Editorial

Eine Sportpolitik für die gesamte Gesellschaft

Nach mehr als fünf Jahren hat Luxemburg wieder einen Sportkommissar. Für den Schul- und Breitensport ein gutes Zeichen.

Schulsportler trainieren auf dem Sportplatz – Vorteile durch Wiederbesetzung des Sportkommissars für Schulsportentwicklung

Der Schulsport könnte von der Wiederbesetzung des Postens des Sportkommissars profitieren Foto: Editpress/Tania Feller

Die Verkündung des Sportministeriums sorgte am Freitag in der nationalen Sportwelt für Aufsehen. Denn nach mehr als fünf Jahren wird Luxemburg in der Person von Yves Picard wieder einen Sportkommissar bekommen. Der Präsident der APEP, der Vereinigung der Luxemburger Sportlehrer, wird seinen Posten am 13. April antreten.

Erstmals seit der Pensionierung von Robert Thillens im September 2020 wird dieses zentrale Amt im Sportministerium damit wieder besetzt sein.

Gerade um dieses hatte es in den vergangenen Jahren bekanntlich immer wieder Diskussionen gegeben. Unter LSAP-Sportminister Dan Kersch wurde ein Gesetzesprojekt entworfen, das die Nominierungskriterien für den Posten des Sportkommissars grundlegend ändern sollte. Vorgesehen war, dass dieser nicht mehr über 15 Jahre Erfahrung im Staatsdienst sowie die Voraussetzungen für eine Karriere als „cadre supérieur“ verfügen müsste. Eine sportspezifische Ausbildung wäre damit nicht mehr zwingend erforderlich gewesen.

Es handelte sich um einen Entwurf, der damals stark kritisiert wurde, für viele Diskussionen sorgte und in den folgenden Jahren schließlich fallen gelassen wurde. Doch weder Kersch noch seine Nachfolger Georges Engel (LSAP) oder Georges Mischo (CSV) – selbst früher Sportlehrer – entschieden sich in ihrer Amtszeit dafür, auf die Hilfe eines „Commissaire du gouvernement à l’Education physique et aux Sports“ zurückzugreifen.

Nun also die Kehrtwende. Gegenüber RTL erklärte Martine Hansen (CSV), die ihrerseits seit fast vier Monaten Sportministerin ist, dass es eines ihrer zentralen Anliegen sei, die Bewegung in der Bevölkerung noch stärker zu fördern. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren in diesem Bereich zu verbessern, gehöre demnach ebenfalls zu den Hauptaufgaben von Yves Picard.

Fest steht: In der Luxemburger Sportwelt hat sich in den letzten Jahren vor allem im Bereich des Leistungssports sehr viel getan. Luxemburgs Spitzenathleten finden dank neu geschaffener oder ausgebauter Infrastruktur wie dem High Performance Training and Recovery Center (HPTRC) in der Coque, dem Luxembourg Institute for High Performance in Sports (LIHPS) der Sportfabrik oder dem „Institut national de l’activité physique et des sports“ (INAPS) immer bessere Bedingungen vor.

Vernachlässigt wurde hingegen der Schul- und Breitensport: Eine Fachperson aus diesem Bereich war in den letzten Jahren auf dem zentralen Posten im Sportministerium jedenfalls nicht vertreten. Dabei wird seit Jahren auf die Bedeutung einer bewegungsfreudigen und gesunden Gesellschaft hingewiesen. Fortschritte in diesem Bereich sind daher auf jeden Fall zu begrüßen. Sportpolitik betrifft eben die gesamte Gesellschaft und nicht nur die Spitzenathleten.

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