EditorialDas Pflegepersonal schützen, anstatt es auszubrennen

Editorial / Das Pflegepersonal schützen, anstatt es auszubrennen
Das Pflegepersonal benötigt dringend bessere Arbeitsbedingungen Foto: Editpress/Alain Rischard

Jetzt weiterlesen! !

Für 0,59 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Sie sind bereits Kunde?

Das Pflegepersonal in Luxemburg ist am Ende seiner Kräfte. Seit der Vorstellung der „LëtzCare“-Studie ist dieser Umstand mit Fakten und Zahlen belegbar. 80 Prozent des Pflegepersonals haben innerhalb eines Jahres mindestens einmal darüber nachgedacht, den Beruf aufzugeben. Bis zum Jahr 2034 gehen 42 Prozent des Pflegepersonals in Rente. Diese alarmierenden Zahlen müssten eigentlich jeden aufhorchen lassen. Gut wäre es demnach, wenn die wenigen Krankenpflegerinnen und -pfleger, die noch da sind, im Beruf bleiben würden.

Die Studie beschreibt auch, warum so viele das Handtuch werfen möchten. Ein Hauptgrund für diese massive Unzufriedenheit ist das Arbeitsvolumen: Zu viel Arbeit muss in zu wenig Zeit erledigt werden. Viele haben nach ihrer Arbeit keine Energie mehr für Familie und Freunde übrig. Dadurch kann ein gefährlicher Kreislauf entstehen, der nach und nach zum Burnout führt. Unklare Rollenverteilungen, fehlende technische Ausstattung und Nachwuchsprobleme sind weitere Realitäten, die den Beruf unattraktiv wirken lassen. Trotz der vielen Probleme gehen viele Pflegekräfte weiter in ihrer Arbeit auf. Doch das Umfeld stimmt einfach nicht mehr. Sie fühlen sich wie Roboter, die ihre Arbeit nur noch wie am Fließband verrichten. 

Vor einem halben Jahr ist die „LëtzCare“-Studie veröffentlicht worden. Bisher hat die „Association nationale des infirmières et infirmiers du Luxembourg“ (ANIL) noch keine konkreten Rückmeldungen bekommen, die zu einer Verbesserung der Situation führen könnten. Deswegen hat die Vereinigung vor kurzem Maßnahmen vorgeschlagen, die schnell umsetzbar seien und eine spürbare Verbesserung mit sich bringen würden. Die Probleme bestehen bereits seit langem, doch die anstrengende Zeit der letzten Jahre hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Pflegekräfte sehen sich jedoch nicht als die Helden der Corona-Pandemie. Sie wünschen sich einfach nur, ihre Arbeit unter normalen Bedingungen leisten zu können. 

Den Führungsetagen sind diese Probleme bekannt. Vergangene Woche hat der Krankenhausverband seine Vision vorgestellt, wie die Gesundheitsversorgung im Jahr 2030 funktionieren soll. Die Vereinigung fühlt sich in dem Text als entbehrliche Größe behandelt. Auf konkrete Lösungsvorschläge für eine schnelle Verbesserung der Situation wurde während der Pressekonferenz nicht eingegangen. 

Dabei ist es aufgrund des sich abzeichnenden Personalmangels wichtig, dass jetzt etwas passiert. Veränderungen brauchen Zeit, bis sie tatsächlich greifen. „Wir arbeiten, um leben zu können. Wir müssen uns nicht total aufopfern“, sagte ANIL-Präsidentin Anne Marie Hanff in einem Gespräch mit dem Tageblatt. Schließlich möchten die Angestellten im Pflegesektor am Ende genau das: Einer Arbeit nachgehen, von der sie überzeugt sind, und dies zu Bedingungen, die sie nicht ausbrennen lassen. 

Jempi
3. März 2023 - 9.47

Resultat von kompletter Versagung der Gesundheitsministerin,
wann wird so ein Posten mal endlich von kompetenten und
erfahrenen Personen in diesem Setkor besetzt.
Es wir nur weiter gewurschtelt.

Grober J-P.
2. März 2023 - 10.02

"Sie fühlen sich wie Roboter, die ihre Arbeit nur noch wie am Fließband verrichten. "
Und der Patient leidet mit. Nur das Nötigste wird getan und am Ende steht der Exodus. Kürzlich miterlebt.