Forum von Pierre Balthasar
Digitale Sexualisierung der Frau: Wenn neue Technologien alte Probleme reproduzieren
Foto: AFP/John MacDougall
Während ihres Themenabends „A.I. and Misogyny“ thematisiert die Gruppe „Voices of Young Feminists“ KI (Künstliche Intelligenz) und die digitale Sexualisierung der Frau.
Zuerst ein paar Informationen zu der Gruppe. „Voices of Young Feminists“ wurde 2024 gegründet und besteht aus elf Mitgliedern. Ursprünglich entstand die Gruppe aus einer Art Weiterführung des „Projet Voix des jeunes femmes“ vom CNFL („Conseil national des femmes du Luxembourg“). Ihre Mission ist direkt, dafür aber nicht einfach: Sie möchte jungen Feminist*innen einem intersektionellen Ort des Austausches und der Community bieten. Hier kommen verschiedenste Hintergründe ins Spiel. Egal welche Hautfarbe man hat, ob nun behindert ist oder nicht, unabhängig der Sexualität, Gender-Identität wie auch der ethnischen Herkunft, bei „Voices of Young Feminists“ gibt es für jede feministische Person einen Platz.
Kein Mann, der an diesen Events teilhaben möchte, müsste sich anhören, dass er jetzt besser hätte, zu gehen, nur weil er ein Mann ist. Im Gegenteil; in der Regel sind Feminist*innen glücklich, wenn Männer sich aufrichtig und ehrlich für feministische Themen interessieren.
Dementsprechend habe ich mich als Autist auch wohlgefühlt. Außerdem ist es wichtig, die Frage des Mannes in feministischen Kreisen kurz anzuschneiden; als männlich gelesene Person wurde ich nicht von ihnen abgelehnt. Kein Mann, der an diesen Events teilhaben möchte, müsste sich anhören, dass er jetzt besser hätte, zu gehen, nur weil er ein Mann ist. Im Gegenteil; in der Regel sind Feminist*innen glücklich, wenn Männer sich aufrichtig und ehrlich für feministische Themen interessieren. Wirklich jeder Mensch, der Interesse hat, ist willkommen.
Zur Person
Pierre Balthasar ist ein 30-jähriger Doktorand an der Uni Luxemburg in der Luxemburgistik. Nebenher setzt er sich aktivistisch für feministische Themen ein.
Am Abend des Events, 26. Februar, findet man sich in der „CID – Fraen an Gender“-Bibliothek in einer gemütlichen Ecke wieder, mit viel Sitzmöglichkeiten wie auch Snacks und Getränken. Die Mitglieder sind höflich und zuvorkommend und haben einiges an interessantem Wissen zu bieten. Während des Abends selbst war ich da für zwei Präsentationen.
In beiden ging es um das gleiche Thema: Wie Künstliche Intelligenz die Sexualisierung des weiblichen/femininen Körpers in ein neues, dunkleres, Zeitalter führt und was man dagegen unternehmen kann. Generell hat man über neue Technologien gesprochen, von wem diese eingesetzt werden und produziert wurden. Für diesen Artikel möchte ich auf ein konkretes Beispiel eingehen.
