Editorial
Die Menstruation zu einem Thema machen
Die Menstruation gehört zum Leben einer Frau dazu. Durch die Petition gerät das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit. Foto: Pixabay
In den letzten Wochen hat es, neben dem überall dominierenden Coronavirus, ein weiteres Thema in die Öffentlichkeit geschafft: die Menstruation und die damit einhergehenden möglichen körperlichen Beschwerden. Sonst wird gerne über die monatliche Blutung geschwiegen, doch eine Petition hat dies zu einem öffentlichen Thema gemacht. Gefordert wird eine monatliche zweitägige Freistellung für Frauen, damit sich diese nicht mit Schmerzen auf der Arbeit quälen müssen. Mit derzeit 4.824 Unterschriften (Stand 17. Juni) hat die Petition die nötige Anzahl zusammen, damit auch in der „Chamber“ darüber diskutiert wird.
Regelbeschwerden können ganz verschieden sein und von unterschiedlicher Intensität: Sie reichen von Krämpfen und Rückenschmerzen bis hin zu Schwindel oder Übelkeit. Dazu leiden manche Frauen unter Endometriose, einer chronischen Krankheit, bei der die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst.
Das Thema polarisiert in den sozialen Netzwerken. Die Berichte dazu erhielten viele Kommentare und unterschiedliche Meinungen. Auch die Frauen sind sich bei diesem Thema uneins. Einige bezweifeln, dass die Freistellung das richtige Mittel sei, um der Thematik gerecht zu werden.
Als Argumente gegen diese Forderung wird angeführt, dass es jetzt bereits möglich sei, zwei Tage ohne ärztliches Attest zu Hause zu bleiben. Dazu bestehe immer noch die Möglichkeit, zum Arzt zu gehen. Auch würde dies weitere Ungleichheiten zwischen Mann und Frau auf dem Arbeitsplatz schaffen. Menstruierende Personen könnten weiterhin als „schwach“ angesehen werden.
Nur, wie schwach kann jemand sein, der Monat für Monat solche Schmerzen aushalten muss und bisher trotzdem zur Arbeit gegangen ist? Außerdem wird befürchtet, dass es somit für den Arbeitgeber nicht so attraktiv sei, eine Frau einzustellen, wenn sie potenziell jeden Monat für mindestens zwei Tage ausfallen könnte.
Nicht nur in den sozialen Medien, auch in der Politik wird diese Idee kritisch gesehen, wie Gleichstellungsministerin Taina Bofferding kürzlich in einem Woxx-Artikel sagte. Der hiesige Arbeitsmarkt sei noch nicht bereit dazu, auch wenn sie dies bedauere. Vielmehr müsse die Menstruation enttabuisiert werden. Hierbei könnten kostenlose Hygieneprodukte behilflich sein. Auch das Arbeitsministerium sieht eine solche Dispens als schwierig an. Komplex könnte sicherlich die Umsetzung einer solchen Regelung in die Praxis werden.
Die Petition hat demnach schlechte Karten bei den politisch Verantwortlichen. Die hiesige Arbeitswelt und auch die Luxemburger Gesellschaft sind noch nicht so weit, um sich speziell mit dem Thema eines Menstruationsurlaubs auseinanderzusetzen – doch alleine durch die Diskussionen befassen sie sich endlich mit etwas Natürlichem, das schließlich die Hälfte der Luxemburger Bevölkerung betrifft.
Die Petentin schreibt, dass es ihr darum gehe, den Frauen entgegenzukommen. Und der Erfolg ihrer Petition zeigt, dass diese Thematik verstärkt in die Öffentlichkeit gehört.