Editorial
Die Freiheit des Anderen – über Sinn und Unsinn von Halloween
In Esch hat kürzlich eine Nachbarin wegen Halloween-Deko – genauer gesagt wegen einer Feuerschale – die Polizei gerufen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“, sagte der Philosoph Immanuel Kant einst. 300 Jahre nach seiner Geburt hat der Satz nichts an Aktualität verloren.
In Esch erhitzte Anfang der Woche ein Streit um eine Halloween-Dekoration die Gemüter in den sozialen Netzwerken. Wobei es im Grunde genommen nicht um die Deko, sondern um eines ihrer Elemente, nämlich Lagerfeuer, ging. Also um Sicherheit, und auch um Geruchsbelästigung durch Rauch. Die Polizei wurde gerufen und machte ihren Job, das Feuer wurde von der Hausbesitzerin ausgemacht. Und wird in Zukunft durch künstliche Flammen ersetzt. Ende gut, alles gut.
Dass man über Halloween und die dazugehörige Dekoration streiten kann, das zeigte sich im Netz. Ist Halloween ein kommerzieller Horrorschabernack oder ein morbider Spaß? Man muss nicht jeden Blödsinn aus den USA mitmachen, meinen die einen. Das dekorierte Haus sei durchaus eine Augenweide und Anziehungspunkt für Jung und Alt, sagen die anderen. Und die Kinder hätten Spaß, am Abend vor Allerheiligen von Haus zu Haus zu ziehen und um Süßes oder Saures zu bitten.
Halloween kommt ursprünglich aus dem katholischen Irland, der Brauch geht vermutlich auf das keltische Fest Samhain zurück. Die Menschen glaubten, dass in der Nacht zu Allerheiligen die Seelen der Toten zurück auf die Erde kommen, und wollten die bösen Geister mit schaurigen Verkleidungen vertreiben. Irische Auswanderer verbreiteten Halloween in den USA, wo es dann zu dem wurde, was es heute ist. Nämlich zu einer ziemlich großen kommerziellen Angelegenheit. Genau wie Weihnachten, das nur am Rande.
Den schwarzen Peter in der Escher Diskussion zog derweil die Nachbarin, die die Polizei gerufen hatte. Sie wurde als Spaßbremse bezeichnet, obwohl es ihr ausschließlich um das Feuer und die Rauchentwicklung in Richtung ihres Hauses ging, wie sie dem Tageblatt versicherte. An der Dekoration des Hauses störe sie sich nicht, das sei schließlich Privatsache.
Sollen die Menschen doch ihre Häuser dekorieren, wie sie lustig sind. Und warum sollten sie es dabei nicht auch etwas übertreiben dürfen? Solange keine Sicherheitsgefahr besteht und die Gemeindereglemente, was Lärmbelästigung und ähnliches angeht, respektiert werden, ist daran prinzipiell nichts auszusetzen. Und natürlich solange der gesunde Menschenverstand walten gelassen wird.
Womit wir zum Abschluss wieder beim Zitat von Immanuel Kant sind. Zum gesunden Menschenverstand gehört nämlich auch, Rücksicht auf seine Nachbarn zu nehmen.