Unter anderem ging es um Elon Musks „Grok“, die KI auf der Plattform „X“ (ehemalig „Twitter“). Hier wurde in erschreckendem Detail darüber berichtet, wie nach der Ermordung von Renée Good in den USA mehrere Menschen, vor allem Männer, Grok benutzt haben, um pornografische Bilder und auch Videos des Opfers zu generieren. Mit der Software von Elon Musk kann man das Foto einer beliebigen Frau nehmen, Grok das Foto geben und in einem Befehl, auf Englisch oft „prompt“ genannt, ihn dazu aufzurufen pornografisches Material herzustellen. Normale Fotos, in denen das Gesicht klar zu sehen ist, reichen dabei komplett. Wichtig anzumerken isr, dass dies nicht bei Männern funktioniert. So wurden immer wieder Pornos von Renée Good hergestellt.¹
In Großbritannien wie auch global wurde dies als großes Problem anerkannt von Feminist*inne² und es wurde eine Entscheidung gefällt, welche anscheinend Frauen beschützen sollte. Laut dem „Safety“ Account der Plattform „X“ hieß es Mitte Januar: „We remain committed to making X a safe platform for everyone and continue to have zero tolerance for any forms of child sexual exploitation, non-consensual nudity, and unwanted sexual content.“³Trotzdem, können weiterhin Leute, die ein Abonnement haben bei X, um Grok zu nutzen, weiterhin Bilder editieren und so auch Frauen weiterhin ausziehen. Obwohl dies laut X nicht passieren sollte, gibt es trotzdem Schlupflöcher⁴ Musk verteidigte die Plattform, so die BBC, dass das Umkleiden von gewissen Menschen durch Computerprogramme eigentlich eine Art der Meinungsfreiheit wäre und dementsprechend auch Standard, vor allem in den USA.⁵
Das Problem selbst also, die sexuelle Ausnutzung von Frauen durch Technologien, welche von Männern für Männer gemacht worden sind, wird nicht enden
Nun hört man dies als feministische Gruppe, so wie die „Voices of Young Feminists“, und schüttelt nur den Kopf vor Wut und Frust. Der Schaden wurde bereits getan, es gibt unzählige Nacktbilder und pornografsche Videos von verschiedensten Frauen; diese Bilder ausfindig zu machen und zu zerstören, wird auch quasi unmöglich sein, so die Gruppe. Allerdings wurde durch die Diskussionsrunde einiges klar und es wurde neues Wissen aufgedeckt.
Das Problem selbst also, die sexuelle Ausnutzung von Frauen durch Technologien, welche von Männern für Männer gemacht worden sind, wird nicht enden. Diese wird es höchstwahrscheinlich immer geben. Allerdings arbeiten KI-Systeme wie Grok gegen sich selbst. Hier redet man zum Beispiel von der „dead internet theory“. Diese besagt, dass die Population auf dem Internet immer mehr durch Bots, also KI, anwächst. Da KI ja sein Wissen zu generierten Bildern und Videos vom Internet nimmt, aber Bots ein immer größerer Teil des Internets werden, füttern sich unterschiedliche KIs irgendwann einmal selbst. So entstehen Bilder, welche „keinen Sinn“ mehr machen. Dies ist ein Phänomen, welches man zum Teil auf verschiedenen Social-Media-Plattformen bereits beobachten kann.⁶
Was hat das nun mit dem Problem der Sexualisierung der Frau zu tun und warum legen sich Musk und Co. damit Steine in den Weg?
Da sich die Nutzung von KI immer weiter verbreitet, auch unter anderem für das Generieren von pornografischem Material von Frauen, werden die Bilder ab einem gewissen Punkt nicht mehr generierbar sein. Wenn die Population an Bots die Menschen auf dem Internet übernehmen, kann es gut sein, dass es, selbst wenn man versuchen wird, Nacktbilder und Videos herzustellen, misslingen wird, da die KI sich größtenteils selbst füttern wird.
Wie so oft zerstören sich machthungrige Menschen selbst oder deren Maschinen werden halt deren eigene Systeme für uns zerstören.
1) www.theguardian.com/technology/2026/jan/09/grok-ai-create-sexually-violent-videos-featuring-women-research-finds
2) msmagazine.com/2026/03/10/grok-girls-ai-chatbot-images-porn-elon-musk-bikini/
3) x.com/Safety/status/2011573102485127562
4) www.wired.com/story/elon-musks-grok-undressing-problem-isnt-fixed/
5) www.bbc.com/news/articles/ce8gz8g2qnlo
6) theconversation.com/what-is-ai-slop-why-you-are-seeing-more-fake-photos-and-videos-in-your-social-media-feeds-255538
Anmerkung
Das Tageblatt schätzt den Austausch mit seinen Leserinnen und Lesern und bietet auf dieser Seite Raum für verschiedene Perspektiven. Die auf der Forum-Seite geäußerten Meinungen sollen die gesellschaftliche Diskussion anstoßen, spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die Ansichten der Redaktion wider.