WirtschaftsmissionAuf den Space-Campus folgt der Campus der Gesundheitstechnologien

Wirtschaftsmission / Auf den Space-Campus folgt der Campus der Gesundheitstechnologien
So könnte der künftige Gesundheits-Campus aussehen Illustration: Wirtschaftsministerium

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Seit Jahren versucht die Luxemburger Regierung die nationale Wirtschaft weniger abhängig vom Finanzsektor zu machen. Dazu beitragen soll nicht nur der Weltraum-Sektor, sondern auch der Bereich der Gesundheitstechnologien. Im Rahmen einer zweitägigen Wirtschaftsmission in Bayern hat Wirtschaftsminister Franz Fayot am Mittwoch die Errichtung eines „Campus für Gesundheitstechnologien“ in Esch angekündigt.

Mitte letzten Jahres hatte Wirtschaftsminister Franz Fayot eine strategische Vision vorgestellt, wie die Luxemburger Wirtschaft in den kommenden Jahren grüner, digitaler und wettbewerbsfähiger gestaltet werden soll. Unter anderem sieht der Plan „Ons Wirtschaft vu muer“ die Errichtung von sektoriell spezifischen Gewerbezonen vor.

Nachdem Franz Fayot Ende letzten Jahres, im Rahmen der spezialisierten Weltraum-Messe „International Astronautical Congress“, erste Details zum künftigen Luxemburger Space-Campus preisgegeben hatte, war am Mittwoch in Erlangen der Gesundheits-Campus an der Reihe. Die Idee hinter beiden Initiativen ist jeweils die gleiche: Der enge geografische Kontakt zwischen den Akteuren eines Sektors soll dabei helfen, den Austausch zu fördern, neue Möglichkeiten zu schaffen, und so die Entwicklung des Bereichs insgesamt voranzubringen.

Der Wirtschaftsminister wird auf der zweitägigen Mission von einer Delegation begleitet, die sich aus Vertretern des öffentlichen Sektors zusammensetzt, die für die Entwicklung des Gesundheitstechnologiesektors zuständig sind, sowie aus privaten und öffentlichen Akteuren, die an der Entwicklung eines ausschließlich der Gesundheitstechnologie gewidmeten Gewerbegebiets in Luxemburg beteiligt sind.

Acht neue Gebäude sollen errichtet werden

Der neue Gesundheitscampus, genannt „Health and Lifescience Innovation Campus“ (abgekürzt He:al Campus), wird in dem Gewerbegebiet ZARE, zwischen Esch, Ehlerange und Belval, neben dem bereits bestehenden „House of Biohealth“ (HoBH), entstehen. Innerhalb von zehn Jahren sollen dort, auf einer Fläche von 2,4 Hektar, in mehreren Etappen acht neue Gebäude errichtet werden. Geplant werden nicht nur Büroräume und Laboratorien, sondern ein kompletter Campus mit unter anderem auch Fitnesscenter und Restaurants.

Die Gewerbezone ZARE neben Esch hätte laut ursprünglichem Plan der drei Gründungsgemeinden zu einem Standort für das Handwerk werden sollen. Unter anderem die Editpress-Druckerei hat hier ihr Zuhause. Doch als der ehemalige Wirtschaftsminister Jeannot Krecké 2009 (etwa fünf Jahre nach der Gründung) nach Land für „Biotech“ suchte, stimmte der Verwaltungsrat zu. „Und die Zeit hat gezeigt, dass die Entscheidung die richtige war“, so ZARE-Präsidentin Simone Asselborn-Bintz am Mittwoch. „Das ‚House of Biohealth’ hat sich zu einem Erfolg entwickelt.“

Das aktuelle Projekt baut demnach auch auf die bereits erzielten Ergebnisse vom HoBH auf, das mittlerweile selber aus drei Gebäuden besteht. Hier sind bereits rund 20 Firmen und Forschungszentren aus dem Gesundheitsbereich – mit etwa 750 Mitarbeitern – angesiedelt. Auch ein Firmeninkubator zählt bereits dazu. Mit den neuen Gebäuden, die von den gleichen Privatinvestoren („Firma Innovation Cluster“) wie beim HoBH finanziert und betrieben werden sollen, wird die Zahl der Beschäftigten langfristig auf rund 3.000 ansteigen, schätzen die Investoren Jean-Paul Scheuren und Romain Poulles. „Es geht darum, Innovation zu fördern und zu unterstützen“, so Scheuren.

