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Badeunfälle häufen sich im In- und Ausland, was läuft schief?

Badeunfälle häufen sich im In- und Ausland, was läuft schief?

Foto: dpa/Marijan Murat

Als Präsident der ALIN (Schwimmlehrerverband) bin ich überrascht über die Leserbriefe, die sich mit dem Schwimmunterricht in der Grundschule beschäftigen. Vielleicht erinnern sich noch einige an die Petition (unter nager.lu findet man weitere Informationen) der ALIN-FGFC, die mit über 7.000 Unterschriften großen Anklang fand. Leider wurden im Bildungsministerium nicht die richtigen Schlüsse gezogen, und jetzt liegt das Kind im Brunnen. Die ALIN hat sich ab 2010 mit Händen und Füßen gegen das Grundschulgesetz zur Wehr gesetzt, leider ohne Erfolg. Weder Madame Delvaux-Stehres noch Herr Meisch waren an einer Lösung interessiert, die den Schwimmlehrern wieder einen festen Platz in der Grundschule ermöglicht hätte. Außerdem wurde im Schulgesetz von 2010 für alle anderen Angestellten des Bildungsministeriums eine saubere Lösung gefunden, nur die Schwimmlehrer wurden abgeschoben.

Auch wenn die Schwimmlehrer schlussendlich in den Text geschrieben wurden, so haben sie weder einen Auftrag noch eine definierte Aufgabe. Über 30 Jahre lang haben Schwimmlehrer den Schwimmunterricht leiten dürfen.

Bürger in 2 Kategorien aufgeteilt

Der Schwimmlehrer darf zu diesem Zeitpunkt keinen Schwimmkurs in der Grundschule alleine leiten. Der CSV-LSAP-Regierung genügte es aber nicht, den Schwimmlehrer aus dem Schwimmunterricht zu verbannen, nein, sie fügten noch ein Gesetz bei, dass in Zukunft nur Primaner vom Bildungsministerium eingestellt werden können. Bürger mit einer handwerklichen Ausbildung wie Schwimmlehrer können unabhängig von ihren Kompetenzen nicht in der Grundschule eingestellt werden.

Mit diesem Gesetz hat das Luxemburger Parlament die Bürger Luxemburgs in zwei Kategorien aufgeteilt, in Primaner, die mit Grundschülern arbeiten dürfen, und in Nichtprimaner, die von Grundschulkindern ferngehalten werden müssen. Wenn man die heutigen moralischen Standards anwendet, dann ist das Gesetz an Diskriminierung kaum zu überbieten. Bei dieser Entscheidung sucht man vergeblich nach dem Sinn und der Logik.

Auch die Gambia-Regierung hätte nach der Petition die Ungerechtigkeiten beheben können, über 7.000 Bürger waren der Meinung, dass Schwimmlehrer zusammen mit den Lehrer*innen den Schwimmunterricht leiten sollen. So kosten Petitionen nur Geld.

Nur eine Forderung

In all den Jahren haben wir nur eine Forderung gestellt: den Schwimmunterricht in der Grundschule leiten zu dürfen. Über zwei Jahrzehnte haben wir die Ausbildung diesen Bedürfnissen angepasst und endlich am Ziel angekommen, hat die Politik uns die Grundlage entzogen.

Zusammen mit der FGFC hat die ALIN auf die Probleme im Schwimmunterricht aufmerksam gemacht –warum schließt das Bildungs- oder Sportministerium mit der FLNS Vereinbarungen ab bezüglich des Schwimmunterrichts in der Grundschule und grenzt die Petitionäre aus? Es ist kein Geheimnis, dass die FLNS politisch bestens vernetzt ist. Wir würden es begrüßen, wenn die Sichtweise der Verantwortlichen der FLNS nicht so einseitig wäre. Natürlich sind die Schwimmschulen der Vereine ein wichtiger Bestandteil, um Kinder schwimmen zu lehren. Es bedeutet aber auch wichtige Einnahmen für die Vereine. Nicht für alle Eltern hat Schwimmen denselben Stellenwert, die Gründe dafür sind vielfältig, deshalb sollte in der Grundschule dem Schwimmunterricht die nötige Sorgfalt zukommen.

Die letzten zehn Jahre hat sich der Schwimmunterricht qualitativ nicht verbessert, in verschiedenen Gemeinden sogar verschlechtert. Der unnötige Stillstand bedeutet einen Rückschritt für den Schwimmunterricht in der Grundschule. Die Politik weist immer wieder darauf hin, wie wichtig Sport für Kinder ist, und da kommt dem Schwimmen sicherlich eine Sonderrolle zu.

Qualität und Sicherheit

Die Ausbildung der Schwimmlehrer erfüllt die nötigen Anforderungen, sollten aber noch weitere Gemeinden die Schwimmlehrer von den Schulklassen abziehen, wird es schwierig. Die tägliche Praxis und gute pädagogische Kenntnisse sind unabdingbar. Leider werden die Schwimmlehrer, wenn kein Umdenken kommt, wie das Lehrpersonal immer weniger praktische Erfahrungen sammeln können.

Ich möchte hier auch betonen, wir sehen die Weiterbildungen (Schwimmunterricht) für Lehrer*innen sehr skeptisch. Wenn ich richtig informiert bin, findet man vieles von dem Erlernten in Büchern oder im Internet, wenn man dann will. Die Gefahr besteht, dass Teilnehmer von Wochenend-Weiterbildungen glauben, man wäre jetzt bereit, den Schwimmunterricht in allen Zyklen 1.1-4.2 zu leiten. Ich versichere Ihnen, sie sind es nicht. Es fehlt die tägliche Praxis.

Ich bedaure es sehr, dass manche Politiker, ohne die Bedürfnisse der Schüler in der Grundschule zu kennen, darüber abstimmen, wie ihr Schwimmunterricht aussehen soll. Es war der Wunsch von vielen angehenden Schwimmlehrern, mit Kindern arbeiten zu können. Das wird ihnen jetzt größtenteils verwehrt. Der Mangel an Ausbildungsplätzen trägt auch zum Schwimmlehrermangel bei. Da müssen sich die größeren Schwimmbäder die Frage stellen, ob sie ihren Verpflichtungen in der Ausbildung nachkommen, oder die Politiker könnten die Schwimmlehrer wieder voll in den Schwimmunterricht in der Grundschule integrieren. Beseitigen sie diese Probleme, dann werden wir auch wieder genügend Nachwuchs finden. Ich bin mir sicher, die Eltern der Grundschulkinder würden es begrüßen, wenn Lehrer*innen in Zusammenarbeit mit Schwimmlehrer*innen den Schwimmunterricht in der Grundschule leiten. Die Qualität und die Sicherheit während des Schwimmunterrichts müssen oberste Priorität haben, bitte keine weiteren zehn Jahre Stillstand.

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