von 4:06,94. „Sie hat damit gezeigt, dass sie in guter Form ist.“ 

Vorlauf: Freitag um 11.45 Uhr
Finale: Sonntag um 22.36 Uhr


Charel Grethen

 Foto: AFP/Jewel Samad

Charel Grethen hat sich kurzfristig von seinem EM-Start zurückgezogen. Eigentlich sollte der 32-Jährige in Rom zu seiner sechsten Europameisterschaft in Folge antreten, doch am Freitagmorgen teilte er am ersten EM-Tag mit, dass er sich gegen einen Start entschieden hat. „Leider muss ich dieses Mal verzichten, um auf das größere Ziel in dieser Saison hinzuarbeiten“, schrieb Grethen bei Instagram. Gemeint sind die Olympischen Spiele in Paris. Er hatte sich Anfang Mai während eines Meetings in Marrakesch einen Infekt eingefangen. „Ich habe mich noch nicht vollständig erholt“, begründet er seine kurzfristige Absage. In der Tat ist Grethens Sommersaison bisher holprig verlaufen. Vier Rennen stehen zu Buche, zwei davon konnte er nicht beenden. Bei den beiden anderen lief er jeweils Zeiten über 3:40 Minuten. Zum Vergleich: Grethens Landesrekord aus dem Jahr 2021 steht bei 3:32,86. 


Charline Mathias

 Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Charline Mathias kehrt nach fünf Jahren auf die europäische Bühne zurück. 2019 nahm sie zum bisher letzten Mal an einer Europameisterschaft teil (damals in der Halle). „Die letzten Jahre waren nicht einfach für sie, da sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte“, erklärt Dauch. „Für Charline ist es ein großer Erfolg, wieder auf diesem Niveau angekommen zu sein. Man muss ihren enormen Willen loben.“ Mathias darf mittlerweile sogar von einer Teilnahme an den Olympischen Spiele träumen, im Paris-Ranking liegt sie derzeit auf einem Qualifikationsplatz (47./48). Zustande kam diese Platzierung kurz vor der EM durch drei Rennen in acht Tagen „auf sehr hohem Niveau“. „Ihre guten Ergebnisse haben es ihr dann auch ermöglicht, sich in letzter Sekunde für Rom zu qualifizieren“, so Dauch. „Jetzt muss sie auf der Welle ihrer guten Form weiterreiten.“ Über 800 Meter werden bei den Europameisterschaften drei Runden mit Vorlauf, Halbfinale und Finale ausgetragen. „Der Fokus liegt zunächst darauf, das Halbfinale zu erreichen. Wenn das klappt, geht es danach darum, noch einmal so schnell wie möglich zu laufen und möglichst viele Punkte zu holen.“ 

Vorlauf: Montag um 11.50 Uhr
Halbfinale: Dienstag um 10.10 Uhr
Finale: Mittwoch um 21.31 Uhr


Ruben Querinjean

 Foto: FLA

Ruben Querinjean hat sich zum ersten Mal überhaupt für eine Europameisterschaft auf Seniors-Ebene qualifiziert. Dabei hatten vor zwei Monaten nur die wenigsten seinen Namen auf der Rechnung. „Ruben hatte in den letzten anderthalb Jahren mit einigen Verletzungen zu kämpfen“, erklärt Dauch. „Dass er es nach Rom geschafft hat, ist eine kleine Überraschung.“ Querinjean ist erst seit kurzem wieder fit und hat in der laufenden Sommersaison bislang nur drei Rennen bestritten. Doch der 22-Jährige lief sofort starke Zeiten und stellte sogar in 8:25,81 Minuten einen neuen Landesrekord auf. Während in anderen Disziplinen fünf Leistungen für einen Platz im EM-Qualifikationsranking benötigt wurden, waren es im 3.000 Meter Hindernislauf nur drei. „Das hat es im erlaubt, sich zu qualifizieren. Er hat drei wirklich starke Läufe gezeigt“, so Dauch. „Ich bin gespannt, wie er sich in Rom schlagen wird. Ruben ist eher unbekannt und steht nicht im Rampenlicht. Ich bin davon überzeugt, dass er überraschen kann. Er wird in Rom Erfahrung sammeln, aber auch versuchen, Punkte für das Paris-Ranking zu holen.“

Vorlauf: Samstag um 10.10 Uhr
Finale: Montag um 22.00 Uhr