V.l.: Franz Fayot, Simone Asselborn-Bintz, Jean-Paul Scheuren und Romain Poulles
V.l.: Franz Fayot, Simone Asselborn-Bintz, Jean-Paul Scheuren und Romain Poulles Foto: Siemens-Healthineers

Auch die Nähe zur Universität und zu dem künftigen „Südspidol“ soll die Entwicklung des neuen Campus fördern. „Der ideale Standort für Synergien“, fügte Franz Fayot hinzu.

Ein „wahrer Zukunftssektor“

Landesweit zählt der Sektor der Gesundheitstechnologien, dem Wirtschaftsministerium zufolge, 136 Unternehmen mit fast 1.900 Mitarbeitern. Die große Mehrheit dieser Firmen ist jünger als zehn Jahre und zählt weniger als zehn Mitarbeiter. Franz Fayot erwartet in den kommenden Jahren „eine weitere Explosion“ der Aktivitäten in dem Bereich. Es sei ein Sektor mit sehr viel Potenzial, ein „wahrer Zukunftssektor“, unterstrich er.

Ein besonderer Fokus im neuen Campus soll auf die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen rund um die digitalisierte Gesundheit gelegt werden, erläuterte Franz Fayot am Mittwoch in Erlangen weiter. Beispielsweise könnten auf dem Campus neue Gesundheits-Anwendungen ausgearbeitet werden. Sofern diese Apps den europäischen Normen entsprächen, könnten die Gesundheitskassen die Kosten der Kunden übernehmen. Der Minister hofft diesbezüglich auf eine Partnerschaft mit dem „Siemens Healthineers Experience Centre“ in Erlangen, sowie dem dortigen „Medical Valley“, das über 240 öffentliche und private Akteure im Bereich der Medizintechnik und der digitalen Gesundheit vereint. „Die haben bereits Erfahrung mit den speziellen Genehmigungsprozeduren“, so Fayot. Wenn die ihre Dienstleistungen künftig auch in Esch anböten, dann könnte das den Firmen helfen, ihre Produkte schneller auf den Markt zu bekommen. Der dortige Cluster Medical Valley habe eine internationale Ausstrahlung und wurde als Referenz für die zukünftige Entwicklung eines Campus für Gesundheitstechnologien in Luxemburg identifiziert, so das Ministerium.

Siemens Healthineers, das zum Siemens-Konzern zählt, hat 2017 das luxemburgische Unternehmen „Fast Track Diagnostics Luxembourg“ übernommen, das in der Entwicklung und Vermarktung von Diagnosekits für Infektionskrankheiten (PCR) tätig ist und im HoBH angesiedelt ist. Siemens Healthineers lieferte auch die Antigen-Tests, die in den Schulen verteilt wurden.

Langfristig soll die Digitalisierung den Gesundheitsbereich grundlegend verändern. Dazu zählt unter anderem die sogenannte „personalisierte Medizin“. Vorstellbar wären zudem Anwendungen, wo man die Probleme eines Patienten eingibt, diese Daten dann mit einer großen Anzahl ähnlicher Fälle vergleicht und auf diesem Wege die bestmögliche Therapie findet.

Weiterführende Lektüre:

Wundheilung aus Esch – LINK

Erster „Bio-Inkubator“ kommt nach Esch – LINK

Schutzanzüge aus Contern – LINK

Selbstdesinfizierende Masken aus Foetz – LINK

Plan des Campus in der Gewerbezone
Plan des Campus in der Gewerbezone Illustration: Wirtschaftsministerium