In eigener Sache
Editpress-Generaldirektorin Michelle Cloos: KI kann den Journalisten nicht ersetzen
Auch KI macht Fehler, betont Editpress-Generaldirektorin Michelle Cloos Foto: Editpress/Julien Garroy
KI ist heute in vielen Bereichen kaum mehr wegzudenken. Auch im Journalismus kommt sie gelegentlich zum Einsatz. Dabei ist allerdings immer höchste Vorsicht geboten. Künstliche Intelligenz kann zwar große Quantitäten in kürzester Zeit erfassen und analysieren, allerdings fehlt ihr das, was die journalistische Arbeit im Wesentlichen ausmacht: Recherchearbeit, mitten im Geschehen präsent zu sein und Fact-Checking.
Auch Transparenz und somit das Angeben von Quellen ist ein wichtiger Punkt, merkt Editpress-Generaldirektorin Michelle Cloos im Gespräch mit Radio 100,7 an. Doch bei KI-generierten Inhalten sei es oftmals problematisch, den Ursprung der Informationen zurückzuverfolgen. Und: „Wir wissen ja, dass KI auch Fehler machen kann“, betont Cloos. Anders als bei Journalisten trägt die KI jedoch keine Verantwortung für etwaige Fehler und Falschinformationen.
Darüber hinaus werde mit einer verstärkten Nutzung von KI das Businessmodell der Medien infrage gestellt. Medienhäuser bezahlen ihre Journalisten für gelieferte Inhalte und verdienen wiederum selbst damit. „Wenn diese Inhalte einfach wiederverwendet werden können, ohne dafür zu zahlen, dann hat das natürlich katastrophale finanzielle Konsequenzen für die Medien“, sagt Cloos.
Letztendlich könne KI bei verschiedenen Prozessen zur Unterstützung genutzt werden, doch „sie kann nie den Journalisten und den Journalismus ersetzen“, betont Cloos. Diesen Ansatz würden sowohl die internationalen als auch die Luxemburger Medien vertreten.
Aufgrund der Herausforderungen durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz in den Medien haben sich vergangene Woche deutschsprachige Verlegerverbände in Zürich getroffen und eine Erklärung mit gemeinsamen Forderungen über den Umgang mit KI und journalistischen Inhalten erstellt.
Cloos glaubt, die Inhalte der „Züricher Erklärung“ sollten nun nach außen getragen werden. So sollte es in Luxemburg beispielsweise einen Austausch zwischen dem Presserat und dem zuständigen Ministerium geben. (WiR)