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Die große monetäre Illusion: Der Anstieg der Aktienmärkte in einer fragilen Welt
Viele Anleger wundern sich darüber, dass die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren in einem Umfeld schwachen Wirtschaftswachstums, wiederkehrenden geopolitischen Schocks, hoher Staatsverschuldung und Inflationsschüben so stark gestiegen sind. Seit Anfang der 2000er-Jahre hat die Welt die Nachwirkungen der Dotcom-Blase, die globale Finanzkrise, die Staatsschuldenkrise in der Eurozone, eine Pandemie, mehrere Kriege und die aggressivste geldpolitische Straffung in den USA seit 40 Jahren durchlebt. Dennoch befinden sich die Aktienmärkte, insbesondere in den Vereinigten Staaten, nahe ihren Allzeithochs.
Foto: Arne Dedert/dpa
Auf den ersten Blick erscheint dies rätselhaft. Das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern war moderat, die Produktivitätsentwicklung enttäuschend. Die Unternehmensgewinne sind gestiegen, jedoch nicht in einem Maße, das intuitiv mit dem Anstieg der Aktienkurse einhergeht. Wie lässt sich dieser Anstieg also erklären?
Die unangenehme Wahrheit ist, dass einem großen Teil dieser Aktiengewinne eine monetäre Illusion zugrunde liegt – sie sind nicht das Spiegelbild eines extrem gewachsenen Wohlstands, sondern eines schrumpfenden Maßstabs. Wir erleben keine Explosion des inneren Werts der Unternehmen, sondern einen kontinuierlichen Wertverlust der Währungen, in denen sie gemessen werden. Die Recheneinheit hat sich verändert. Sie ist geschrumpft, und daher scheint alles, was mit ihr gemessen wird, zu wachsen.